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Devisenmarkt : Australischer Dollar so stark wie der Euro

  • Aktualisiert am

„Leuchtender” Rohstoffboom in Australien Bild: REUTERS

Der australische Dollar zeigt sich gegen sein amerikanisches Pendant ebenso stark wie der Euro. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten und Kanada gibt es in diesen Staaten eher Zinserhöhungs- als Zinssenkungsphantasie.

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          Trieben am Dienstag Äußerungen über denkbare Leitzinserhöhungen den Euro zumindest kurzzeitig über die Marke von 1,60 Dollar, so erreichte der australische Dollar am Mittwoch gegen sein amerikanisches Pendant den höchsten Stand seit 24 Jahren.

          Im europäischen Handel sind 95,23 amerikanische Cents nötig, um einen australischen Dollar erwerben zu können. Da der Trend der australischen Währung eindeutig nach oben zeigt, dürfte es aufgrund der ausgeprägten Schwäche der amerikanischen Währung nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Aussie-Dollar die Parität erreichen wird.

          Inflationsentwicklung weckt in Australien neu Zinserwartungen

          Der Grund für die relative Stärke der australischen Währung liegt in der Inflationsentwicklung. Denn im ersten Quartal des laufenden Jahres lag die Inflationsrate „down under“ bei 4,2 Prozent auf Jahresbasis und damit nicht nur höher als allgemein erwartet worden war, sondern auch deutlich über dem Zielkorridor von zwei bis drei Prozent. Der Preisanstieg lag im Vergleich mit dem Vorquartal bei 1,3 Prozent.

          Diese Entwicklung führt zur Vermutung, die australische Zentralbank werde im Mai den Zinserhöhungszyklus fortsetzen, nachdem sie den Leitzins in den vergangenen Jahren von 4,25 auf zuletzt 7,25 Prozent erhöht hatte. Auf diese Weise dürfte sie dafür sorgen können, dass die Inflationserwartungen gedämpft werden. Denn Australien profitierte in den vergangenen Jahren vom Wachstum in Asien und dem dadurch ausgelösten Rohstoffboom.

          Die Wirtschaft des Landes expandiert schon seit 17 Jahren in Folge. Das führte trotz einer beachtlichen Zuwanderung zu einer im Trend abnehmenden Arbeitslosenquote. Sie lag im März trotz steigender Löhne bei 4,1 Prozent. Das Wachstum und der enge Arbeitsmarkt führten zu einem hohen Verbrauchervertrauen, zu einer starken Binnennachfrage und nicht zuletzt auch zu einem boomenden Immobilienmarkt.

          Im Markt werden zwar die Erwartungen herumgereicht, das nachlassender weltwirtschaftliche Wachstum werde diese Entwicklung und damit indirekt die Inflationsrate dämpfen. Allerdings legen in Australien wie in vielen anderen Ländern - vor allem auch in den Vereinigten Staaten - die Produzentenpreise noch deutlicher zu als die Konsumentenpreise. Das heißt, entweder müssen die Unternehmen ihre Verkaufspreise weiter erhöhen oder sinkende Margen in Kauf nehmen. Beides wäre nicht sonderlich gut für die Finanzmärkte.

          Kanadische Zentralbank senkt die Zinsen

          Allerdings zeigt die Entwicklung in Kanada, dass auch die so genannten Rohstoffstaaten nicht immun sind gegen konjunkturelle Abschwächungen. Immerhin hat die kanadische Zentralbank den Leitzins am Montag zum vierten Mal seit November des vergangenen Jahres überraschend und überraschend stark auf zuletzt drei Prozent gesenkt. Die kanadische Zentralbank dürfte damit auf die wirtschaftliche Schwäche in den Vereinigten Staaten reagieren, die früher oder später auch auf die kanadische Wirtschaft durchschlagen wird. Immerhin sind die beiden Staaten wirtschaftlich eng verflochten.

          Die kanadische Währung hat gegen den schwachen amerikanischen Dollar kaum an Boden verloren. Dagegen musste sie in den vergangenen Wochen sowohl gegen den Euro als auch gegen den australischen Dollar deutliche Rückschläge hinnehmen. Der Markt spielt kurzfristig weiterhin die Zinsdifferenzen und -erwartungen. Wie in Australien deuten auch in Europa offizielle Äußerungen eher auf Zinserhöhungen als Zinssenkungen hin. So dürfte es kaum verwundern, dass Euro und Aussiedollar gegen den Dollar aufwerten, obwohl Australien eine ausgeprägte Schwäche in der Außenbilanz hat. Gegeneinander halten sie sich jedoch die Waage.

          Ändern dürften sich die kurzfristigen Tendenzen erst, wenn sich die amerikanische Wirtschaftsschwäche auch in Europa und Australien zeigen werden. Daran scheint zumindest der Devisenmarkt bisher noch nicht so richtig glauben zu wollen.

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