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Devisenmarkt : Der Forint gilt weiter als Wackelkandidat

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Harter Wahlkampf: Verunstaltetes Plakat der Sozialisten Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der ungarische Forint ist in der Vorwoche auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen. Die ungelösten strukturellen Defizite des Landes machen die Währung auch weiterhin anfällig für spekulative Attacken.

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          Am 24. Oktober hatte FAZ:NET bereits schon einmal auf Faktoren aufmerksam gemacht, die den Kurs der ungarischen Landeswährung gefährden (Über dem Forint schwebt ein Damoklesschwert). Im Laufe des März' hat sich eindrucksvoll gezeigt, wie berechtigt die damals zum Ausdruck gebrachten Bedenken waren.

          Auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent zu erhöhen, reagierten zwar auch die meisten anderen Ostwährungen mit einem Schwächeanfall. Das Minus von 4,6 Prozent, das aber der Forint zwischen dem 2. und dem 14. März einstecken mußte, war aber der höchste Abschlag. In der Spitze wertete die ungarische Landeswährung zum Euro bis auf 266,29 Forint ab, was der schwächsten Notiz seit dem 10. Februar 2004 gleichkommt.

          Die seit März 2005 verbuchte Abwertung beläuft sich nach sechs Verlustwochen in Folge mittlerweile auf fast zehn Prozent. Die Gefahr ist groß, daß die Verluste noch stärker ausfallen werden. Denn die strukturellen volkswirtschaftlichen Probleme des Landes sind noch immer nicht gelöst. Sie haben sich im Gegenteil zuletzt tendenziell sogar eher noch verschärft.

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          Notenbank sieht Wirtschaft kurz vor einem Herzanfall

          Besserung dürfte auch nicht nach den am 9. April anstehenden Parlamentswahlen zu erwarten sein. Zur Zeit wird damit gerechnet, daß weder das bürgerliche noch das sozialdemokratische Lager einen entscheidenden Sieg erringen kann. Daher ist nicht damit zu rechnen, daß nach den Wahlen ein Bruch mit der Tradition der wirtschaftspolitischen Zyklen erfolgen kann.

          Üblicherweise verfolgen die Regierungen in den ungefähr 18 Monaten vor dem Wahltermin eine expansive Wirtschaftspolitik, die für ein höheres Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit sorgt. Üblicherweise wird auch im Wahlkampf nicht davon geredet und auch in diesem hat keiner der Spitzenkandidaten den Willen zur Konsolidierung zum Ausdruck gebracht.

          Da allerdings die strukturelle Schwäche der ungarischen Volkswirtschaft mit ihrer hohen Auslandsverschuldung auf Dauer diesen Kurs nicht ermöglicht, wird einige Monate nach den Wahlen üblicherweise doch eine rund einjährige Sparpolitik eingeleitet. Dieser fällt allerdings um so vorsichtiger aus, je schwächer eine Regierung ist.

          Ein Sparkurs wäre aber wieder einmal dringend erforderlich, um das doppelte Defizit wirkungsvoll zu bekämpfen. In den vergangenen vier Jahren waren die Bemühungen von noch weniger Erfolg gekrönt als sonst. Die Budgetziele wurde stets verfehlt und auch 2006 wird statt des zunächst anvisierten Defizits von 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukt eher ein Minus von fünf Prozent erwartet.

          Die Notenbank drängt unterdessen auf einen Stabilisierungskurs. Notenbankpräsident Zsigmond Járai, der schon länger mit Ministerpräsident Gyurcsány einen offenen Konflikt wegen des wirtschaftspolitischen Kurses austrägt, sagte erst vor kurzem, daß die Wirtschaft kurz vor einem Herzanfall stehe. Auch die führenden Rating-Agenturen haben erst jüngst auf die Gefahr einer Rückstufung der ungarischen Kreditwürdigkeitsnote für den Fall hingewiesen, daß sich das doppelte Defizit weiter erhöhen sollte. Indes will kurz vor den Wahlen angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens von Regierung und Opposition keines der politischen Lagern mit der Propagierung eines unpopulären Sparkurses seine Wahlchancen beeinträchtigen.

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