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Devisenmarkt : Das „Carry-Spiel“ beginnt von Neuem

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Bild: FAZ.NET

Es kommt, wie es kommen musste. Als ob es nie eine Kreditekrise gegeben hätte laufen die Börsen nach oben, die Rentenmärkte nach unten und am Devisenmarkt dominieren die „Carry Trader“. Das gilt zumindest kurzfristig.

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          Es kommt, wie es kommen musste. Nach einigen Tagen mit großer Aufregung scheinen sich die Anleger nicht mehr für die Kreditkrise zu interessieren. Als ob nie etwas gewesen wäre, beginnt an den Finanzmärkten das „alte Spiel“ offensichtlich von neuem: Die Börsen laufen nach oben, die Rentenmärkte geraten in die Defensive und am Devisenmarkt übernehmen die „Carry Trader“ wieder das Ruder.

          Deutete es sich in den vergangenen beiden Tagen schon an, so gerät der Yen am Donnerstag nach der Entscheidung der japanischen Zentralbank, den Leitzins unverändert zu lassen, wieder deutlich unter Druck. Nach einer deutlichen Zwischenerholung während der Kreditkrise hat er alleine in den vergangenen beiden Tagen zwei Prozent gegen den Euro verloren und liegt am Donnerstag im frühen Handel mit einem Minus von 122 Stellen bei 156,91 Yen. Er schwächelt auch gegen den Dollar: Der kostet 115,91 Yen, nachdem er noch in der vergangenen Woche ein kurzfristiges Kurszwischentief von 111,62 Yen markiert hatte. Der Euro dagegen kostet 1,3544 Dollar, nach 133,61 Dollar noch in der vergangenen Woche.

          Ist die kurzfristige Renaissance der Carry Trades...

          Auf Sicht einer Woche zeigt sich die kurzfristige Renaissance der Carry Trades am deutlichsten zwischen der Kursentwicklung der türkischen Lira und dem Yen: Während die Lira in den vergangenen sieben Tagen gegen den Euro 6,5 Prozent aufwertete, hat der Yen etwas mehr als vier Prozent abgewertet. Deutliche Kursgewinne verbuchten auch der Real, die isländische Krone, der Neuseeland-Dollar, der südafrikanische Rand und nicht zuletzt auch der australische Dollar. Kaum eine Währung zeigte sich dagegen so schwach wie der Yen.

          Insgesamt deutet zwar rein optisch zunächst vieles darauf hin, als ob die Kursturbulenzen der vergangenen Wochen eine normale Korrektur in einem anhaltenden Aufwärtstrend gewesen wäre, wie sie in den vergangenen Jahren schon mehrfach zu beobachten gewesen war. Allerdings dürfte das nur eine oberflächliche Betrachtung sein. Denn tatsächlich hat die Kreditkrise die Intransparenz und vor allem auch die Illiquidität von Marktsegmenten offen gelegt, die viele Marktteilnehmer in dieser Form zuvor in ihrer Naivität wohl nicht erwartet haben dürften.

          Aus diesem Grund und auch mit Blick auf die anhaltende Schwäche der amerikanischen Konjunktur sollte sich das Risikobewusstsein verändert und den Risikoappetit reduziert haben. Der Druck zur Liquidierung und Eindeckung offener Positionen werde vorerst wohl noch weitergehen. Noch sei unklar, ob und wie viele Leichen noch in den Kellern der Banken und Hedge-Fonds lägen. Die Hoffnung, dass nach dem erzwungenen Zurückfahren des Fremdfinanzierungsgrades im Finanzsystem wieder große Gewinne in den Carry Trades lockten, sei übertrieben, heißt es von Seiten von Analysten. Die Zeiten der niedrigen Volatilität sollten endgültig der Vergangenheit angehören und damit auch die Boomphase der Carry Trades, lautet Beispielsweise das Fazit der Bank Sarasin. Künftig sollten die Währungen wieder stärker aufgrund von Fundamentaldaten gehandelt werden.

          ... mehr als nur eine markttechnische Reaktion?

          Das rasche Wiederaufleben der Carry Trades in den vergangenen Tagen scheint dieser Einschätzung zunächst zu widersprechen, auch wenn sie znunächst markttechnisch getrieben sein mag. Fakt ist jedoch auch, dass die Wechselkurse vieler Währungen - gerade in Asien - politisch oder geldpolitisch und nicht wirtschaftlich bestimmt werden. Aus diesem Grund ist die Argumentation mit Fundamentaldaten gerade am Währungsmarkt mit einer gewissen Skepsis zu betrachten. Denn die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass Wechselkurse sehr lange Zeiten von „fairen Werte“ - wie immer sie sich auch theoretisch bestimmen lassen mögen - abweichen können.

          Immerhin kann jedoch zu denken geben, dass der Gouverneur der Bank of Japan, Toshihiko Fukui, sich am Donnerstag relativ deutlich für eine baldige Leitzinserhöhung in Japan ausgesprochen hat. Es könnte zu spät sein, wenn die Notenbank warte, bis alle Bedingungen erfüllt seien, mit denen eine Zinsanhebung begründet werden könnte, sagte Fukui am Donnerstag. Fukui warnte, sollte sich die Erwartung verfestigen, dass die lockere Geldpolitik in Japan länger beibehalten werde, könnte das zu einer Überstimulation von Wirtschaft und Finanzmarktaktivität führen. Deshalb werde die Bank of Japan rechtzeitig handeln. Dies werde auf Basis eigener Einschätzungen zu Konjunktur und Preisen geschehen und unabhängig von Zinsentscheidungen der amerikanische Notenbank. Eine solche Zinserhöhung wäre sicherlich sinnvoll, würde sie doch den japanischen Binnenkonsum fördern. Angesichts der Erfahurungen der vergangenen Jahre stellt sich allerdings die Frage, ob der Markt solche Äußerungen - bisher waren es immer Lippenbekenntnisse - ernst nehmen wird oder eher nicht.

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