https://www.faz.net/-gv6-13ja4

Devisenmarkt : Argentinischer Peso befindet sich weiter auf Abwertungskurs

  • Aktualisiert am

Die jüngsten Wahlen brachten Argentiniens Präsidentin Kirchner eine verheerende Niederlage Bild: dpa

Seit Jahren schon befindet sich die argentinische Landeswährung zum Euro auf dem absteigenden Ast. Und daran wird sich vermutlich auch nichts ändern. Charttechnisch besteht jedenfalls ein völlig intakter Abwärtstrend.

          3 Min.

          Dank der aufkeimenden Hoffnungen auf eine Erholung der Weltwirtschaft haben sich viele Schwellenländer-Währungen zuletzt wieder befestigt. Positive Impulse dieser Art sind dagegen beim argentinischen Peso nicht auszumachen. Dessen Notiz markierte am 3. August mit 5,5152 Peso für einen Euro ein neues Rekordtief und mit aktuell 5,4936 Peso wird die Notiz auch aktuell nicht weit entfernt von diesem Tiefstand gehandelt.

          Verglichen mit dem noch im Oktober gültigen Stand von 4,1316 Peso steht hier somit inzwischen ein Minus von fast 33 Prozent zu Buche. Der argentinischen Landeswährung muss folglich zum Euro ein völlig intakter charttechnischer Abwärtstrend konstatiert werden. Und es spricht wenig dafür, dass sich daran demnächst etwas ändern wird.

          Zumindest spricht dagegen auch die historische Erfahrung, handelt es sich beim Peso doch traditionell um eine Abwertungswährung. Nach vier Währungsreformen in vierzig Jahren ist der Peso der 60er-Jahre heute praktisch nichts mehr wert. Verantwortlich dafür waren etliche Wirtschaftskrisen, Enteignungen und eine hohe Inflation.

          Investoren sehen Wirtschaftspolitik sehr skeptisch

          Nach Angaben des staatlichen Statistikamtes Indec bewegte sich der Anstieg der Konsumentenpreise im Juli zwar nur bei 5,5 Prozent, doch private Schätzungen veranschlagen den Preisanstieg eher auf 15 Prozent. Und die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer über die kommenden zwölf Monate liegen nach einer Erhebung der Universität Torcuato di Tella weiterhin in einer Größenordnung von 20 Prozent.

          Die Inflation ist somit nach wie vor ein Problem, doch am meisten wird die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gemäß einer Umfrage des Münchner Ifo-Istituts durch das Fehlen von Vertrauen in die Wirtschaftspolitik der Regierung belastet. Wie kritisch die staatlichen Eingriffe in die Privatwirtschaft zu sehen sind, zeigt sich auch an der Ende 2008 erfolgten Verstaatlichung der Pensionsfonds. Von offizieller Seite wurde dieser Schritt zwar als Hilfsmaßnahme dargestellt, um die Altersvorsorge der Bürger zu schützen. Investoren interpretierten diesen Schritt laut Einschätzung der Commerzbank-Analysten jedoch als Mittel, um zusätzliche Liquidität zu schaffen und damit die Zahlungsfähigkeit des Staates zu sichern.

          Vor diesem Hintergrund reagierte der Markt zwar zunächst positiv auf die deutliche Wahlschlappe, die das Regierungsbündnis bei den Parlamentswahlen Ende Juni erlitten hat, weil damit die Hoffnung auf eine weniger radikale und mehr wirtschaftsfreundliche Politik einhergeht. Zumal im Vorfeld der Wahlen vermehrt Spekulationen aufgekommen waren, dass die Regierung nach den Wahlen eine Abwertung des Peso vornehmen könnte, um die heimische Wirtschaft zu stützen. Doch die Commerzbank vermutete schon damals, dass der positive Impuls der Wahl den Peso nur kurz stützen dürfte, da die peronistische Partei weiterhin die stärkste Kraft bleibt.

          Außerdem wurden die schwachen argentinischen Fundamentaldaten als anhaltender Belastungsfaktor für den Peso gewertet. Nach Wachstumsraten von jeweils mindestens 6,8 Prozent in den vergangenen sechs Jahren hat selbst Indec, deren Zahlen von externen Beobachtern oft angezweifelt werden, für Mai und Juni einen Rückgang
          der Wirtschaft gemeldet. Auch für das Gesamtjahr rechnen Volkswirte mit einem Rückgang des realen Bruttoinlandsproduktes von rund zwei Prozent.

          Nur Annäherung an den IWF kann kurzfristig helfen

          Kritisch zu werten ist zudem die Lage des Staatshaushaltes. Zum ersten Mal seit dem Staatsbankrott von 2002 könnte die Staatskasse 2009 wieder ins Defizit rutschen. Bei privaten und staatlichen Auslandsgläubigern steht der argentinische Staat nach Angaben von Germany Trade and Invest noch mit rund 35 Milliarden Dollar Schulden im Rückstand und hat auch wegen der fehlenden Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds weiterhin kaum Zugang zu neuen Krediten.

          Wegen der schwierigen Situation ist nicht damit zu rechnen, dass die Argentinier ihrer Währung demnächst mehr vertrauen als zuletzt. Allein in den letzten zwei Jahren haben die Argentinier rund 20 Milliarden Dollar ins Ausland geschafft. Und nach Indec-Angaben beläuft sich das Auslandsvermögen argentinischer Privatleute und -unternehmen (ohne Banken) auf 157 Milliarden Dollar. Das entspricht fast der Hälfte des Bruttoinlandsproduktes. Die Beratungsfirma Estudio Bein & Asociados hat außerdem errechnet, dass kein anderes Land der Welt pro Kopf der Bevölkerung so viele Dollar-Scheine hortet wie Argentinien.

          Alles das spricht eher gegen eine baldige Trendwende des Peso-Abwärtstrends. Etwas Entlastung könnte die argentinische Landeswährung allerdings dann erhalten, wenn sich das Land wie zuletzt angedeutet tatsächlich zu einer Wiederannäherung an den Internationalen Währungsfonds durchringen sollte. Vermutlich wird es dazu aber erst dann kommen, wenn der Leidensdruck so groß ist, dass die politisch Verantwortlichen nicht mehr anders können, als klein beizugeben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mord an Fritz von Weizsäcker : Aus Abneigung gegen den Vater

          Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist offenbar psychisch krank. Die Messerattacke auf den Sohn des früheren Bundespräsidenten soll er im Detail geplant haben. Sein angebliches Motiv wirft Fragen auf.
          Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

          Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

          Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.