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Devisenmarkt : Der Euro steigt erstmals über 1,60 Dollar

  • -Aktualisiert am

Der Euro wird immer mehr wert Bild: Dieter Rüchel

Der Euro ist am Dienstag erstmals vorübergehend über die symbolträchtige Marke von 1,60 Dollar geklettert. Die europäische Währung kostete damit so viel wie noch nie seit ihrer Einführung. Auch der Ölpreis erreichte zuvor mit mehr als 118 Dollar pro Barrel ein neues Rekordniveau.

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          Der Euro hat am Dienstag erstmals mehr als 1,60 Dollar gekostet. Am späten Nachmittag markierte die europäische Gemeinschaftswährung ein neues Rekordhoch bei 1,6002 Dollar. Die Marktbeobachter sind sich jedoch weitgehend einig, dass dies längst nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein dürfte. In der nächsten Woche tagt der Zentralbankrat der Federal Reserve in Washington.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Dort wird angesichts der Rezessionsgefahren mit einer weiteren Zinssenkung gerechnet. Seit September haben die Notenbanker um Ben Bernanke ihren Leitzins wegen der Kreditkrise und der Probleme am amerikanischen Immobilienmarkt bereits von 5,25 auf 2,25 Prozent gesenkt. Die Geldanlage im Dollar-Raum ist somit wesentlich weniger attraktiv geworden, worunter der Dollar leidet.

          Exportindustrie fürchtet um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit

          Der Euro hingegen profitiert von weiterhin konstanten Leitzinsen im Euro-Raum von 4 Prozent. Die zuletzt weiter steigende Inflation hat die Erwartungen der Marktteilnehmer auf sinkende Zinsen in naher Zukunft zunichte gemacht. Vielmehr kamen nun sogar Spekulationen um eine Erhöhung der Leitzinsen auf. An den europäischen Aktienmärkten sorgte das neue Rekordhoch des Euro zum Dollar für Kursverluste von rund einem Prozent. Die Exportindustrie fürchtet um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit.

          Der in Dollar notierte Ölpreis stieg am Dienstag ebenfalls auf ein neues Rekordhoch. Für ein Fass (159 Liter) des texanisches Leichtöl der Sorte WTI wurden bis zu 118,98 Dollar gezahlt, für das Fass der Nordseesorte Brent bis zu 115,53 Dollar. Neben dem schwachen Dollar sorgten Rebellenangriffe auf eine Pipeline in Nigeria für die steigenden Notierungen.

          Die Ölpreisentwicklung wurde auch nicht dadurch gedämpft, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auf dem Internationalen Energieforum in Rom ankündigte, bis zum Jahr 2012 ihre Förderkapazität von 32 auf 37 Millionen Fass je Tag zu erhöhen. Im Jahr 2020 soll die tägliche Förderung auf 41 Millionen Fass steigen. Unterdessen erhöhte die französische Fluggesellschaft Air France die Treibstoffzuschläge für alle Flüge.

          Höhere Leitzinsen machen den Euro für Anleger attraktiver

          Für Carsten Fritsch, einen Devisenfachmann der Commerzbank, hat der Euro durchaus das Potential, noch weiter zu steigen. Wegen des starken Inflationsdrucks dürfte der nächste Zinsschritt im Euro-Raum eher nach oben gehen - und nicht wie bislang erwartet nach unten, argumentiert er. Jedenfalls hätten sich in den vergangenen Tagen mehrere Mitglieder des geldpolitischen Rats der Europäischen Zentralbank in diesem Sinne geäußert, sagt Fritsch. Höhere Leitzinsen aber machen den Euro für Anleger attraktiver.

          Das nächste Kursziel sieht Fritsch bei 1,62 bis 1,63 Dollar. Danach ist für ihn alles offen. Sollte sich die Talfahrt des Dollar beschleunigen, sei von Kursen jenseits von 1,65 Dollar an sogar mit Interventionen der Zentralbanken zu rechnen, meint er und verweist auf entsprechende Interpretationen des Kommuniqués, das die sieben führenden Industrienationen („G-7“) nach ihrem Treffen am vorvergangenen Wochenende in Washington veröffentlicht haben. Fritsch hält allerdings für fraglich, ob solche Interventionen zur Stützung des Dollar erfolgreich sein können, solange die Europäische Zentralbank (EZB) auf Kurs ist, ihren Leitzins anzuheben und den Euro dadurch attraktiver zu machen. In seinem Hauptszenario geht Fritsch davon aus, dass Interventionen gar nicht nötig sein werden: Denn gerade die Euro-Stärke werde über die Dämpfung des Exports letztlich eine Abkühlung der Konjunktur im Euro-Raum bewirken. In der Folge werde der Euro wieder unter 1,60 Dollar fallen.

          Kompliziertes Wechselspiel mit dem Ölpreis

          Auch Folker Hellmeyer, ein Kapitalmarktstratege der Landesbank Bremen, hält weitere Kursgewinne des Euro bis auf 1,62 oder 1,63 Dollar für wahrscheinlich. Für ihn ist aber schon auf dem jetzt erreichten Niveau eine größere Korrektur überfällig. Denn zum einen habe die G-7 signalisiert, dass sie eine ausgeprägte Talfahrt des Dollar nicht hinnehmen werde. Das dämpfe die Phantasie auf weitere Kursgewinne des Euro. Zudem dürfte die Konjunktur hierzulande abkühlen. Vor allem aber setzt Hellmeyer darauf, dass der anstehende Wechsel im Weißen Haus dem Dollar für einige Zeit Auftrieb verschaffen werde. „Präsident George Bush als den Dollar belastende Hypothek fällt weg“, formuliert er pointiert. Hellmeyer sagt deshalb voraus, dass der Euro in den nächsten zwölf bis 15 Monaten auf weniger als 1,50 Dollar zurückfallen wird.

          In einem komplizierten Wechselspiel trägt die Dollar-Schwäche dazu bei, dass der Ölpreis immer neue Rekordhöhen erklimmt. Viele der großen Ölexporteure im Nahen Osten und in östlichen Ländern wie Russland importierten mehr Waren aus dem Euro-Raum als aus den Vereinigten Staaten, erläutert Fritsch. Wenn der Dollar zum Euro nachgibt, verlieren diese Länder an Kaufkraft. Um das auszugleichen, verkaufen sie ihr Öl nur zu höheren Dollar-Preisen. Ganz in diesem Sinne habe das Ölkartell Opec trotz des hohen Ölpreises keine Ausweitung des Angebots beschlossen - damit der Ölpreis nicht zurückgehe, sagt Hellmeyer.

          Der ansteigende Ölpreis wiederum hält das amerikanische Handelsbilanzdefizit hoch - was den Dollar in der Tendenz unter Abwertungsdruck hält. Wie Ned Rumpeltin, ein Devisenanalyst von Morgan Stanley aufzeigt, ist das Handelsdefizit ohne Öl seit dem Rekordhoch im dritten Quartal 2006 immerhin um rund ein Drittel geschrumpft. Doch hat die Verteuerung des Öls diesen Effekt weitgehend zunichte gemacht. So steuern die Ölimporte inzwischen mehr als die Hälfte zum amerikanischen Handelsbilanzdefizit bei. Sollte der Ölpreis fallen, werde dies zu einer deutlichen Verringerung des Defizits führen, schreibt Rumpeltin. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus.

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