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Devisenmarkt : Australischer Dollar - trotz Zinserhöhung reif für eine Korrektur

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Bild: FAZ.NET

Der australische Dollar führte in den vergangenen Jahren bei den „Carry Tradern“ zu hohen Renditen. Die Währung profitierte vom Wirtschaftsboom und steigenden Zinsen. Nun ist sie überbewertet, die makroökonomischen Risiken nehmen zu.

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          Die Kursbewegungen am Devisenmarkt sind aufgrund der Kredit- und der immer weiter um sich greifenden Konjunkturflaute längst nicht mehr so eineindeutig wie den vergangenen Jahren des allgemeinen, liquiditätsgetriebenen Booms, während dessen Risiken keine Rolle mehr gespielt zu haben schienen. Anleger konnten beinahe blind alles kaufen, was mehr Ertrag versprach. Zinserhöhungen in einem Land deuteten automatisch auf eine Aufwertung der betrachteten Währung hin, ungeachtet der fundamentalen Lage - die sich etwa in Form von außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten zeigen konnte.

          Das führte dazu, dass Carry-Trade-Strategien in den vergangenen Jahren risikobereinigt höhere Renditen abwarfen, als Aktienmärkte. Eine Analyse der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigt, dass eine Kreditaufnahme in Yen und die Anlage der Mittel in australischen Dollar von Januar 2001 bis in den September des Jahres 2007 eine durchschnittliche Jahresrendite von 12,5 Prozent gebracht hat. Die Anlage in Neuseeland-Dollar hätte sogar zu einem durchschnittlichen Ertrag von knapp 15 Prozent pro Jahr geführt.

          Australischer Dollar profitierte in den vergangenen Jahren deutlich von Carry Trades ...

          Das dürfte kaum verwundern, ist der Kurs des Yen in dieser Periode gegen den Neuseeland-Dollar um bis zu 131 Prozent von 42,24 auf bis zu 97,68 Yen gestiegen, gegen den australischen Dollar um bis zu 92 Prozent und gegen den Euro um bis zu knapp 90 Prozent. Das heißt, der Yen hat massiv abgewertet. In den vergangenen Wochen der Kreditkrise haben diese Abwertungsbewegungen zwar an Dynamik verloren. Angesichts der Lukrativität scheinen die Marktteilnehmer jedoch immer wieder geneigt zu sein, solche Strategien neu zu beleben.

          In den vergangenen Wochen jedenfalls war der australische Dollar sowohl gegen den Yen, den Dollar als auch gegen den Euro wieder nach oben im Sinne einer Aufwertung gelaufen. Die Anleger haben offensichtlich auf weitere Zinserhöhungen in Australien und anhaltend tiefe Zinsen in Japan gesetzt. Damit lagen sie richtig: Die australische Zentralbank erhöhte am Dienstag den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf nun sieben Prozent. Der Markt geht von weiteren Zinserhöhungen aus, immerhin liegt der Drei-Monatszins am Terminmarkt bei 7,48 Prozent. Der Zinsvorsprung gegenüber Europa oder den Vereinigten Staaten ist deutlich.

          Die australische Zentralbank reagiert mit der dritten Zinserhöhung in sechs Monaten auf den Preisauftrieb im Land. Dieser zeigt sich sowohl in Form der „getrimmten“ Kerninflationsrate, die im Dezember des vergangenen Jahres auf Jahresbasis bei 3,8 Prozent gelegen hatte und die deutlich nach oben tendiert, in Form der anhaltend stark zunehmenden Kreditnachfrage und nicht zuletzt auch am Hauspreisindex, der im Dezember um 13,5 Prozent zugelegt hatte.

          Zentralbankgouverneur Glenn Stevens teilte mit, die jährliche Teuerungsrate bewege sich über dem Zielband der Zentralbank von zwei bis drei Prozent und könne bis zu einer Beruhigung im Jahr 2009 noch weiter zulegen. Eine deutlich nachlassende Nachfrage sei notwendig, um die Inflation nachhaltig zu dämpfen, erklärte er.

          Der Inflationsdruck hat sich in den vergangenen Jahren aufgebaut. Denn die australische Wirtschaft profitierte in den vergangenen Jahren überproportional vom Energie- und Rohstoffboom. Er beflügelte die Wirtschaft des Landes und sorgte trotz einer relativen starken Einwanderung dafür, dass die volkswirtschaftlichen Kapazitäten des Landes stark ausgelastet wurden. Am Arbeitsmarkt führte vor allem die Nachfrage aus dem Minensektor zu einem Fachkräftemangel. Dies wiederum treibt die Löhne und indirekt die Preise für Benzin, Lebensmittel und Immobilien nach oben.

          ... fragt sich nur, wie lange noch

          Inzwischen tritt jedoch nicht nur die Zentralbank auf die Zinsbremse, sondern auch die Regierung. „Als Regierung glauben wir, dass die Bekämpfung der Inflation an erster Stelle stehen muss“, sagte Premierminister Kevin Rudd in Canberra. Schon im vergangenen Monat hatte er angekündigt, die Staatsausgaben drosseln zu wollen, um damit der Inflation entgegen zu wirken.

          Diese Maßnahmen können nun in ihrer zeitlichen Wirkung zusammentreffen mit abnehmendem weltwirtschaftlichem Wachstum und einer abnehmenden wirtschaftlichen Dynamik in China. Die Gesamtwirkung könnte zu einer nachlassenden Nachfrage bei Rohstoffen und einer damit verbundenen Preiskorrektur führen. Genau das würde dann die Zinsphantasie des australischen Dollars verpuffen lassen und möglicherweise zu einer deutlichen Korrektur des Wechselkurses führen.

          Immerhin ist die Währung gemessen an der Kaufkraftparität nach Einschätzung der Analysten der BNP Paribas um etwa 30 Prozent überbewertet. Gleichzeitig liegen in Australien erhebliche Risiken in Form verbriefter Hypothekarpapiere, einer ausgeprägten negativen Vermögensposition im Verhältnis zum Ausland in Höhe von 62 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und eines Leistungsbilanzdefizits in Höhe von rund sechs Prozent. Insgesamt scheint der australische Dollar immer reifer zu werden für eine ausgeprägte Kurskorrektur, auch wenn er am Dienstag gegen den Euro deutlich zulegt. Denn diese Kursgewinne sind nicht zurückzuführen auf die Stärke des australischen Dollars, sondern die relative Schwäche des Euro.

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