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Devisenmarkt : Amerikanische Zinssenkung treibt Euro kurzfristig Richtung Rekordhoch

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Bild: FAZ.NET

Die amerikanische Zentralbank senkt aggressiv den Leitzins. Die zunehmende Zinsdifferenz bringt den Dollar kurzfristig wieder in die Defensive. Mittelfristig sieht das Bild jedoch anders aus.

          Es kommt, wie es kommen musste. Während die amerikanische Zentralbank aufgrund der selbst verschuldeten Immobilien- und Kreditkrise den Leitzins in riesigen Schritten nach unten auf zuletzt drei Prozent schraubt, um auf diese Weise trotz einer hohen Inflationsrate eine Rezession zu vermeiden, gibt sich die europäische Zentralbank zögerlich.

          Die Europäische Zentralbank hält ihren Leitzins inzwischen schon seit Juni des vergangenen Jahres unverändert bei vier Prozent. Glaubt man den aktuellsten Äußerungen, so tendiert sie aufgrund der inflationären Entwicklung in Europa, vor allem aber auch aus Sorge vor so genannten Zweitrundeneffekten, die sich unter anderem in überzogenen Lohnabschlüssen in international nicht wettbewerbsfähigen Sektoren ohne Produktivitätswachstum zeigen könnten, eher zu einer Zinserhöhung als zu einer Lockerung der Geldpolitik.

          Zinsdifferenz spricht kurzfristig gegen den Dollar ...

          So sorgt alleine schon die bestehende Zinsdifferenz dafür, dass der Euro auf dem hohen Niveau zumindest kurzfristig weiteren Auftrieb erhält und möglicherweise trotz der deutlichen Überbewertung sogar die Marke von 1,50 Dollar je Euro testen wird. Dazu dürften auch die am Donnerstag veröffentlichten Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt beitragen. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist im Januar auf 375.000 gestiegen. Das ist mehr, als erwartet worden war. Damit zeigt sich die konjunkturelle Schwäche der amerikanischen Wirtschaft, die im vierten Quartal des vergangenen Jahres gerade noch um 0,6 Prozent auf Jahresbasis gewachsen war, nun immer mehr auf dem Arbeitsmarkt des Landes.

          Diese Entwicklung lässt vermuten, dass die amerikanische Zentralbank ihren Leitzins in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter nach unten nehmen und sich damit die Zinsdifferenz zwischen Europa und den Vereinigten Staaten noch weiter ausweiten könnte. Allerdings sind die Erwartungen in diese Richtung inzwischen schon ziemlich ausgeprägt.

          Sollte sich die inzwischen schon etwas angeschlagene Wirtschaftsstimmung in Europa im Rahmen einer weltwirtschaftlichen Abkühlung weiter eintrüben und die bisher noch vergleichsweise robust laufende Konjunktur in Europa bremsen, so könnte sich die Haltung der Europäischen Zentralbank ändern.

          ... der mittelfristig einige Argumente für sich hat

          Aus diesem Grund sollte das Kurspotential des Euro gegen den Dollar zumindest mittelfristig begrenzt bleiben, auch wenn der langfristige Trend weiter nach oben zeigt. Dazu kommen weitere Faktoren, wie beispielsweise der offensichtliche politische Linksrutsch in Deutschland. Er dürfte den Wirtschaftsstandort künftig für internationale Anleger unattraktiver als bisher machen. Auch das kann die Nachfrage nach europäischen Vermögenswerten bremsen.

          Auf der anderen Seite wird der schwache Dollar mit großer Wahrscheinlichkeit die amerikanische Exportnachfrage beflügeln und die Importnachfrage deutlich dämpfen. Auf diese Weise dürfte das amerikanische Leistungs- und vor allem auch das Handelsbilanzdefizit schrumpfen und damit das Dollarangebot zurückgehen. Sollten amerikanische Anleger ihr Geldvermögen zurückholen, das sie in den vergangenen Jahren zunehmend international diversifiziert hatten, dürfte auch dies den Dollar zumindest stützen, wenn nicht gar nach oben treiben. Aus diesem Grund scheint es nur bedingt reizvoll zu sein, auf den Euro und gegen den Dollar zu setzen.

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