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Devisenmarkt : Asiens Notenbanken lassen kompetitive Abwertung zu

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Die Zeichen an den Devisenmärkten stehen auf kompetitive Abwertung. Viele asiatische Zentralbanken haben ihren währungspolitischen Kurs geändert und lassen ihre Währungen schwächer werden, um den Export zu fördern.

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          Die Zeichen an den Devisenmärkten stehen auf kompetitive Abwertung. In den vergangenen sieben Wochen werteten Währungen wie der kolumbianische Peso, der südkoreanische Won, der japanische Yen, der polnische Zloty, der ungarische Forint, der mexikanische Peso, die schwedische Krone und nicht zuletzt auch der russische Rubel zwischen 6 und 11 Prozent gegen den Euro ab.

          Diese Entwicklung ist kaum ein Zufall. Sie wird vielmehr von den Verwerfungen im internationalen Handel ausgelöst, die zum einen von fehlerhaften Politiken in verschiedenen Staaten und zum anderen von der Wirtschafts- und Finanzkrise verursacht wurden. Sie trifft Staaten, die wirtschaftlich stark und einseitig vom Außenhandel abhängig sind und sich stark im Ausland verschuldet haben. Diese Kombination trug in den vergangenen Monaten zur Abwertung verschiedener Währungen bei, obwohl sich manche dagegen stemmten.

          Schwache Währungen verteuern zwar die Bedienung von Auslandsschulden und die Importe ...

          Schwäche Währungen verteuern sowohl die Bedienung von Auslandsschulden als auch die Importe. Viele asiatische Zentralbanken haben in den vergangenen Wochen trotzdem ihren währungspolitischen Kurs geändert und lassen die Abwertung ihrer Währungen zu, um die Exporte zu fördern.

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          Im Januar sind die Ausfuhren aus Südkorea, Indonesien, Taiwan und Malaysia um 17 Prozent auf 79 Milliarden Dollar eingebrochen. Dieser Einbruch war doppelt so stark wie der im April 1998, als die Asienkrise ein Drittel der Wirtschaftsleistung der Region vernichtete. Mit dem Übergang zu einer Abwertung folgen die Länder dem Beispiel Südkoreas, das seit Jahresbeginn den Won gegen den Dollar um 19 Prozent fallen ließ.

          Stephen Jen, Devisenexperte von Morgan Stanley, erwartet, dass der Won, die indische Rupie und der Taiwan-Dollar bis Ende Juni gegen den amerikanischen Dollar 12, 13 oder 6 Prozent nachgeben werden. Schätzungen von Goldman Sachs zufolge wird der Singapur-Dollar bis April um drei Prozent fallen. Und der malaysische Ringgit wird bis 30. September fünf Prozent abgeben, erwartet Calyon, die Investmentbanking-Sparte von Crédit Agricole in Paris.

          In der Tat dürften schwächere Währungen Exporteuren, die derzeit von Konkurrenten aus Südkorea an die Wand gedrückt werden, wieder etwas Luft verschaffen. Wie stark die Unternehmen in vielen Ländern der Region hinter südkoreanische Wettbewerber zurückfallen, zeigt das Beispiel der Hersteller von Flüssigkristall-Bildschirmen. Analysten von Oppenheimer schätzen, dass der Weltmarktanteil von AU Optronics aus Taiwan dieses Jahr auf 15 Prozent fallen wird, von 16,8 Prozent vergangenes Jahr. Im vierten Quartal hatte das Unternehmen einen Rekordverlust von 26,6 Milliarden Taiwan-Dollar (610 Millionen Euro) ausgewiesen.

          Die südkoreanischen Konkurrenten Samsung Electronics und LG Display hingegen werden ihren gemeinsamen LCD-Marktanteil von 41,9 Prozent auf 44,9 Prozent steigern, schreiben Analysten von Oppenheimer in einem vergangenen Monat vorgelegten Bericht. Die Aktienkurse der beiden Unternehmen haben sich seit 30. September mindestens 21 Prozentpunkte besser entwickelt als der ihres taiwanesischen Wettbewerbers.

          ... allerdings machen sie auch die Exporte wettbewerbsfähiger

          „Es wird nicht länger nennenswerte Interventionen geben, um einen Rückgang der Währungskurse in Asien außerhalb Japans zu verhindern“, prognostiziert Jen. „In der Währungspolitik vieler asiatischer Volkswirtschaften hat es einen echten Wandel gegeben. Ein heftiger Rückgang des Handelsbilanzüberschusses hat ganz eindeutig Folgen für das Verhältnis von Angebot und Nachfrage für den Dollar in diesen Ländern.“

          Vor vier Monaten noch kaufte die malaysische Bank Negara am Markt Ringgit. Dies trug dazu bei, dass die Währung im Dezember gegenüber dem Dollar 4,5 Prozent zulegte. Vergangenen Monat erklärte die Zentralbank dann, die Währung sei nun „stabil“ und „funktioniere von selbst“ - obwohl der Ringgit seit Jahresbeginn 7,3 Prozent verloren hat. Am Montag notierte er bei 3,7203 Ringgit je Dollar. Damit bewegte sich der Kurs auf das Niveau zu, das er mit 3,80 je Dollar hatte, bevor die Bindung an die amerikanische Währung 2005 aufgegeben wurde.

          Auch die Philippinen würden nicht intervenieren, um den Peso zu stützten, sagte der stellvertretende Notenbankgouverneur Diwa Guinigundo vergangene Woche. Die Währung ist inzwischen auf das Niveau von Anfang Dezember zurückgefallen. Im November hatte der Peso einen seit drei Monaten andauernden Rückgang beendet, nachdem die Zentralbank im Oktober zwei Prozent ihrer Devisenreserven zur Stützung ausgab, so viel wie zuletzt 2005. Seit Jahresbeginn hat die Währung wieder 2,5 Prozent verloren.

          Die Devisenreserven Indiens stagnierten im Februar bei 239 Milliarden Dollar. Dies deutet darauf hin, dass die Notenbank keine Dollar verkaufte, um die Landeswährung zu stützen - und das, obwohl die Rupie 4,7 Prozent an Wert verlor, so viel wie zuletzt im Oktober.

          Was die Zentralbank Singapurs angeht, so erwartet Adnan Akant, Leiter Devisen bei Fischer Francis Trees & Watts in New York, beim halbjährlichen Treffen im April eine Ausweitung der Schwankungsbreite, um eine Abwertung zu ermöglichen. Akant verkauft den Singapur-Dollar, der seit Januar zum amerikanischen Dollar 8,4 Prozent auf 1,5496 je amerikanischem Dollar verloren hat.

          Insgesamt wird deutlich, dass viele Staaten versuchen, sich über Abwertungen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen oder diese zu halten. Das mag zwar aus der Sicht eines einzelnen Landes sinnvoll sein. Allerdings ist es aus globaler Sicht problematisch. Denn über diese Schiene wird ein globaler Abwertungswettlauf in Gang gehalten, der letztlich niemandem nutzt, sondern dazu geeignet ist, die Devisenmärkte und den internationalen Handel zu destabilisieren.

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