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Devisenmarkt : Australischer Dollar auf dem Weg zur Parität?

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Gegen den amerikanischen Dollar hat das australische Pendant den höchsten Stand seit dem Jahr 1989 erreicht. Optimistische Strategen sehen ihn schon in Richtung Parität laufen. Gegen den Euro befindet er sich im Seitwärtstrend.

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          Trotz der anhaltenden Kreditkrise und schlechten Unternehmensergebnissen von vielen Banken hat der Risikoappetit der internationalen Anleger in den vergangenen Tagen ausgelöst von der Zinssenkung in den Vereinigten Staaten wieder eine fulminante Renaissance erlebt.

          Sie zeigt sich sowohl an den deutlich nach oben laufenden Börsen, als auch am Devisenmarkt. Denn tief verzinsliche Währungen wie der Schweizer Franken und vor allem auch der Yen befinden sich nach einer kurzen Zwischenerholung wieder in der Defensive, währen die Hochzinswährungen ihre zwischenzeitlichen Kursverluste inzwischen wieder mehr als wett gemacht haben.

          Australischer Dollar - auf den höchsten Stand gegen den Dollar seit 1989

          Das gilt trotz aller nur denkbaren strukturellen Schwächen für Währungen wie den Neuseeland-Dollar und die isländische Krone ebenso, wie für den australischen Dollar. Hat der Aussie-Dollar während der Kreditkrise gegen den Yen gemessen am Dollar-Yenkurs bis zu 18 Prozent verloren, so ist er inzwischen wieder um knapp 17 Prozent nach oben gelaufen. Allerdings ausgehend vom tieferen Niveau.

          Gegen den amerikanischen Dollar dagegen hat das australische Pendant inzwischen den höchsten Stand seit dem Jahr 1989 erreicht. Am Dienstag gibt es zwar leicht nach, allerdings gibt es inzwischen erste Stimmen, die in den kommenden Monaten das Erreichen der Parität zwischen dem australischen und dem amerikanischen Dollar für möglich halten. Gegenwärtig sind 88,5 amerikanischen Cents nötig, um eine Einheit der australischen Währung kaufen zu können.

          Im Hintergrund steht dabei der anhaltende Wirtschaftsoptimismus in Australien. Die starke Nachfrage nach Exportgütern - vor allem nach Rohstoffen - werde die konjunkturelle Dynamik frisch beflügeln, die Preisentwicklung anziehen lassen und die australische Zentralbank zu Leitzinserhöhungen zwingen. Da die amerikanische Zentralbank gleichzeitig ihren Zinssatz weiter nach unten nehmen werde, laufe die Zinsdifferenz - sie liegt gegenwärtig bei zwei Prozentpunkten - zu Gunsten der australischen Währungen auseinander, lautet die Logik. Auf diese Weise werde der Wechselkurs der australischen Währung zumindest gegen den Greenback beflügelt, heißt es.

          Manche sehen ihn schon in Richtung Parität laufen

          Solche Prognosen sind in einem Umfeld mit hohem Risikoappetit nicht ungewöhnlich. Allerdings sollten die Risiken nicht verkannt werden. Sie liegen darin, dass die Kreditkrise und ihre Folgewirkungen längst noch nicht ausgestanden sind. Mit Blick auf die geographische Vermarktung der risikobehafteten, verbrieften Hypothekenpapiere liegen die Risiken eindeutig in den Vereinigten Staaten. Dort hat man dafür bisher zu wenig über entsprechende Verluste à la IKB, SachsenLB oder Northern Rock gehört. Bisher scheinen sie geschickt in den Bilanzen der relevanten Unternehmen versteckt zu sein.

          Sollten sie tatsächlich noch auftauchen, dürfte das die amerikanische Konjunktur kaum beflügeln und die Weltkonjunktur dämpfen. In diesem Fall kann nicht nur das amerikanische, sondern das ebenfalls sehr ausgeprägte australische Leistungsbilanzdefizit zum Problem werden. Zudem kann auch ein Blick auf die Bilanzen der australischen Banken nicht schaden. Denn kritische Analysten machen deutlich, dass diese Unternehmen zum Teil sehr aggressiv und damit riskant finanziert sind.

          So kann es vernünftig sein, das Wiederaufleben der verschiedenen Rallys an den Finanzmärkten mit der notwendigen Skepsis zu betrachten und eingegangene Positionen entsprechend abzusichern. Denn die Märkte wollen gegenwärtig nur noch das Positive durch die rosarote Brille sehen. Gegen den Euro sieht das Bild sowieso anders aus. Denn gegen die europäische Einheitswährung läuft der Euro schon seit Jahren volatil seitwärts.

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