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Devisenmarkt : Die osteuropäischen Währungen demonstrieren weiter Stärke

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Das Wehklagen in Osteuropa über die anziehenden heimischen Währungen ist zwar groß. Aber alle im Kampf gegen diesen in dem Ausmaß nicht gewünschten Trend eingesetzten Maßnahmen sind zuletzt weitgehend verpufft.

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          Da gibt es einfach nichts dran zu rütteln. Die meisten Währungen in Osteuropa neigen gegenüber dem Euro ungebrochen zur Stärke. Selbst die vielfach anzutreffenden hohen Leistungsbilanzdefizite oder die meistens zu hohen Haushaltsdefizite haben daran bisher nichts geändert. Selbst die verschiedensten von den Notenbanken mittlerweile angewandten Gegenmaßnahmen haben die Aufwertungs-Tendenzen bisher nicht stoppen können.

          Polnischer Zloty, slowakische Krone, tschechische Krone und ungarischer Forint notieren trotzdem in der Nähe ihrer Jahreshoch und werden dabei gestützt von intakten Aufwärtstrends. Um welche Dimensionen es dabei geht, wird beim Blick auf den Zloty deutlich. Der hat sich auf Sicht eines Jahres zum Euro um 20 Prozent befestigt und gegenüber dem Dollar sogar um 25 Prozent aufgewertet.

          Ungebrochene Aufwärtstrends

          Bei diesen Gewinnen wundert es nicht, daß sich die Verantwortlichen in den jeweiligen Ländern um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen sorgen. Um die Aufwärtstrends zu brechen oder zumindest zu bremsen, wird verbal interveniert und mitunter auch schon einmal über ansonsten fundamental nicht zwingend erforderliche Zinssenkungen versucht, die eigenen Währungen zu schwächen.

          Bisher waren aber alle diese Versuche ohne durchschlagenden Erfolg. Die Konvergenzphantasie ist ganz einfach stärker momentan und außerdem fließt wegen der höheren Wachstumsraten und der billigeren Löhne viel Geld in den Osten. Dagegen ist letztlich auch mit den gewieftesten Taktiken nur schwer anzukommen.

          Charttechnisch wären neue Jahreshochs neue Kaufsignale

          Im Grunde genommen kann es den Verantwortlichen momentan nur darum gehen, neue Jahreshochs so lange wie möglich hinauszuzögern. Denn rein charttechnisch gesehen sind neue Jahreshochs stets gleichbedeutend mit neuen prozyklischen Kaufsignalen. Um genau das zu verhindern, sind weitere Zinssenkungen nicht ausgeschlossen. Im Falle Polens rechnet man im Markt beispielsweise im Jahresverlauf mit Zinssenkungen von insgesamt rund 100 Basispunkten.

          Das hindert aber Experten wie die bei der österreichischen Zentralbank nicht daran, dem Zloty bis auf weiteres gute Perspektiven zu bescheinigen. Das hat vermutlich auch damit zu tun, daß bei einem aktuell noch gültigen Leitzinsniveau von 6,5 Prozent auch nach Zinssenkungen noch immer ein Zinsvorsprung gegenüber Euro-Anleihen bestehen wird. Erst Recht gilt diese Bestandaufnahme für den ungarischen Forint. Schließlich finden sich dort derzeit die höchsten Leitzinsen in ganz Europa. Der Appetit auf osteuropäische Währung wird deshalb vermutlich nicht so schnell abnehmen.

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