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Devisenmarkt : Ausgeprägte Spekulationen gegen den „Loonie“

  • Aktualisiert am

Ein Loonie ... Bild: AP

Der kanadische Dollar hat aufgrund der Konsolidierung im Rohstoffbereich an Flair verloren. Inzwischen gibt es deutliche spekulative Positionen gegen die Währung. Die sind wohl kaum mit dem anhaltenden Wirtschaftsoptimismus vereinbar.

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          Nach einer mehrjährigen Aufwertungsbewegung gegen den amerikanischen Dollar und einer guten Performance im Jahr 2005 gegen den Euro ist der kanadische Dollar zunächst gegen den Euro und in den vergangenen Wochen gegen Greenback in die Defensive geraten.

          Gegen den amerikanischen Dollar hat er den Aufwertungstrend durchbrochen und ist von einem Zwischentief bei 1,0985 im Mai des vergangenen Jahres auf bis zu 1,1174 Kanada-Dollar je US-Dollar gestiegen, bevor er sich inzwischen in den vergangenen sieben Tagen wieder leicht erholen konnte. Gegen den Euro hat der Loonie vor allem seit Oktober des vergangenen Jahres nachgegeben, bevor er in den vergangenen Tagen etwas Boden gut machen konnte auf zuletzt 1,5105 kanadische Dollar je Euro.

          Viele „Short-Positionen“ an den Terminmärkten

          Grund für diese Bewegung war die Erwartung, die amerikanische Konjunktur werde nachlassen und über den Umweg konsolidierender Energie- und Rohstoffpreise auch die Dynamik der kanadischen Wirtschaft bremsen. Darauf scheinen viele spekulative Marktteilnehmer gesetzt zu haben. Das lässt sich unter anderem an den Positionen an den Terminmärkten ablesen.

          „Der kanadische Dollar ist überbewertet“, sagt David Gerstenhaber, Fondsmanager bei Argonaut Capital Management in New York der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die mittelfristigen Aussichten für die Währung sind nämlich angesichts der kanadischen Leitzinsen, die einen Prozentpunkt unter den amerikanischen Leitzinsen liegen, der abnehmenden Wettbewerbsfähigkeit der kanadischen Wirtschaft und der stark sinkenden Rohstoffpreise düster“, ergänzt er.

          An der Chicago Mercantile Exchange stieg die Anzahl der „Short-Kontrakte“ am IMM, mit denen Investoren auf einen fallenden Kanada-Dollar setzen, per 9. Januar auf netto 84.906 nach 74.268 Kontrakten am 2. Januar. Das geht aus Daten der Commodity Futures Trading Commission in Washington hervor.

          Ausgeprägte Positionierungen können zu deutlichen Gegenbewegungen führen

          Manche Strategen gehen sogar davon aus, dass die kanadische Zentralbank den Leitzins bald senken wird, um einer Abkühlung der bisher stark erhitzten Wirtschaft mit nur noch geringen freien Kapazitäten entgegenzuwirken. Das mag durchaus sein. Allerdings dürfte diese Erwartung nur dann zutreffen, wenn auch die Dynamik im südlichen Nachbarland deutlicher nachlassen sollte.

          Geht dagegen die Rechnung der Wirtschaftsoptimisten mit Blick auf die amerikanische Wirtschaft auf, so dürfte es nur eine Frage der Zeit sein und bleiben, bis auch die Rohstoffpreise den Boden und möglicherweise wieder spekulativen Rückenwind finden. In diesem Falle dürfte auch die kanadische Währung rasch wieder deutlich zulegen können.

          Die „Geschwindigkeit“ dieser Anpassung dürfte sich in diesem Fall mit der Größe der spekulativen Positionen erklären lassen, die in den vergangenen Wochen aufgebaut worden sind. Sollten sie eingedeckt werden und möglicherweise sogar auf die „andere Seite gedreht“ werden müssen, dürften deutliche Kursbewegungen wohl kaum überraschen.

          Am Dienstag hat die kanadische Zentralbank den Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert bei 4,25 Prozent belassen. Die Risiken für die Wirtschaft aufgrund nachlassender Exporte in die Vereinigten Staaten und einem abflauenden Boom im Hausbau verringerten sich, hieß es. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres werde das Wirtschaftswachstum wieder auf 2,5 Prozent zulegen, nachdem es in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres auf 1,6 Prozent gefallen war. Die Risiken zwischen Wachstumsschwächen und einer infationären Entwicklung seien ausgeglichen, teilte die Zentralbank weiterhin mit. Sie geht außerdem davon aus, dass sich die Wirtschaft des Landes in den kommenden zwei Jahren nahe am Produktionspotential entwickeln und dass die Kerninflationsrate in der ersten Jahreshälfte auf die Zielmarke von zwei Prozent fallen werden.

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