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Devisenmarkt : Carney wird den Pfundkurs treiben

  • -Aktualisiert am

Der neue „Guv“ hat Sorgen Bild: AP

Der neue Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, hat Sorgen. Die Wirtschaft will nicht, die Zinsen in Amerika steigen. Er wird wohl gegensteuern. Das könnte dem Pfund helfen.

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          Mit mehr als 8 britischen Pfund je 453 Gramm wiegt der neugeborene britische Thronfolger mehr, als sein Vater, sein Onkel und sein Opa zur Geburt auf die Waage gebracht haben. Keiner von ihnen hat es bisher auf den Thron im Buckingham Palace geschafft.

          Mervyn King hingegen hat, durchaus passend zu seinem Nachnamen, immerhin von Juli 2003 an der ruhmreichen Bank von England als Gouverneur vorgesessen. Als Herr über die britische Währung hat Mark Carney nun King Anfang Juli abgelöst. Seither hat das Pfund zum Dollar um gut 1 Prozent aufgewertet und zum Euro 0,4 Prozent abgewertet.

          Pfundskerl Carney

          Abseits dieser Kursbewegungen hat sich der Kanadier Carney, erster Ausländer an der Spitze der Bank von England, schon als Pfundskerl erwiesen. Wie aus dem vor kurzem veröffentlichten Protokoll der ersten Sitzung unter seiner Führung hervorgeht, stimmte der unter Vorgänger King gespaltene geldpolitische Rat der Bank von England einstimmig für das aktuelle Leitzinsniveau von 0,5 Prozent und für einen unveränderten Rahmen für Anleihekäufe.

          King hingegen zählte zuletzt zu einer Minderheit im geldpolitischen Rat, die vergeblich eine Aufstockung des Anleihekaufprogramms von 375 auf 400 Milliarden Pfund gefordert hatte. King nahm somit von der Bank von England Abschied als Leichtgewicht.

          Für Carney, der bis Ende Mai Gouverneur der kanadischen Zentralbank war, wird die Einstimmigkeit im Rat der Bank von England ein hohes Gut sein. Er dürfte starken Rückhalt zumindest zu Beginn seiner Amtsperiode verspüren. Der frühere Manager von Goldman Sachs ist als Anhänger hoher Transparenz in der Geldpolitik bekannt.

          Dazu passt, dass die Bank von England unter Carney jetzt erstmals ein Kommuniqué nach einer Sitzung herausgab, obwohl sie den Leitzins nicht verändert hatte. Darin stimmte sie die Märkte auf noch länger niedrige Zinsen ein. Im August wird erwartet, dass die Bank von England ähnlich wie die amerikanische Notenbank Fed eine Veränderung des Leitzinsniveaus an Größen wie eine niedrigere Arbeitslosenquote koppeln wird.

          Sorge um Zinsauftrieb

          Carney will sich mit diesem Erwartungsmanagement vermutlich gegen den Sog steigender Zinsen stemmen, der von Amerika ausgeht. Schließlich stimmt Ben Bernanke, der Gouverneur der Notenbank Fed, mit zwar unterschiedlich deutlichen, aber tendenziell klaren Aussagen die Anleger auf ein Ende des Anleihekaufprogramms ein, mit dem die Fed derzeit die Zinsen drückt.

          Doch die Aussicht, dass die Fed voraussichtlich vom vierten Quartal an nicht mehr 85 Milliarden Dollar im Monat für amerikanische Anleihen ausgibt, hat die Renditen für amerikanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit schon von 1,6 Prozent Anfang Mai auf inzwischen 2,5 Prozent in die Höhe getrieben. Die Rendite für britische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stieg in demselben Zeitraum fast parallel von 1,6 auf 2,3 Prozent.

          Billiges Pfund, teures Pfund

          Dieser Zinsanstieg wird Carney kaum gefallen. Denn während die amerikanische Wirtschaft Tritt gefasst hat und Bernanke den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm ins Auge fassen kann, hat die britische Wirtschaft in diesem Jahr den Rückfall in die dritte Rezession seit 2008 nur knapp vermieden. Weiter niedrige Zinsen in Großbritannien sind daher wichtig, um Unternehmen und Verbraucher zur Kreditaufnahme und damit zu Investitionen zu ermuntern.

          Carney wird versuchen, konjunkturstimulierend zu wirken und vermutlich die noch mehr als 3 Prozent betragende Inflation eher vernachlässigen. Damit könnte er dem Pfund Auftrieb geben. Nachdem die britische Währung in diesem Jahr zu Euro und Dollar fast 6 Prozent abgewertet hat, rechnen einige Fondsmanager nun mit kurzfristigen Kursgewinnen. So begründet etwa Ralf Schreyer, Fondsmanager der DWS, warum er die Anteile von Pfund-Anleihen in seinem Fonds Eurorenta gerade von 18 auf 24 Prozent aufgestockt hat.

          Falls Carney mit seiner im August erwarteten Kommunikationsoffensive keinen Zinsrückgang bewirken wird, könnte die Bank von England doch noch ihre Anleihekäufe ausweiten. Carney würde damit wohl eine Abwertung des Pfundes auslösen. Dem neuen Herrn über die britische Währung kämen niedrigere Pfund-Kurse womöglich sogar zupass.

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