https://www.faz.net/-gv6-1140a

Devisenmarkt : Dollar holt gegen den Euro weiter auf

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Nach einer Zwischenkorrektur setzt der Dollar seine Aufwertungsbewegung gegen den Euro fort. Amerikanische Importwerte gehen stärker zurück als die Exportwerte. Zinserwartungen und andere Argumente sprechen momentan gegen den Euro

          3 Min.

          Nach einer deutlichen und raschen Zwischenkorrektur von Anfang bis Mitte Dezember des vergangenen Jahres setzt der amerikanische Dollar seine im Juni des vergangenen Jahres begonnene Aufwertungsbewegung gegen den Euro fort. Alleine am Dienstag wertet er gegen die europäische Einheitswährung um 1,5 Prozent auf auf 1,3220 Dollar je Euro.

          Der Markt wird dabei kurzfristig erstens von einem deutlichen Rückgang des amerikanischen Handelsbilanzdefizits im November auf 40,4 Milliarden Dollar bewegt. Das ist deutlich mehr als erwartet. Auf diese Weise geht an den internationalen Gütermärkten das Dollarangebot zurück, was den Dollar in der Tendenz knapper und damit bei gegebener Nachfrage wertvoller macht.

          Amerikanische Importwerte gehen stärker zurück als die Exportwerte

          Der Blick auf die Details zeigt, wieso das amerikanische Handelsbilanzdefizit zurückgeht: Von Juli bis November des vergangenen Jahres sind die amerikanischen Exportwerte um rund 15 Prozent zurückgegangen, während die Importwerte um rund 20 Prozent abnahmen. Einer der entscheidenden Faktoren ist das Öl beziehungsweise der Ölpreis. Denn während das Handelsbilanzdefizit mit Ölprodukten von Juli bis November aufgrund der nachlassenden Nachfrage und des fallenden Ölpreises um 10,5 Prozent zurückging, nahm das Defizit im Handel mit sonstigen Produkten lediglich um 0,5 Prozent von minus 33 auf minus 32 Milliarden Dollar ab.

          Bild: FAZ.NET

          In regionaler Betrachtung gab es von Oktober auf November deutliche Veränderungen. Denn in diesen vier Wochen ging das amerikanische Defizit im Handel mit China von 28 auf 23,1 Millairden Dollar zurück. Die Exporte fielen um 0,8 Milliarden Dollar, während die Importe um 5,7 Milliarden Dollar zurückgingen. Das traf vor allem Güter wie Haushaltswaren, Spielzeuge, Spiele, Sportartikel und Bekleidung. Kein Wunder also, dass Chinas Exporte in dieser Periode deutlich zurückgingen. Sie fielen in Branchen, die nicht von Chinas Ausgabenprogramm zur Stützung der Wirtschaft profitieren dürften.

          Neben dem Rückgang des Dollarangebots auf Basis des Warenhandels steht weiterhin die relative Liquiditätsknappheit, die in den vergangenen Monaten im Rahmen der Kreditkrise alleine aufgrund der dominierenden Stellung des Dollars im Rahmen des Welthandels offenbar geworden war. Da längst noch nicht alle Risiken aus dem Finanzsystem beseitigt sind, gibt es zumindest kurz- und mittelfristig eine unterschwellige Nachfrage nach Dollars, da unter anderem viele amerikanische Haushalte und Unternehmen ihre Bilanzen sanieren und dazu Mittel repatriieren.

          Zinserwartungen und andere Argumente sprechen momentan gegen den Euro

          Daneben spielen auch die Zinserwartungen eine Rolle. Während sie in den Vereinigten Staaten nicht mehr weiter fallen können, hat die Europäische Zentralbank noch Handlungsspielraum. Aufgrund der schlechten Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum dürfte der Rat der Europäischen Zentralbank nach Einschätzung von Fachleuten am kommenden Donnerstag einen „großen Zinsschritt“ von 50 Basispunkten nach unten auf dann zwei Prozent beschließen. Auch das mag den Euro gegen den Dollar kurzfristig weiter in die Defensive bringen.

          Manche Marktteilnehmer sehen auch in der Ankündigung der Ratingagentur S&P, die Kreditwürdigkeit Spaniens möglicherweise zu senken, ein kritisches Zeichen. Das könnte die europäische Währung kurzfristig ebenso weiter in die Defensive bringen, wie frühzeitige Wetten auf eine Wirkung der extremen amerikanischen Wirtschaftsstimulierung.

          Mittel- und längerfristig steht dem allerdings die gewaltige Verschuldung der Vereinigten Staaten entgegen. Rechnet man alle offenen und unterfinanzierten Verbindlichkeiten ein, so kommt sie längst auf mehr als 350 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes. Angesichts der geringen Steuereinnahmen, der beschlossenen Stützungsmaßnahmen für die Banken, der sich andeutenden Wertpapierkäufen der Zentralbank und der absehbaren keynesianischen Konjunkturprogramme dürften die Verbindlichkeiten förmlich explodieren. Einzelne Auguren kommen bei der Berechnung der amerikanischen Staatsverschuldung pro Kopf auf Werte von bis zu 125.000 Dollar.

          Schulden dieser Art lassen sich langfristig angesichts eines geringen Potenzialwachstums von wenigen Prozent pro Jahr unter normalen Umständen nicht tilgen. Letztlich lassen sie sich nur über eine inflationäre Entwicklung entwerten. Fragt sich nur, wann dieser Prozess einsetzt und wann die Anleger darauf reagieren werden. Spätestens dann dürfte der Dollar deutlich unter Druck geraten. Das heißt, Dollarpositionen sind immer mit der notwendigen Skepsis zu betrachten.

          Noch ist es nicht so weit. Denn die lockeren Geldpoliken kommen bisher nicht im System an. Der unabhängige amerikanische Analyst Gary Shilling rechnet ein Beispiel vor: Entspricht die Geldmenge M2 üblicherweise dem 60-fachen der Bankreserven, so führte die Expansion der amerikanischen Bankreserven zwischen August und November des vergangenen Jahres um 577 Milliarden Dollar zu einem Wachstum von M2 um gerade einmal 264 Milliarden Dollar. Das heißt, der Geldmultiplikator war nich 60, sondern 0,5.

          Weitere Themen

          Finanzinvestoren stützen Orbán

          Ungarn begibt Anleihen : Finanzinvestoren stützen Orbán

          Mit Hilfe von Finanzinvestoren erkauft sich Ungarns Ministerpräsident vor den Wahlen Zeit. Denn im politischen Streit mit Brüssel könnte sich die Auszahlung von EU-Krediten verzögern.

          Topmeldungen

          Der Kreml streitet jede Verbindung zur „Wagner-Gruppe“ ab.

          „Gruppe Wagner“ : Das Söldner-Unternehmen, das es nicht gibt

          Wer steckt hinter den russischen Kämpfern, von denen nun im Zusammenhang mit dem Mali-Einsatz auch der Bundeswehr die Rede ist? Alles deutet auf einen Geschäftsmann, den sie „Putins Koch“ nennen.

          Deutschland wählt : Was die Wahl am Ende entscheidet

          Für keinen der drei Kanzlerkandidaten können sich die Deutschen erwärmen. Inhalte spielen kaum eine Rolle. Am Ende wird es wohl heißen: Wer macht weniger Fehler. Der Wahlkampf in Grafiken.
          Zwei Fahrzeuge stehen an einer Ladesäule für E-Autos in Magdeburg.

          Elektromobilität : An Ladesäulen muss Kartenzahlung möglich sein

          Fürs Stromtanken brauchen Autofahrer bisher oft spezielle Apps und Kundenkarten. Von Juli 2023 an reicht dafür die Debit- oder Kreditkarte – ältere Ladesäulen müssen aber nicht umgerüstet werden. Kritik kommt aus der Autobranche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.