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Devisenmarkt : Die Ukraine-Krise holt den russischen Rubel ein

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Bild: AFP

Die Aussicht auf neue Wirtschaftssanktionen des Westens schwächt die russische Währung. Noch bis vor wenigen Wochen war die Ukraine-Krise am Devisenmarkt eher in den Hintergrund getreten.

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          Die Sorge um neue Sanktionen des Westens hat den Kurs der russischen Währung auch am Montag unter Druck gesetzt. Der Rubel fiel am zweiten Tag in Folge auf ein Rekordtief zur amerikanischen Währung. Ein Dollar war zeitweilig bis zu 37,51 Rubel wert und notierte damit 13 Prozent stärker als zu Jahresbeginn. Seit Anfang 2013 hat der Dollar gegenüber dem Rubel aufgrund des schon früher eingesetzten russischen Wirtschaftsabschwungs rund 22 Prozent an Wert gewonnen. Auch zum Euro zeigt sich der Rubel schwach. Mit aktuell knapp 49 Rubel hat die europäische Währung ihr im März erreichtes Hoch von über 51 Rubel noch nicht erreicht.

          Bis vor wenigen Wochen schien die Ukraine-Krise am Devisenmarkt in den Hintergrund zu treten. Nachdem Russland die Halbinsel Krim im März völkerrechtswidrig annektiert hatte, die westliche Antwort darauf aber zurückhaltend ausfiel, erholte sich der Rubel bis Anfang Juli. Doch seither nahmen nicht nur die Auseinandersetzungen in der Ostukraine zu. Auch die Hinweise auf ein militärisches Engagement der russischen Armee verdichteten sich. Der Kreml muss deshalb in dieser Woche mit neuen Sanktionen der Europäischen Union rechnen.

          Es gilt als wahrscheinlich, dass die Strafmaßnahmen auch auf den Finanzsektor zielen werden. Bisher hat Brüssel die größten staatlich kontrollierten Banken Russlands nur von mittel- und längerfristigen Refinanzierungen am europäischen Kapitalmarkt ausgesperrt, ähnlich wie die Vereinigten Staaten. Die Aktien der Großbank Sberbank notieren an der Moskauer Börse rund 26 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn, die von VTB 20 Prozent. Der Gesamtmarkt in Form des Leitindex Micex hat rund 7 Prozent verloren.

          Der Rubel ist keine frei bewegliche Währung. Die Zentralbank hält ihn in einem Korridor zu einem Währungskorb aus Dollar (55 Prozent) und Euro (45 Prozent). Allerdings hat sie ihr Interventionsregime auch in der Ukraine-Krise gelockert und damit konsequent am Ziel festgehalten, die Währung von 2015 an gänzlich den Marktkräften zu überlassen. Die Notenbank möchte sich dann auf die Bekämpfung der derzeit zu hohen Inflation konzentrieren und wird die Währung nur noch über die Geldpolitik beeinflussen.

          Da weitere Zinserhöhungen bis Ende dieses Jahres trotz der Wirtschaftsschwäche als wahrscheinlich gelten (seit Februar hat die Notenbank die Zinsschraube bereits drei Mal angezogen), kann der Rubel von dieser Seite Unterstützung erwarten. Ohne eine Entspannung der Ukraine-Krise bleibt eine tragfähige Erstarkung der Währung aber sehr unwahrscheinlich.

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