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Devisenmarkt : Brasilien verschärft bald den „Währungskrieg“

  • Aktualisiert am

Bild: IWF

Zunehmende Kapitalverkehrsströme können in einer immer enger vernetzten Weltwirtschaft in Krisenzeiten für Probleme sorgen, zeigt eine Analyse des Internationalen Währungsfonds. Brasilien zieht bald die Spekulationsbremse weiter an.

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          Der Welthandel und die wirtschaftliche Verflechtung der Länder untereinander ist in den vergangenen Jahren so intensiv geworden wie nie zuvor. Zusammen mit der unglaublich starken Globalisierung der Kapitalmärkte und den hohen Geldmengen, die von den Zentralbanken wider besseren Wissens geschaffen und toleriert werden, hat das zu einer zunehmenden Synchronisierung der konjunkturellen Zyklen geführt.

          Das führt dazu, dass sich eine Krise, wie die am amerikanischen Immobilienmarkt, weltweit gleichzeitig bemerkbar macht. Sie wurde und wird überlagert durch die rasanten Reaktionen der zunehmend weltweit anlegenden und aktiven Investoren. Bei Krisenzeichen ziehen sie überstürzt ihr Kapital aus Märkten ab, die sie in den Jahren zuvor förmlich überflutet hatten. Das zeigt eine Analyse der internationalen Kapitalverkehrsströme, wie sie der internationale Währungsfonds am Mittwoch veröffentlichte.

          Rasche Rückkehr zu „Vorkrisenstrategien“

          Sie zeigt jedoch auch, dass massivste, simultane geld- und wirtschaftspolitische Stimulierungsstrategien beinahe weltweit sie rasch wieder zur Rückkehr zu den „Vorkrisenstrategien“ verleitete. Denn schon im Jahr 2009 verzeichneten einzelne Staaten und Regionen wieder starke Mittelzuflüsse. Im vergangnen Jahr haben sie sich intensiviert. Denn die Analyse der in Fonds investierten Mittel zeigte, dass immer mehr Anleger auf steigende Kurse an den Schwellenländerbörsen und robuste Renditen an ihren Rentenmärkten setzten.

          Diese Kombination führte dazu, dass die Währungen vieler Schwellenländer und der so genannten Rohstoffstaaten stark aufwerteten, nachdem sie im Rahmen der Krise vorübergehend deutlich korrigiert hatten. Aufwertende Währungen jedoch beeinträchtigen ihre relative Wettbewerbsfähigkeit und drohen die wirtschaftliche Entwicklung zu bremsen oder gar abzuwürgen. In diesem Falle müssten diese Regionen aufgrund des wetterwendischen und schnelllebigen Charakters der Anleger mit einer wahren Kapitalflucht rechnen.

          Aus solchen Gründen kann es kaum verwundern, dass immer mehr Staaten versuchen, gegen eine zu starke Aufwertung der eigenen Währung vorzugehen. In den vergangenen Tagen ging Chile zu Interventionen am Devisenmarkt und zum Verkauf der eigenen Währung über. Am Donnerstag gab Brasilien die Intensivierung seiner Bemühungen gegen eine weitere Aufwertung des Real bekannt. Wie die Notenbank des Landes mitteilte, müssen Banken mit entsprechenden Positionen ab dem vierten April deutlich höhere Reserven als bisher vorhalten. Ziel der Maßnahme ist es, Schwankungen am Devisenmarkt einzudämmen. Sie wirkt wie eine Art Spekulationsbremse, da Wetten auf eine Verteuerung des Real unattraktiver werden.

          Brasilien verschärft bald den „Währungskrieg“

          Brasilien hat wie andere Schwellenländer auch wegen der extrem laxen Geldpolitik der Industrieländer - allen voran der Vereinigten Staaten - mit einem massiven Kapitalzufluss zu kämpfen. Dieses so genannte „hot money“ fließt wegen der Zinsdifferenz in jene Länder, nährt dort Vermögenspreisblasen und heizt zudem die Teuerung an. Diese müsste von den Zentralbanken schließlich mit höheren Leitzinsen bekämpft werden, was die Währung nur noch attraktiver machen würde. Brasiliens Notenbank kündigte zudem an, weiter Dollar am Devisenmarkt zu kaufen, um den Kurs des Real zu drücken.

          Solche Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Aufwertungsbewegung des Real gegen den Dollar gestoppt und gegen den Euro zumindest gebremst wurde. Mittel- und langfristig werden sie jedoch bei hoch bleibenden Energie- und Rohstoffpreisen die Aufwertung höchstens herauszögern können, die sich aus der Veränderung der realen Tauschverhältnisse ergibt.

          Selbst der Internationale Währungsfonds erkennt die Problematik bringt sich als Dienstleister und Vermittler bei der Bobachtung globaler Liquiditätsströme und den damit in Verbindung stehenden Problemen ins Spiel.

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