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Devisenmarkt : Brasilien macht Carry Trades unattraktiv

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Bild: F.A.Z.

Mit Carry Trades konnten Anleger gutes Geld verdienen. Da die amerikanische Zentralbank den Dollar zur „Finanzierungswährung“ macht, lohnt sich ihr spekulativer Verkauf. Brasilien dagegen wehrt sich gegen den Zustrom heißer Gelder.

          Mit so genannten Carry Trades konnten Anleger in den vergangenen Monaten gutes Geld verdienen. Die fundamental „äußerst sinnvollen“ Strategien dieser Art zeichnen sich dadurch aus, dass man sich in Währungsräumen, die sich durch niedrige Zinsen und Abwertungserwartungen auszeichnen, per Kredit finanziert, um die eingeworbenen Gelder dort zu investieren, wo hohen Renditen und möglicherweise sogar aufwertende Wechselkurse zu erwarten sind.

          Solche Strategien werden besonders gerne dann eingegangen, wenn sie von Zentralbanken und Regierungen den Märkten förmlich aufgedrängt werden.

          Die amerikanische Zentralbank macht den Dollar zur „Finanzierungswährung“

          Beispielsweise durch die permanent und persistent wiederholte Versicherung der amerikanischen Zentralbank, den amerikanischen Leitzins trotz hoher Energie- und Rohstoffkosten auf Sicht sehr tief und die Geldmengen sehr hoch zu halten. Solche Aussagen fördern sowohl den allgemeinen Risikoappetit als auch die Erwartung, die amerikanische Währung werde künftig eher ab- als aufwerten.

          Auf der anderen Seite stehen Länder, die sich entweder durch hohe Nominalzinsen, Zinserhöhungserwartungen oder auch durch eine dynamische Wirtschaftsentwicklung auszeichnen. Das macht ihre Währungen in einem Umfeld mit hohem Risikoappetit für Anleger aus dem Ausland interessant. Indem sie immer mehr Gelder aus Währungsräumen mit niedrigen Zinsen in solche mit hohen oder steigenden Zinsen umschichten, entwickeln sie eine Eigendynamik, die zu einer Aufwertung der Hochzinswährung führen kann.

          Auf diese Weise konnten professionelle Anleger in den vergangenen Monaten vor allem mit Dollar finanzierten Wetten auf die Aufwertung des ungarischen Forint, des rumänischen Leu, der tschechischen Krone, des polnischen Zloty, des russischen Rubel, der schwedischen und der norwegischen Krone und nicht zuletzt auch des Euro Renditen von elf bis 19 Prozent erzielt werden. Renditen dieser Art können sich selbst im Vergleich mit den durchschnittlichen Kursgewinnen an den Börsen sehen lassen.

          Die Risiken sind beachtlich

          Während solche Strategien selbst den Privatanlegern schmackhaft gemacht und per Zertifikat angepriesen werden, sind ihre Risiken beachtlich. Alleine schon die Kursturbulenzen der Wirtschafts- und Finanzkrise zeigten, wie rasch sich solche Trends ins Gegenteil verkehren und zu Verlusten führen können. Sobald sich jedoch der Kurs einer Währung in die falsche Richtung bewegt, können selbst größere Zinsdifferenzen oder Kursgewinne an ausländischen Börsen rasch überkompensiert werden.

          Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sind solche Strategien zweifelhaft. Denn erstens ist fraglich, ob es sinnvoll sein kann, auf die Aufwertung von Währungen wie die Ungarns oder Rumäniens zu wetten, da die finanzwirtschaftlichen und die wirtschaftspolitischen Linien in diesen Staaten fragwürdig sind.

          Auf der anderen Seite jedoch stehen Länder, deren Währungen eine Aufwertung verdient haben. Aufgrund des starken Preisauftriebs bei Rohstoffen etwa haben sich die realen Tauschverhältnisse zwischen Staaten wie Australien, Kanada oder auch Brasilien und dem Rest der Welt deutlich geändert. Selbst solche Staaten jedoch wollen die Folgen der offensichtlichen Dollarabwertung nur bedingt tragen. Aus diesem Grund geht Brasilien schon seit Monaten gegen die Carry Trades vor, indem sie sie steuerlich unattraktiv macht.

          Finanzminister Guido Mantega verlangt sechs Prozent zusätzliche Zinsen auf Fremdwährungskredite. Das macht Carry-Trade-Strategien unter Einbeziehungen des brasilianischen Reals für internationale Anleger uninteressant. Die implizite Rendite solcher Real-Dollar-Geschäfte ist stark gefallen. Lage sie in den vergangenen Jahren zwischen sechs und gar 20 Prozent, so liegt sie am Montag noch bei 1,9 Prozent. In den vergangenen Tagen war sie kurzzeitig sogar einmal negativ geworden.

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