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Devisenmarkt : Der Euro spürt wieder seine strukturelle Schwäche

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Bild: FAZ.NET

Der Euro steht wieder einmal unter Druck. Nach Aussagen von Jürgen Stark von der Europäischen Zentralbank, die Europäische Union werde Griechenland nicht aus seinen finanziellen Schwierigkeiten heraushelfen, fiel er auf bis zu 1,4283 Dollar.

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          Der Euro steht Mittwoch am Devisenmarkt wieder einmal unter Druck. Nach Aussagen von Jürgen Stark, einem Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), werde die Europäische Union Griechenland nicht aus seinen finanziellen Schwierigkeiten heraushelfen, fiel er im Tagesverlauf bis auf 1,4283 Dollar. „Wer glaubt, dass die EU-Mitgliedsländer am Ende doch in den Geldbeutel greifen, um Griechenland zu retten, der täuscht sich“, sagte Stark in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“.

          Das bringt am Devisenmarkt wieder einmal die Strukturprobleme innerhalb Europas zum Tragen, die neben den schwachen Banken die europäische Einheitswährung grundsätzlich belasten können.

          Strukturelle Probleme des Euro schlagen immer wieder einmal durch

          Sie führen immer wieder zu Gegenbewegungen zu jenen Phasen, die sich durch hohen Risikoappetit und die Internationalisierung der Kapitalströme auf der Suche nach renditeträchtigen Anlageformen und in der Folge durch eine Abwertung der amerikanischen Währung auszeichnen.

          Eine solche Gegenbewegung ließ den Euro im Dezember des vergangenen Jahres von knapp 1,51 Dollar auf bis zu 1,4275 Dollar abwerten. Nach einer kurzen Zwischenerholung auf bis zu 1,4415 Dollar befindet er sich am Mittwoch wieder in der Defensive. Dazu tragen nicht nur die wirtschafts- und finanzpolitischen Probleme Europas - weite Teile des Kontinents sind aufgrund schlechter Wirtschaftspolitiken nicht wettbewerbsfähig und leben finanzpolitisch gleichzeitig massiv über ihre Verhältnisse - bei, sondern auch Liquiditätsüberlegungen.

          Diese dominieren vielfach die Entwicklung der Wechselkurse. So trug in den vergangenen Monaten die extrem expansive Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank zusammen mit dem großen Appetit wirtschaftsoptimistischer amerikanischer Anleger auf ausländische Wertpapiere sowie den Diversifikationsbestrebungen der Handelsüberschussstaaten, die ihre Währungen mehr oder weniger an den Dollar gekoppelt haben, dazu bei, dass der Euro trotz der Probleme des Euroraums aufwertete.

          ... vor allem dann, wenn die globale Liquiditätsversorgung begrenzt wird

          Sobald jedoch Zweifel an der wirtschaftlichen Erholung aufkommen, tendieren amerikanische Anleger dazu ihre Gelder repatriieren. Das kann zusammen mit der aufgrund von schwachen Einkommen abnehmenden Importneigung in Amerika dazu beitragen, dass das internationale Dollarangebot zumindest relativ abnimmt. In diesem Rahmen nehmen die Währungsreserven der Handelsüberschussstaaten weniger rasant zu. Auf diese Weise wird der Währungsdiversifikationsdruck geringer. Gleichzeitig werden diese Staaten wegen inflationärer Impulse und entstehender Vermögenspreisblasen gezwungen, geldpolitisch restriktiver als bisher zu werden. In China verstärken sich Überlegungen, den unterbewerteten Yuan aufwerten zu lassen.

          Zusammen mit Ankündigungen der amerikanischen Zentralbank, außerordentliche Liquiditätsmaßnahmen auslaufen zu lassen kann das die globale Liquiditätsversorgung zumindest in Ansätzen begrenzen. Genau das würde dazu beitragen können, die Wechselkursentwicklung der amerikanischen Währung zu stabilisieren oder sie gar aufwerten zu lassen.

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