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Devisenmarkt : Britisches Pfund - Ruhe vor einer weiteren Abwertung?

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Mit dem britischen Pfund lässt sich am Devisenmarkt nicht mehr wuchern. Die Wirtschaft schwächelt, Preise und Steuern steigen jedoch. Auf dieser Basis ist das Zinssenkungspotential der Zentralbank beschränkt, zumindest vorerst.

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          Mit dem britischen Pfund lässt sich am Devisenmarkt nicht mehr wuchern. Hatte die Währung während des noch laufenden Kredit- und Immobilienbooms gegen den Euro, den schwächelnden Dollar und den chronisch schwachen Yen aufwerten können, so sind diese Zeiten seit dem Beginn der Kreditkrise vorbei.

          Das dürfte spätestens mit dem Run der Kunden auf die Filialen von Northern Rock und der jüngsten Massenkündigung von Kreditkartenkunden durch die Citibank-Tochter Egg klar geworden sein. Diese Ereignisse stehen symbolisch für die sich immer deutlicher abzeichnende Wirtschaftsflaute in Großbritannien, die sich längst in Form fallender Häuserpreise, abnehmender Kreditvergaben an die privaten Haushalte aufgrund derer starken Verschuldung, zurückgehender Erwartungen der Unternehmen und fallenden Verbrauchervertrauens zeigt.

          Schwaches Verbrauchervertrauen ...

          Der Nationwide Consumer Confidence Index, der von der Nationwide Building Society seit Mai des Jahres 2004 erfasst wird, ist auf den tiefsten Stand seit diesem Zeitpunkt gefallen. Nachlassendes Wachstum, höhere Lebenshaltungskosten und nicht zuletzt die volatilen Börsen kosteten die Verbraucher Nerven, heißt es erklärend. So dürfte es kaum verwundern, dass die Finanzmärkte in den vergangenen Wochen mögliche Zinssenkungen wenigstens zum Teil in den Kursen vorweggenommen haben.

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          Das Pfund hat sich vom Hoch gegen den schwachen Dollar längst zurückgezogen und von August bis Januar gegen den Euro rund 14 Prozent seines Wertes verloren. Gegenwärtig scheinen sich die Kursverluste gegen den Dollar fortzusetzen, während die britische Währung gegen den Euro auf dem erreichten Niveau konsolidiert. Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen für die Bank von England schwierig.

          ... vorerst beschränkte Zinssenkungsmöglichkeiten

          Denn sie kann der aggressiven Zinssenkungspolitik der amerikanischen Federal Reserve kaum folgen. Zu sehr treiben Energie- und Nahrungsmittelpreise die Inflation in die Höhe. Zudem füttert die relative Schwäche des Pfunds die Inflation. Zudem muss die Regierung gerade in einer Zeit, in der das Land mit einer wirtschaftlichen Schwächephase kämpft, die öffentlichen Ausgaben drosseln und die Steuerbelastung erhöhen, um die Entwicklung der öffentlichen Schulden nicht völlig aus dem Ruder laufen zu lassen.

          Genau das könnte zusammen mit der Kreditkrise, in der viele Briten vor höheren Hypothekenzinsen und schärferen Kreditvergabebedingungen stehen, das Wachstum deutlicher als bisher erwartet dämpfen. Sobald das klar werden wird, dürften die Märkte wieder stärker auf fallende Zinsen auch in Großbritannien wetten und in diesem Rahmen das Pfund noch weiter in die Defensive treiben.

          Skeptiker betrachten das Land längst kritisch: Das Wetter sei schlecht, die Lebenshaltungskosten hoch, die Dienstleistungen im Öffentlichen Sektor angesichts der Kosten und des riesigen Budgetdefizits miserabel und das Ganze werde gekrönt durch eine allenfalls schwach wachsende Bevölkerung und riesige Finanzierungslücken im Rentensystem.

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