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Devisenmarkt : Die Yen-Carry-Trades sind gigantisch

  • Aktualisiert am

Bild: BIZ

Die so genannten „Yen-Carry-Trades“ sorgen mit Bezug zum Devisenmarkt immer wieder für Schlagzeilen. Eine Analyse zeigt, dass sie ein Volumen im Gegenwert von mehreren 100-Milliarden Dollar erreichen und den Yen deutlich schwächen können.

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          Die so genannten „Carry Trades“ sorgen mit Bezug zum Devisenmarkt immer wieder für Schlagzeilen. Oft ist jedoch nicht klar, was wirklich damit gemeint ist, da sich verschiedene Strategien dahinter verbergen können. Erstens könne es sich dabei um die Portfoliodiversifikation der japanischen Frau Meier - sprich Watanabe - handeln, um die Aufnahmen niedrig verzinslicher Hypotheken im Ausland, um die Fristentransformation der Banken oder auch um spekulative Positionen, die Hedge-Fonds eingehen.

          Insgesamt lasse sich nur schlecht abschätzen, welche Dimension solche Strategien erreichen können, erklären Stephen Cecchetti, Ingo Fender und Patrick McGuire in einem Researchbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und meinen damit vor allem den spekulativen Teil.

          Carry-Trades im Gegenwert von mehreren 100-Milliarden Dollar

          In einer Beispielversion nimmt der Anleger Kredit in niedrig verzinslichen Yen auf, tauscht sie in Dollar und kauft damit eine Anleihe in einer anderen Währung, die eine höhere Rendite abwirft als vergleichbare Yenanlagen. Allerdings geht er damit beachtliche Zins- und Wechselkursrisiken ein. Verschieben sich die Zinskurven nachteilig oder wertet der Yen auf, sinkt nicht nur die angestrebte Überrendite, sondern es kann sogar zu Verlusten kommen. In diesem Fall können Anleger rasch zu einer Positionsbereinigung tendieren und dadurch größere Kursbewegungen an den Märkten auslösen.

          Tatsächlich nutzen Investoren zur Umsetzung solcher Strategien vor allem derivative Instrumente wie etwa Zins- und Währungsswaps, erklären die Autoren. Aus diesem Grund eigne sich dieser Markt, um Aussagen abzuleiten, welche Dimension beispielsweise der Yen-Carry-Trade annehme. Dazu brauche man nur die Yen-Nachfrage realer Japananleger vom gesamten Yenvolumen subtrahieren, das von japanischen Banken bereitgestellt werde. Tue man das, so zeige sich, dass japanischen Banken in den vergangenen Jahren dem Swapmarkt Yenliquidität im Gegenwert von einer Billion Dollar zur Verfügung gestellt hätten.

          Vor allem nach dem Jahr 2005 floss davon ein großer Teil in so genannte Carry Trades. Genau in dieser Zeit wertete die japanische Währung gegen den Dollar von 102 auf bis zu 124 und gegen den Euro von 130 auf bis zu 170 Yen ab. Im Verhältnis zu anderen Währungen wie dem australischen Dollar und gegen den brasilianischen Real sieht die Entwicklung ähnlich oder sogar noch ausgeprägter aus. Der Kurs der brasilianischen Währung hat sich von 2004 bis Mitte des Jahres 2008 verdoppelt.

          Sie fanden vor allem im OTC-Markt statt

          Während sich die Entwicklung der Carry Trades zumindest in Ansätzen auch an der Positionierung an den regulierten Terminmärkten ablesen ließen, fand das eigentliche Volumen jedoch Over-The-Counter (OTC), also im intransparenten und unregulierten Markt zwischen einzelnen Marktteilnehmern und Banken, statt. Sie müssten künftig entsprechende Daten detaillierter und zeitnaher als bisher zur Verfügung stellen, um damit verbundene Risiken besser abschätzen zu können, erklären Stephen Cecchetti, Ingo Fender und Patrick McGuire.

          Während die Finanzkrise und das Misstrauen unter den Banken in den vergangenen Monaten zu einem Rückgang der Carry Trades und einer deutlichen Aufwertung des Yen geführt haben, rechnen die Analysten der BNP demnächst mit einer Abwertungsbewegung des Yen. Sie könne von flacher werdenden Zinskurven und zunehmendem Risikoappetit ausgelöst werden. Diese Kombination könne die Manager der großen japanischen Auslandsvermögen zum Zukauf im Ausland bei abnehmenden Neigung, Wechselkursrisiken abzusichern, verleiten.

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