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Devisenmarkt : China kämpft gegen die Yuan-Aufwertung

  • Aktualisiert am
Drängt weiter auf Yuan-Freigabe: Amerikas Finanzminister Snow
          3 Min.

          Seit China im Juli vergangenen Jahres die feste Bindung seiner Währung an den Dollar aufgegeben hat, ist in den Kurs des Yuan Bewegung gekommen. Nach der vollzogenen Aufwertung von 2,1 Prozent haben die Marktkräfte die Spielräume deutlich ausgenutzt.

          Still und stetig wertete der Yuan auf. Kostete ein Dollar am 21. Juli 2005 noch 8,113 Yuan, so wurde am Freitag bei 8,034 Yuan ein neues Hoch erreicht. Das waren zwar letztlich nur ein Prozent, doch ist der Wechselkurs schließlich nicht flexibel, sondern darf lediglich 0,1 Prozent um das von der Zentralbank täglich festgelegte Fixing floaten. Banken dürfen Yuan ohnehin erst seit Jahresbeginn handeln.

          Spekulationen um Wechselkursflexibilisierung verunsichern den Markt

          An den vergangenen Tagen beiden Tagen wertete der Yuan aber dann plötzlich ab und zwar so stark wie noch nie an zwei Tagen hintereinander seit der Änderung des Wechselkursregimes.

          Bild: FAZ.NET

          Was die Investoren erschreckte waren die forcierten Bemühungen der Vereinigten Staaten, China zu einer rascheren Flexibilisierung des Yuan zu bewegen. Die Versuche zur Reduzierung der globalen Handelsungleichgewichte müßten gemeinschaftlich unternommen werden. China sollte mehr tun als bloß seine Exporte zu schüren und sich insbesondere auch um eine Ankurbelung der Inlandsnachfrage kümmern.

          Aus Devisenmarktsicht wäre mehr Flexibilität beim Yuan eigentlich zunächst positiv. Denn das Aufwertungspotential der chinesischen Währung ist immens. Denn angesichts der hohen Handelsbilanzüberschüsse Chinas muß die Währung als chronisch unterbewertet gelten.

          Im Februar hatten die gleichen Überlegungen dem Yuan auch noch Kursgewinne verschafft. Doch mittlerweile ist Verunsicherung eingetreten. Vielmehr vermuten Marktteilnehmer jetzt das Gegenteil, nämlich daß die chinesische Zentralbank intervenieren wird, um den Spekulationen die Basis zu entziehen.

          Reform-Dementis nur eingeschränkt wirksam

          Der stellvertretende Zentralbankgouverneur Yi Gang ließ heute verlauten, daß die Erweiterung der Wechselkursspielräume von Marktfaktoren abhänge und die Zentralbank keine Pläne habe, das Währungsband zu erweitern. Auch Analysten zeigen sich diesbezüglich eher skeptisch. Goldman Sachs gehen davon aus, daß China erst 2015 seien Wechselkurspolitik der Japans „angenähert“ haben und ein System des „Managed Floats“ verfolgen wird. Andere Analysten sehen diese Reformen eher noch weiter in der Zukunft.

          Analystin Lydia Kranner von der Raiffeisen Research sieht in China größte Zurückhaltung in dieser Frage, und zwar aus einem einfachen Grund. Peking befürchte, ein flexiblerer und volatilerer Yuan könne sein wackeliges Bankensystem „vor neue Herausforderungen“ stellen. Das würde aber den chinesischen Wirtschaftsaufschwung und damit auch letztlich die Machtpositionen der regierenden Partei gefährden.

          Daher dürfte zwar weiter alles beim alten bleiben, doch die Devisenmärkte dürfte das wenig stören. Denn solange Amerika Druck auf Peking ausübt, halten die Gespräche darüber an und somit auch die Spekulationen, daß vielleicht doch etwas passiert.

          Aufwertungsdruck bleibt

          Und so wird der chronische Aufwertungsdruck aufgrund des Handelsbilanzüberschusses weiter fortbestehen und die chinesische Zentralbank weiter dazu zwingen, Devisen anzukaufen. Allein im Januar stiegen die Devisenreserven Chinas um 26,8 Milliarden auf mittlerweile 845 Milliarden Dollar. Jimmy Koh, Leiter der Abteilung Finanzforschung bei der zur United Overseas Bank gehörenden UOB Group, rechnet damit daß die Währungsreserven in den kommenden zwei Monaten weiter deutlich steigen werden.

          Andere Analysten sehen die Auswirkungen der politischen Spekulationen im Markt als überbewertet an. Adrian Foster, Währungsstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, verweist darauf, daß der Dollar auch gegenüber allen anderen großen Währungen aufgrund von Zinsspekulationen in bezug auf die Vereinigten Staaten gestiegen sei. Es sehe so aus, als ob der Yuan lose dem Dollar folge, meint Foster. „Vielleicht verbessert sich derzeit die Funktionsfähigkeit des Währungsmechanismus', was bedeuten würde, daß der Dollar auch gegenüber dem Yuan steigt, wenn er gegenüber anderen Währungen zulegt.“

          Nichtsdestoweniger prognostizieren alle Beobachter durchgängig eine weitere Aufwertung. Händler am Terminmarkt setzten zuletzt darauf, daß der Yuan innerhalb eines Jahres um 4,3 Prozent auf 7,70 Yuan je Dollar klettern wird. Bhanu Baweja, Währungsstratege bei UBS sieht den Yuan bei 7,80 am Jahresende und auch Kranner sieht ihn sogar bei 7,60 Yuan.

          Langfristig keine Alternative zur Liberalisierung

          Indes wird der gestaute Aufwertungsdruck immer größer. Und noch ein anderes Problem kommt auf das Reich der Mitte zu. Zum Ankauf von Devisen muß die Zentralbank immer mehr Yuan in Umlauf bringen. Das wirkt tendenziell inflationstreibend. Bereits jetzt wird sie zunehmend zu einem Problem. Laut dem nationalen statistischen Büro in Peking beschleunigte sich in China im Januar die Inflation zum vierten Mal in Folge.

          Der Konsumgüterpreis-Index stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 1,9 Prozent. Dies stellt den größten Anstieg seit März vergangenen Jahres dar. Die durchschnittlichen Schätzungen der Volkswirte lagen bei einem Plus von 1,8 Prozent.

          Erst am Montag kündigte Wirtschaftsminister Ma Kai am Rande der Sitzung des Nationalen Volkskongresses an, daß China das Wirtschaftswachstum weiter zügeln wolle, um eine Inflation zu verhindern. Doch solange der Yuan schwach gehalten wird, besteht der Export-Boom fort, die Zentralbank muß weitere Yuan in die Wirtschaft pumpen und der Inflationsdruck, der derzeit noch durch Verzerrungen im Preissystem gemildert wird, verstärkt sich.

          Früher oder später wird China also sein Wechselkursregime liberalisieren müssen - und zwar bevor der angestaute Druck sich mit Wucht in die Wirtschaft des Landes entladen kann. Aber das kann noch eine Weile dauern.

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