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Devisenmarkt : Der Kiwi ignoriert standhaft das Defizit in der Leistungsbilanz

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Bild: FAZ.NET

In Neuseeland wird das Leistungsbilanzdefizit immer größer. Die Währung hält sich jedoch aufgrund der hohen Zinsen standhaft gegen den Euro in einem Aufwertungstrend. Die Risiken sollten jedoch nicht unterschätzt werden.

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          Nach der Erholung im vergangenen Jahr gegen den Euro und den Yen befand sich der amerikanische Dollar in einer ausgeprägten Schwächephase. Sie wurde in den vergangenen Monaten nur deswegen verhindert, weil internationale amerikanische Unternehmen starke Steueranreize hatten, Kapital aus dem Ausland zurückzuholen. Die dadurch ausgelösten Geldströme erhöhten die Nachfrage nach der amerikanischen Währung.

          Wichtiger als das dürften allerdings die Leitzinserhöhungen der amerikanischen Zentralbank gewesen sein. Sie schraubten den Leitzins von einem Rekordtief von einem Prozent auf zuletzt 4,5 Prozent.

          Aufkommender Zinsvorteil stützte den Dollar

          Da gleichzeitig die Notenbanken in Japan und Europa die Zinssätze nicht oder kaum bewegt haben, ist eine deutliche positive Zinsdifferenz zugunsten des Dollars entstanden. Sie wurde und wird von spekulativen Anlegern genutzt und führt zu ähnlichen Mittelflüssen - was den Dollar ebenfalls beflügelte.

          Allerdings lauern im Hintergrund nach wie vor die bekannten makroökonomischen Ungleichgewichte, die die amerikanische Währung jederzeit destabilisieren können. Das zeigt sich unter anderem an offiziellen Äußerungen, die den Internationalen Währungsfonds ins Spiel bringen als Instanz, die für marktgetriebenen Gleichgewichtsverhältnisse im Devisenbereich sorgen könnte und sollte. Denn eine Ursache für die riesigen Ungleichgewichte - Defizite in Amerika und riesige Währungsreserven in Asien - sind unflexible Währungen in Asien. Sie wurden und werden entweder durch Interventionen manipuliert oder offen an den amerikanischen Dollar gebunden.

          Langfristig können solche Verhältnisse jedoch keinen Bestand haben. Denn sie führen dazu, daß die Ungleichgewichte immer größer werden und schließlich für markante Turbulenzen sorgen, wenn sie dann doch korrigiert werden müssen. Je früher jedoch die Korrektur kommt, desto geringer würden die Störungen ausfallen, argumentieren viele Experten.

          Kiwi bisher resistent gegen zunehmendes Defizit

          Von Zins- und anderen Sondereffekten können jedoch auch andere Währungen profitieren. Zum Beispiel der Neuseeland-Dollar. Mit einem Zinssatz von 7,43 Prozent bei Anlagen für drei Monate und mit Renditen von 5,795 Prozent bei zehnjährigen Papieren kann die Währung wuchern und internationales Kapital anziehen. Dieser Zinsvorsprung und die anhaltende Nachfrage nach Rohstoffen dürfte in den vergangenen Monaten dazu beigetragen haben, daß sich Währungen wie der australische oder auch der Kiwi-Dollar robust zeigen konnten. Und das, obwohl beide Staaten ebenfalls deutliche Defizite in der Leistungsbilanz aufweisen.

          Das Leistungsbilanzdefizit Australiens bewegt sich in Richtung auf neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes des Landes und ist damit noch deutlich größer als das amerikanische. In diesem Sinne dürfte man auch diese Währung trotz aller „Zinsreize“ kritisch betrachten müssen. Denn sollte sich das Wachstum des Landes abschwächen und zu Zinssenkungen führen, dürfte die Währung deutlich in die Defensive geraten können.

          Noch ist es nicht soweit und noch befindet sich der Kiwi in einem langfristigen Aufwertungstrend gegen den Euro. Aber schon gegen den Dollar zeigt der Trend leicht nach unten.

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