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Devisenmarkt : Australischer Dollar kurzfristig unter Druck

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Leerer Stausee: In Australien vertrocknen großflächig Weizenfelder Bild: AFP

Fünf starke Wochen hatte der australische Dollar zwischen Anfang März und Mitte April. Doch seitdem hat sich der Trend massiv umgekehrt. Gegen Jahresende könnte der Aussie-Dollar freilich wieder aufwerten.

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          Fünf starke Wochen hatte der australische Dollar zwischen Anfang März und Mitte April. Von 0,7694 amerikanischen für den australischen Dollar wertete er auf bis zu 0,8384 Dollar auf und erreichte damit den höchsten Stand seit dem Jahr 1990 und brach deutlich aus dem Kursband zwischen 0,70 und 0,80 Dollar aus, innerhalb dessen er zwei Jahre lang geschwankt hatte.

          Doch seitdem hat sich der Trend massiv umgekehrt. Am Freitag wertete die australische Währung deutlich auf bis zu 0,8187 Dollar ab und komplettierte damit eine Woche, in der sie die schwächste Währung an den internationalen Devisenmärkten war.

          Zinsvorteile scheinen zu schwinden

          Denn die Zinsvorteile, die die Währung einem hartnäckigen, seit über vier Jahren anhaltenden Leistungsbilanzdefizit haussieren ließen, scheinen sich derzeit in der Wahrnehmung der Anleger aufzulösen. Bislang war der australische Dollar eine beliebte Währung für die sogenannten Carry Trades gewesen, bei denen in Niedrigzinsländer aufgenommenen Kredite in Hochzinsländern angelegt werden. Diese Strategie verfolgten Anleger vor allem im Spiel gegen den Yen, gegen den die Währung von „Down Under“ ebenfalls schwächelt.

          Verdorrtes Ackerland in Nordwestaustralien

          Anlass für das Schwinden der Spekulationen auf eine Ausweitung oder Beibehaltung der Zinsdifferenz ist vor allem das gleichzeitige Zusammenwirken der als positiv eingestuften amerikanischen Konjunkturdaten einerseits und dem als ungünstig eingestuften Inflationsbericht der australischen Notenbank RBA andererseits.

          Denn während aufgrund des beschleunigten Wachstums der amerikanischen Dienstleistungsindustrie im April sich die Hoffnungen auf Zinssenkungen seitens der amerikanischen Notenbank Fed verringert haben, wird die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen durch die RBA bis zum Jahresende am Geldmarkt nur noch mit 28 Prozent eingestuft.

          Wirbelstürme belasten die Wirtschaft

          Grund sind geringere Inflationserwartungen der Zentralbanker, die für das laufende Jahr nur noch von einer Kerninflation von 2,5 statt wie zuvor 2,75 Prozent ausgehen. „So wie es aussieht, werden die Zinssätze für Monate konstant bleiben“, meint David de Garis, Volkswirt bei der National Australia Bank. Vor der Reduktion der Inflationserwartungen war die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung noch mit 44 Prozent eingestuft worden.

          Unter diesen Umständen erfuhr auch die Meldung eine höhere Bedeutung, dass das Leistungsbilanzdefizit des Landes im März sich gegenüber dem Vormonat auf 1,62 Milliarden australische Dollar (980 Millionen Euro) mehr als verdoppelt hat. Analysten hatten mit einer Milliarde Dollar gerechnet.

          Hintergrund sind vor allem um vier Prozent gesunkenen Exporte, in denen die Engpässe im Bergbau, aber auch der Einfluss heftiger Wirbelstürme zum Ausdruck kamen. So fiel die Ausfuhr von Metallerzen um 20 Prozent. Wirbelstürme hatten in den westaustralischen Häfen Port Dampier und Port Hedland die Eisenerzausfuhren behindert, die 8,5 Prozent der gesamten Ausfuhren des Landes ausmachen.

          Dürre bedroht Weizenernte

          Zudem belastet die laut Premierminister John Howard schwerste Dürre seit hundert Jahren die landwirtschaftliche Produktion. So könnte die Weizenernte des drittgrößten Getreideexporteurs der Welt nach regierungsamtlichen Schätzungen um 60 Prozent sinken. Im März fielen die Getreideausfuhren bereits um sieben Prozent.

          Experten halten diese Wettereinflüsse für erste Folgen des Klimawandels. Zwei Drittel der Exportverluste sind Sturmfolgen. Dies war auch 2006 schon so. Sollten diese Schäden zum Trend werden, so würde der Klimawandel das Produktionspotential des Landes auf Dauer verringern.

          Für das kommende Jahr aber sind die Hoffnungen sowohl auf Inflations- bzw. Zinsebene als auch unter Ausfuhraspekten größer. Zum einen ließ die RBA ihre Inflationsschätzungen für das kommende Jahr unverändert - vorläufig. Zum anderen erwarten Analysten, dass sich 2008 die hohen Bergbauinvestitionen des vergangenen Jahres in deutlich höheren Exporten niederschlagen. Das könnte auch Löhne und Konsum und damit die Inflation antreiben.

          Wenngleich also die kurzfristigen Aussichten auf weitere Aufwertungen einen deutlichen Dämpfer erhalten haben, so sind der 2006 eingeschlagene mittelfristige und vor allem der 2001 eingeschlagene langfristige Aufwertungstrend weiter intakt. Treffen daher die Prognosen für 2008 ein und zeichnen sich Zinserhöhungen der RBA ab, so könnte der Aussie-Dollar gegen Jahresende wieder aufwerten.

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