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Devisenmarkt : Der südafrikanische Rand wackelt schon wieder

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Bild: FAZ.NET

Der Rand hat einen neuerlichen Schwächeanfall erlitten und so wie es aussieht, werden zum Dollar und zum Euro bald die Mehrjahrestiefs getestet. Dabei läuft die Wirtschaft besser als befürchtet, wie neue Konjunkturdaten belegen.

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          Als im zweiten Quartal im Zuge einer allgemein steigenden Risikoaversion unter den Anlegern viele Aktienmärkte und Devisen aus den Schwellenländern erheblich unter Druck gerieten, hat es auch den südafrikanischen Rand erwischt. Gegenüber dem Dollar fiel die südafrikanische Landeswährung mit 7,4350 Rand auf den tiefsten Stand seit September 2003 und im Verhältnis zum Euro stellte eine Notiz von 9,3098 Rand das niedrigste Niveau seit Juni 2003 dar.

          In den vergangenen Wochen kam es mit den allgemein weltweit etwas nachlassenden Zins- und Inflationsängsten zu einer gewissen Kurserholung. Doch diese Bewegung ist inzwischen schon wieder ausgelaufen. Die kurzfristigen Aufwärtstrends, die sich zugunsten des Rand gebildet hatten, sind jedenfalls schon wieder zerstört. Dadurch spricht charttechnisch betrachtet nun vieles für einen baldigen neuen Angriff auf die im Juni markierten Tiefs.

          Überraschend gute Konjunkturzahlen

          Der erneute Schwächeanfall kommt deshalb auf dem ersten Blick etwas überraschend, weil das Land mit einem geringen Haushaltsdefizit, einer relativ niedrigen Inflationsrate von unter fünf Prozent und der längsten Phase ununterbrochenem Wirtschaftswachstums seit dem zweiten Weltkrieg (2005 betrug das Plus beim Bruttoinlandsprodukt 4,9 Prozent, was die stärkste Zuwachsrate seit 21 Jahren war) eigentlich mit einem ganz soliden volkswirtschaftlichen Datenkranz aufwarten kann.

          Zu diesem positiven Umfeld paßt auch die Meldung vom Dienstag, wonach das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 4,9 Prozent, und damit viel stärker als das von Analysten erwartete Plus von 4,3 Prozent gestiegen ist. Zudem bringen südafrikanische Staatsanleihen, nachdem die Notenbank zuletzt die Leitzinsen gleich zwei Mal um jeweils 50 Basispunkte auf nunmehr acht Prozent erhöht hat, weiter eine deutliche höhere Rendite als viele andere Anleihen. Konkret wirft die zehnjährige Randanleihe momentan immerhin 8,59 Prozent ab.

          Chart spricht für Angriff auf die Jahrestiefs

          Alles das hat aber nicht verhindert, daß der Rand in diesem Jahr gegenüber dem Dollar schon elf Prozent an Wert verloren und verglichen mit dem Euro sogar schon 21 Prozent eingebüßt hat. Die am Berichtstag veröffentlichten Wachstumszahlen könnten nun eventuell zu einer gewissen Beruhigung beitragen. Zumindest wurde bisher von Experten neben den zu geringen ausländischen Direktinvestitionen immer wieder die Sorge vor einer deutlichen Konjunkturverlangsamung als wichtigster Grund für die Rand-Schwäche angeführt.

          Sofort wird die Angst aber vermutlich nicht aus dem Markt weichen, schließlich haben die Konjunkturbedenken auch mit den dämpfenden Effekten aus den jüngst beschlossenen Zinserhöhungen zu tun. Als langfristig sehr wichtiger Belastungsfaktor sollte auch das traurige Thema AIDS nicht vergessen werden. Schließlich hat Südafrika mit fünf Millionen Infizierten mehr HIV/Aids-Fälle als irgendein anderes Land der Welt zu bewältigen. Täglich sterben dort 800 Menschen an der Immunschwächekrankheit und abgesehen von den damit verbundenen menschlichen Tragödien stellt dies auch volkswirtschaftlich gesehen eine enorme Belastung dar.

          Es wird deshalb vermutlich noch eine Zeit lang dauern, bis der Markt wieder ausreichend Vertrauen zum Rand gefaßt hat. Bis es soweit ist, dürfte zunächst aber erst einmal ein Angriff auf die Jahrestiefs anstehen. Diese Vermutung legt alleine schon der Blick auf die charttechnische Ausgangslage nahe und damit rechnen auch die Devisenexperten der Rabobank in ihrer aktuellen Markteinschätzung.

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