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Devisenmarkt : Dollar - Schwächling am Devisen- und Rohstoffmarkt

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Bild: FAZ.NET

Man kann es drehen und wenden wie man will, die allgemeine Dollarschwäche ist nicht mehr zu übersehen. Der Dollar-Index bewegt sich im langfristigen Abwärtstrend auf das Allzeittief zu. Ein starkes Angebot bewirkt einen niedrigen Preis.

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          Man kann es drehen und wenden wie man will, die allgemeine Dollarschwäche ist nicht mehr zu übersehen. Die amerikanische Währung ist in den vergangenen Wochen nicht nur gegen den Euro abgeglitten - am Donnerstag erreicht sie mit 1,3794 Dollar je Euro ein neues Allzeittief -, sondern auch gegen die meisten anderen Währungen weltweit.

          Alleine in der laufenden Woche hat der von FINEX berechnete Dollar-Index mehr als ein Prozent auf zuletzt 80,6 Punkte verloren. Damit näher er sich immer dem Allzeittief, das er im Jahr 1992 mit einem Wert von 78,33 Punkten erreicht hatte. Der Index ist ein geometrisch handelsgewichteter Durchschnittskurs des Dollars gegen den Euro, den Yen, das britische Pfund, den Kanada-Dollar, die schwedische Krone und den Schweizer Franken.

          Dollar-Index bewegt sich im langfristigen Abwärtstrend auf das Allzeittief zu

          Der Index wurde im März des Jahres 1973 kalibriert, als das System der fixen Wechselkurse abgeschafft wurde. Damals hatte er einen Ausgangswert von 100. Zwischenzeitlich erreichte er Werte zwischen 164,72 im Februar des Jahres 1985 und September 1992. Alleine das zeigt schon, wohin der Trend gegenwärtig läuft.

          Indes dürfte der Index die aktuelle Lage nur bedingt wiedergeben. Denn die Handelsströme haben sich seit seiner Etablierung deutlich verschoben. Zudem gibt es inzwischen deutlich mehr handelbare Währungen. So hat der Dollar seit seinem jüngsten Zwischenhoch gegen den Euro am 13. Juni knapp acht Prozent gegen den rumänischen Leu, 6,6 Prozent gegen die slowakische Krone, 6,4 Prozent gegen die schwedische Krone und 6,3 Prozent gegen den ungarischen Forint verloren.

          Schwächer als die amerikanische Währung waren in dieser Periode nur der israelische Schekel, der argentinische Peso, die Rupie Sri Lankas und die Währungen Afghanistans, Jamaikas, Kenias, Irans, Indonesiens und Uruguays. Wenig macht deutlicher, dass sich der Greenback auf dem Niveau der Währung einer Bananenrepublik befindet, von den Langzeittiefs gegen das britische Pfund oder den kanadischen Dollar gar nicht zu reden.

          Die amerikanische Währung befindet sich jedoch nicht nur gegen andere Währungen auf dem Rückzug. Die rekordverdächtigen Dollarpreise von Öl sowie die hohen Preisniveaus von Strom, Agrarrohstoffen und vor allem auch die anhaltenden Aufwärtstrends bei Metallen sprechen für sich. Diese Entwicklung muss nicht unbedingt nur das Resultat einer starken physischen Nachfrage sein, sondern sie kann auch das Ergebnis eines hohen Dollarangebots sein.

          Starkes Angebot - schwacher Preis = niedriger Dollar

          Dollars kommen auf den Markt, weil die amerikanische Zentralbank einerseits sehr großzügig mit der Geldmenge verfährt. Gleichzeitig verbucht das Land hohe Leistungsbilanzdefizite, die sich indirekt in hohen und anhaltend stark zunehmenden Devisenreserven asiatischer und energie- und rohstoffexportierender Länder zeigen. Die hohen Währungsreserven zeigen in Verbindung mit der schwachen Leistungsbilanz ein hohes Dollarangebot an.

          Wurden die Reserven lange Zeit in amerikanische Wertpapiere investiert, so scheint diese Neigung abzunehmen. Immerhin ist die amerikanische Konjunktur so schwach und die Erwartungen so gering, dass die Amerikaner ihre eigenen Gelder zunehmend lieber im Ausland anlegen als im Inland. Diese Kapitalflucht verstärkt kurzfristig nicht nur die Abwertungstendenz des Dollars, sondern stärkt auch das Vertrauen ausländischer Anleger in die Währung nicht. Wieso sollten sie in den Vereinigten Staaten investieren, wenn die Aussichten auf einen schwächelnden Konsum immer wieder aufkommende Wachstumshoffnungen stören können? Aus diesem Grund dürfte der Dollar weiterhin kritisch betrachtet werden müssen.

          Auf der anderen Seite stellen jedoch die Handelsüberschüsse und Devisenreserven der Partnerländer jedoch Ungleichgewichte dar, die in erster Linie das Resultat manipulierter Wechselkurse sind. Denn der Dollar wertete Jahre lang nicht gegen die Währungen jener Staaten einseitig ab, die die größten Überschüsse im Handel mit den Vereinigten Staaten erzielten.

          Spätestens wenn die amerikanische Importnachfrage aufgrund der schwachen Wirtschaft und des schwachen Konsums nachlassen sollte, dürfte dies Schwierigkeiten bereiten. In turbulenten Zeiten jedoch könnten amerikanische Anleger geneigt sein, ihre Geldvermögen heim zu holen, so dass der Dollar zu einer Gegenbewegung ansetzen dürfte. Je stärker im Vorfeld gegen ihn spekuliert wird, desto ausgeprägter kann sie ausfallen.

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