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Devisenmarkt : Carry Trader treiben ihr Spiel auf die Spitze

  • Aktualisiert am

Bild: BNP Paribas FX Strategy

Schockte die thailändische Regierung am Montag mit Maßnahmen, um den Zufluß von spekulativem Kapital zu bremsen, so machte sie am Dienstag einen Rückzieher. Prompt treiben die Finanzmärkte das Spiel auf die Spitze.

          Waren die so genannten „Carry Trader“, die sich in Währungen mit tiefen Zinsen finanzieren um die aufgenommenen Gelder in höher verzinslichen Währungsräumen oder an interessanten Aktienmärkten zu investieren, am Montag nach überraschend, aber nur kurzzeitig eingeführten Kapitalverkehrsbeschränkungen in Thailand kurzzeitig geschockt, so hat sich die Aufregung inzwischen wieder gelegt.

          Denn die thailändische Administration, nach einem Militärputsch an die Macht gekommen, ist innerhalb weniger Stunden und nach massiven Kursverlusten an der Börse am Dienstag eingeknickt und hat die Maßnahmen zumindest zum Teil wieder zurückgezogen (siehe auch: Neue Kapitalverkehrsvorschriften: Baht und SET geben nach). Und prompt befinden sich die Finanzmärkte wieder in der besten aller Welten und tun so, als ob nichts gewesen wäre. Die Börse des Landes hat sich am Mittwoch wieder deutlich vom Rückschlag des Vortages erholt.

          Offene Güter- und administrierte Kapitalmärkte widersprechen sich ...

          Als ob sich die asiatischen Staaten mit der mehr oder weniger offenen Bindungen ihrer Währungen an den schwächelnden Dollar keine Wettbewerbsvorteile verschaffen und durch offene und versteckte Interventionen und Handelsbilanzüberschüsse massive Devisenreserven anhäufen würden. Diese investieren sie ungerührt an den internationalen Finanzmärkten und sorgen auf diese Weise auch dort für weitere Verzerrungen, wie sie sich beispielsweise in Form zu tiefer Renditen an den internationalen Rentenmärkten und steigenden Preisen bei Rohstoffen und anderen Vermögenswerten zeigen.

          Sensibel werden sie allerdings dann, wenn das Kapital sich auf offenen oder versteckten Pfaden den Weg zurück in die eigenen, unterbewerteten Finanzmärkte findet. Denn genau das hat sich in Thailand in den vergangenen Wochen in ausgeprägter Form an der Aufwertung der Währung gezeigt. Angesichts des Wachstums im Lande, der soliden Finanzsituation - die Währungsreserven liegen nach jüngsten Zahlen mit 62,5 Milliarden Dollar 26,5 Prozent über dem Vorjahreswert und bei 37 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - und der vergleichsweise günstigen Bewertung der Aktien des Landes dürfte das Interesse der internationalen Anleger kaum überraschen.

          Überraschend kam angesichts solcher Kennzahlen höchstens der Versuch, die Mittelzuflüsse auf die zunächst geplante drastische Art stoppen zu wollen. Immerhin steht die fundamentale Situation im krassen Gegensatz zur finanziellen Schwäche, die Ende der neunziger Jahre zur Asienkrise geführt hatte. Nun fürchtet sich das Land offenbar von einem negativen Wachstumsschock, der die Exporte über eine zu starke Währung ausbremsen und der Folge wieder zum raschen Abfluß der heißen Gelder führen könnte. Möglicherweise ist diese Furcht berechtigt.

          ... und führen unausweichlich zu immer größeren Ungleichgewichten

          Allerdings nur deswegen, weil die asiatischen Staaten zu lange nur einseitig auf flexible Gütermärkte gesetzt haben, ohne auch die Kapitalmärkte entsprechend flexibel zu machen. Nur die manipulierten Wechselkurse konnten dazu führen, daß die Währungen der Region zu einem großen Teil immer unterbewerteter wurden. Je länger der früher oder später notwendige Anpassungsprozeß hinausgezögert wird, desto größer werden die Ungleichgewichte, desto offensichtlicher wird die Lage und desto größer wird der Anreiz, auf eine Anpassung zu spekulieren.

          Insgesamt macht die Lage Thailands exemplarisch deutlich, wohin die Reise der asiatischen Staaten gehen wird, sofern sie ihre Währungen nicht flexibler und anpassungsfähiger an den Güter- und Kapitalverkehr machen. Administrative Maßnahmen - zum Beispiel Kapitalverkehrsbeschränkungen - können nur zeitlich befristet helfen, aber sie lösen nicht das Kernproblem: Die Anpassung ist früher oder später überfällig, auch in anderen Ländern wie China oder Japan.

          Die asymmetrische Entwicklung und vor allem auch die Vehemenz der Carry Trades läßt sich an der Kursentwicklung von Euro-Schweiz und Euro-Yen ablesen. Das Kneifen Thailands und die zögerliche Haltung der japanischen und der schweizerischen Zentralbanken bei der geldpolitischen Straffung scheint in Verbindung mit einer überaus optimistischen Konjunkturerwartung in Europa die Carry Trader frisch beflügelt zu haben. Anders lassen sich die Mehrjahreshochs vom Euro zum Franken und Zum Yen kaum erklären. Vielleicht sollte die europäische Zentralbank auch einmal - wenn auch zunächst nur verbal - darüber nachdenken, solche Zuflüsse zu bremsen.

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