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Devisenmarkt : Brasilianischer Real - Zinssenkung wirkt nur bedingt

  • Aktualisiert am

Bild: Banoc Central Do Brasil

Die Aufwertungsgsbewegung des brasilianischen Reals ist mittlerweile zum Stillstand gekommen. Für die Fortsetzung scheint im Moment die entscheidende Dynamik zu fehlen. Die Zentralbank senkt nur noch zögerlich den Leitzins.

          Wenn ein Land in den vergangenen Jahren vom aufgekommenen Rohstoffboom profitiert hat, dann zählt dazu mit großer Sicherheit Brasilien. Denn es verführt nicht nur über Bodenschätze wie Öl und Erze, die es exportieren kann, sondern es nimmt auch eine einzigartige Stellung ein, wenn es um alternative Rohstoffe geht.

          Zusammen genommen führte diese Konstellation in den vergangenen Jahren zu einer verbesserten Finanzposition, wenn auch vor allem über die Einnahmeseite und auch wenn die eigentlich notwendigen politischen Reformen im Lande weitgehend ausblieben.

          Die Fundamtenaldaten Brasiliens haben sich in den vergangenen Jahren verbessert

          Das Land konnte sich das offensichtlich leisten. Denn die Wirtschaft des Landes entwickelte sich die längste Zeit relativ dynamisch, die Steuereinnahmen nahmen im Trend zu auf zuletzt 39 Milliarden Reais im Dezember des vergangenen Jahres, die Arbeitslosenquote ging im Trend zurück, das Land verbuchte plötzlich Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse und vor allem im vergangenen Jahr schossen die Devisenreserven nur so nach oben auf umgerechnet 85,8 Milliarden Dollar Ende Dezember des vergangenen Jahres.

          So dürfte es kaum verwundern, dass sich die Währung Brasiliens nach einer ausgeprägten Schwächephase in den Jahren 2000 bis Oktober des Jahres 2002 wieder erholen und von 3,9365 Reais je Dollar auf bis zu 2,0541 Reais je Dollar zulegen konnte. Auch gegen die europäische Einheitswährung zeigte sie insbesondere im Jahr 2005 eine gewisse Stärke und stieg von 3,6934 Reais je Euro auf bis zu 2,5318 Reais im November des Jahres 2005.

          Denn nicht nur die Exportnachfrage nach den Gütern des Landes war dafür verantwortlich, sondern vor allem auch die Nachfrage internationaler Anleger nach den Wertpapieren des Landes. Sie fühlten sich angezogen von der boomenden und fair bewerteten Börse und dem Geld- und Rentenmarkt. Denn mit einem Tagesgeldsatz von 12,4 Prozent und Renditen von zehn Prozent im fünfjährigen und 8,75 Prozent im zwanzigjährigen Bereich bieten diese Märkte Anlegern, sie sich beispielsweise in der Schweiz oder Japan refinanzieren, gewaltige Zinsvorteile.

          Das gilt vor allem dann, wenn sie neben den Zinsvorteilen auch noch mit weiter sinkenden Zinsen und einer starken Währung rechnen können. In den vergangenen Monaten ist die Währung gegen den Euro und den Dollar zwar in so etwas wie eine Seitwärtsbewegung übergegangen. Allerdings könnte sie in einem anhaltend freundlichen weltwirtschaftlichen Umfeld wieder an Dynamik gewinnen. Denn am Mittwoch senkte die brasilianische Zentralbank den Leitzins Selic zum dreizehnten Mal in Folge seit Oktober des Jahres 2005 um einen Viertelprozentpunkt auf 13 Prozent.

          Zentralbank senkt nur noch zögerlich den Leitzins

          Dazu dürfte unter andere die Währung beigetragen haben, da ihre Stärke über die Importpreisschiene zu einem Rückgang der Inflation von 8,07 Prozent im April des Jahres 2004 auf zuletzt 3,14 Prozent im Dezember des vergangenen Jahres beigetragen haben dürfte. Einerseits rechnen viele Marktteilnehmer aufgrund der zuletzt im Rahmen der weltwirtschaftlichen Abkühlung etwas nachlassenden Wachstumsdynamik mit weiteren Zinssenkungen und entsprechendem Kurspotential für Anleihen.

          Auf der anderen Seite scheint die Zentralbank - darauf deutet unter anderem der kleine Zinsschritt am Mittwoch hin - doch etwas zögerlicher zu werden, um Wirkung der Zinssenkungen - sie tritt in der Regel erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten auf - abzuwarten. Auf dieser Basis dürfte der Real nur dann wieder an Aufwertungsdynamik gewinnen können, wenn die internationalen Anleger noch risikofreudiger werden sollten. Allerdings steht in großes Fragezeichen hinter den so genannten Carry Trades. Denn sollten sie - aus welchem Grund auch immer - reduziert werden, dürfte es an den Finanzmärkten generell, insbesondere jedoch an den Schwellenländermärkten zu Korrekturen kommen. Das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die entsprechenden Währungen berühren.

          Insgesamt scheint der brasilianische Real - unter Ausklammerung der „sozialistischen Tendenzen“ in der Region - keine schlechten Perspektiven zu bieten. Allerdings sollten zwischenzeitliche Risiken nicht unterschätzt werden. Nach einer Korrektur dürfte er interessanter werden als zuvor.

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