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Devisenmarkt : Amerikas Druck zwingt China zur Unbeweglichkeit beim Yuan

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Vielleicht ist ja alles nur ein Trick: Könnte es sein, daß die Vereinigten Staaten massiv Druck auf Chinas Führung ausüben, seine Währung aufzuwerten, nur um es ihr um so schwerer zu machen, den Yuan steigen zu lassen?

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          Vielleicht ist ja alles nur ein Trick: Könnte es sein, daß die Vereinigten Staaten massiv Druck auf Chinas Führung ausüben, seine Währung aufzuwerten, nur um es ihr um so schwerer zu machen, den Yuan steigen zu lassen? Die Spekulanten stehen in den Startlöchern, zwingen Peking immer wieder zu Versicherungen, der Yuan werde „auf einem ausgeglichenen Niveau im wesentlichen stabil bleiben“ und das Wechselkurssystem nur „schrittweise“ reformiert.

          Eigentlich gute Nachrichten für die Vereigten Staaten, wie Experten finden. Denn um die feste Bindung an den Dollar zu sichern, muß Peking weiter amerikanische Schatzanleihen kaufen, mit denen die Vereigten Staaten ihr hohes Haushaltsdefizit finanzieren. Die Zinsen in Amerika bleiben niedrig. Der Dollar fällt nicht weiter.

          Eine Aufwertung würde an dem enormen Handelsdefizit mit China, das 2004 sogar 162 Milliarden Dollar erreichte, auch wenig ändern und auch keine verloren gegangenen Jobs in den Staaten zurückbringen, sind sich chinesische wie amerikanische Experten einig.

          Unehrliche Strategie

          Warum machen die Amerikaner also derart Druck? Der ehemalige wirtschaftliche Chefberater des Weißen Hauses, Phillip Swagel, sieht einen „unehrlichen Versuch, die enormen Vorteile, die Amerika auf Chinas Kosten aus dem festen Dollar-Yuan-Wechselkurs ziehen, zu verlängern“. Egal ob durch Zufall oder mit Absicht, so der Fachmann des American Enterprise Institute im „Wall Street Journal“, es sei auf jeden Fall eine „brillante Strategie, um die guten Zeiten zu bewahren“.

          Auch Professor Zhong Wei von der Beijing Normal University ist mißtrauisch: „Die Amerikaner sind ziemlich schlau. Indem sie China ständig verurteilen, lassen sie China noch fester an der Bindung zwischen dem Yuan und dem Dollar festhalten.“ Solange die Vereigten Staaten und Europa wie bisher massiv auf eine Aufwertung dringen, „ist es unmöglich zu erwarten, daß der Yuan steigt“, sagt der Professor. Seit 1994 ist der Yuan fest an den Dollar gebunden, zuletzt mit einer ganz minimalen Handelsspanne von 8,28 Yuan für einen Dollar.

          In der Finanzkrise in Asien 1997-98 war der Yuan ein entscheidender Stabilitätsfaktor, heute dient er im Weißen Haus und im Kongreß als Buhmann für die Probleme der amerikanischen Wirtschaft. Bis zu 40 Prozent sei der Yuan unterbewertet, wird immer wieder argumentiert, dabei sähen Börsenexperten in Hongkong höchstens eine Zunahme von fünf Prozent, wenn der Yuan plötzlich frei gehandelt würde.

          Freigabe nicht ohen Schocks möglich

          Anders als mit den Vereinigten Staaten genießt China insgesamt nämlich eine weitgehend ausgeglichene Handelsbilanz. Eine Aufwertung wäre also viel eher eine Wechselkursmanipulation, finden chinesische Experten. Die Regierung in Peking verfolgt deswegen eine vorsichtige Reform, damit sich der Wert des Yuan künftig besser am Markt orientieren kann. „Wir müssen die möglichen Auswirkungen der Wechselkursreform auf die makroökonomische Stabilität, das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt berücksichtigen“, sagt Ministerpräsident Wen Jiabao.

          Eine Aufwertung würde Arbeitsplätze in der Exportindustrie kosten. Billigere landwirtschaftliche Importe gingen zu Lasten der Bauern, die mit niedrigen Einkommen heute schon zu den Verlierern der Reformen gehören. Gefahren drohen dem Bankensystem, das unter faulen Krediten leidet. Wen Jiabao: „Es bedarf noch einer großen Menge Vorbereitungen, damit ein Umfeld geschaffen wird, um es allen Seiten zu ermöglichen, die möglichen Auswirkungen aufzufangen.“

          Auf dem G8-Gipfel der sieben reichsten Industrienationen und Rußland im schottischen Gleneagles ließ der Druck der Amerikaner erstmals etwas nach. Die von den G-8-Finanzministern erhobene Forderung nach flexiblen Wechselkurssystemen wurde nicht einmal ins Schlussdokument genommen.

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