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Devisenmarkt : Devisenstrategen sehen Euro Ende 2007 im Konsens bei 1,30 Dollar

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Bild: FAZ.NET

Der Euro hat 2006 im Verhältnis zum Dollar spürbar zugelegt. 2007 rechnen Experten damit, daß die Einheitswährung das erreichte Kursniveau verteidigen kann. Weitere starke Gewinne werden im Schnitt aber nicht mehr erwartet.

          Weiter auf hohem Niveau zum Dollar erwarten Devisenexperten den Euro im kommenden Jahr. Wie eine Umfrage von Dow Jones unter 39 Finanzinstituten ergeben hat, sehen Analysten die Einheitswährung Ende 2007 im Schnitt bei 1,30 Dollar. Mit 1,33 Dollar liegen die Schätzungen zur Jahresmitte leicht darüber.

          Hinter diesen mit Blick auf das aktuelle Kursverhältnis recht unspektakulären Prognosen verbergen sich jedoch durchaus unterschiedliche Einschätzungen. Die höchste Nennung auf Jahressicht von 1,45 Dollar steht in starkem Kontrast zum anderen Extrem von 1,18 Dollar. Die Mehrzahl der Schätzungen bewegt sich allerdings im Konsensbereich.

          Prognosen hängen an den Erwartungen zu den Leitzinsen und dem Wirtschaftswachstum

          Hauptthemen im kommenden Jahr für Euro/Dollar werden einmal mehr die Leitzinspolitik der Notenbanken sowie die wirtschaftliche Entwicklung in Amerika und Euroland sein. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt, die den Euro Ende 2007 bei 1,45 Dollar sehen, gehen davon aus, daß sich das Wachstum in Amerika deutlich stärker abschwächen wird, als von den meisten Beobachtern bislang erwartet.

          „Das dürfte die Federal Reserve mit aggressiven Zinssenkungsschritten auf den Plan rufen, was die Zinsschere zum Euro - eine der wichtigsten Stützen für den Dollar - weiter verringern wird“, sagt HSBC-Analyst Rainer Sartoris. Er prognostiziert für den kommenden Mai die erste Zinssenkung durch die amerikanischen Notenbanker und sieht die Fed-Funds-Rates Ende 2007 auf einem Niveau von vier Prozent.

          Damit wäre das amerikanische Leitzinsniveau nicht mehr weit von jenem im Euroland entfernt. Sartoris rechnet nach dem Zinsschritt der EZB Anfang Dezember mit eventuell einer weiteren Erhöhung im kommenden Jahr. Die EZB werde die Leitzinsen dann angesichts der eher moderat einzustufenden Inflationsgefahren aber für eine geraume Weile wohl auf diesem Niveau belassen.

          Die Einleitung einer Zinssenkungsphase, wie sie sich in Amerika abzeichnet, erwartet Sartoris 2007 nicht mehr. Das sei auch dann unwahrscheinlich, wenn sich das Wachstum im Euroland im Laufe des kommenden Jahres eintrüben sollte. Als weiteren latenten Belastungsfaktor für den Greenback macht Sartoris das anhaltend hohe Leistungsbilanzdefizit in Amerika aus, was zu verstärkter Diversifizierung der Währungsreserven zahlreicher Notenbanken weltweit führen könnte. In der Regel hat das ein geringere Anlagen im Dollar zur Folge.

          Uneinigkeit über die weiteren Zins- und Konjunkturaussichten in Amerika

          Abschläge für den Euro im kommenden Jahr erwartet dagegen Achim Dörnemann von Sal. Oppenheim. Zwar sei es durchaus möglich, daß der Euro im ersten Quartal die bisherigen Allzeithochs gegen den Dollar von 1,3670 Dollar teste, so der Währungsexperte. Im Anschluß dürfte die Einheitswährung aber den Rückwärtsgang einlegen. Dörnemann sieht den Euro Ende 2007 eher im Bereich von 1,2450 Dollar.

          Der Experte geht davon aus, daß der Boden der Wirtschaftsabschwächung in Amerika in der Zwischenzeit erreicht worden ist und sieht für 2007 ein besseres Wirtschaftsklima. „Die Federal Reserve steht damit nicht unter Handlungsdruck, die Zinsen zu senken. Zugleich wird sich der überraschend starke Aufschwung im Euroland wohl schon bald relativieren.“

          Der Euro sei in den vergangenen Wochen über das Ziel hinausgeschossen. Auslöser sei die zunehmend kritische Haltung einiger Marktakteure gewesen, die die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession schlittern sähen. Dem stimmt Dörnemann nicht zu: „Eine harte Landung oder gar eine Rezession wird es nicht geben“. Angesichts der vielen Long-Positionen im Markt sei daher eine deutlichere Korrektur des Euro in den kommenden Monaten zu erwarten.

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