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Devisenkurse : Der Euro bleibt zum Dollar in einer Handelsspanne

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Trotz Unsicherheiten hinsichtlich der Entwicklung in den USA wird der Euro die Parität in absehbarer Zeit wohl nicht mehr erreichen.

          Die Märkte im Sommer und die Kursbewegungen im Sommer - das war das Thema unseres letzten 14-tägigen Ausblicks. Im Rahmen dieses Ausblicks konnten wir die oberen und unteren Bandbreiten der Leitwährungen in den vergangenen zwei Wochen ziemlich genau bestimmen. In ähnlicher Weise gehen wir jetzt davon aus, dass die Leitwährungen sich weiter innerhalb dieser jüngsten Bandbreite bewegen werden. Die Risiken, dass es bei einer erneuten Dollarschwäche, angesichts wieder fallender Aktienkurse, Ausreißer geben könnte, erachten wir als gering.

          Die Konsolidierungsphase, wie wir sie derzeit erleben, ist zu einem Großteil auf die Unsicherheit hinsichtlich der Chancen für eine Erholung in den USA zurückzuführen. Dies betrifft sowohl die Gesamtwirtschaft als auch die Aktienmärkte. Natürlich wird die Situation durch die übliche Sommerflaute noch verschärft.

          Höhenflug des Yen wird nur kurz anhalten

          Der Yen startet gerade zu einem Höhenflug, doch die jüngsten Kursgewinne traten in einer sehr engen Marktlage auf und haben nun ein Niveau erreicht, bei dem das Risiko einer Intervention der Bank of Japan eine ernsthafte Bedrohung darstellen könnte. Wir gehen von einer Abschwächung des Yen aus, der sich auf dem niedrigen Wert im Juli von rund 115,50 Yen pro Dollar einpendeln dürfte.

          Die jüngsten Kurssteigerungen des Yen gegenüber dem Euro sind im Wesentlichen auf Verkäufe bei auf Euro lautenden kurzfristigen Anlagen (Spekulations-/Modellfonds) zurückzuführen. Gerüchten zufolge soll es am Donnerstag im Rahmen einer Rückführung von Couponzahlungen des Finanzministeriums Zahlungen in Höhe von zwei Milliarden Dollar an japanische Privatanleger und Regierungsstellen gegeben haben, was ebenfalls zu der Kurssteigerung beigetragen haben dürfte. Die Aktivitäten im „Cross-Geschäft“ sind symptomatisch für eine allgemeine Verschlechterung der Stimmung gegenüber dem Euro. Hierfür sorgten in den vergangenen Wochen auch eine Reihe schwacher Indikatoren innerhalb der Europäischen Währungsunion.

          Konjunkturdaten geben die Richtung des Dollar vor

          Jetzt, da der Euro trotz der Befürchtungen, dass die US-Konjunktur wieder in eine Rezession zurückfallen könnte, unterhalb der Dollar-Parität liegt, könnte das alte Thema einer tatenlos zusehenden Europäischen Zentralbank (EZB) gegenüber einer aktiven amerikanischen Notenbank wieder aktuell werden. Eine erneute Rezession in den USA dürfte auch Europa in Mitleidenschaft ziehen. Wir gehen davon aus, dass der Dollar auch in den kommenden Wochen weiter mit einer schwachen Konjunktur und schwachen Kapitalmärkten wird kämpfen müssen. Trotzdem rechnen wir nicht damit, dass der Euro die Parität mit dem Dollar in nächster Zeit wieder erreichen wird.

          Was die Konjunkturdaten betrifft, so dürften die für Donnerstag erwarteten Daten für die industrielle Produktion und der Bericht der Philadelphia Federal Reserve Bank (Philly Fed) sowie der Verbraucherstimmungsindex der Universität von Michigan, der am Freitag veröffentlicht wird, die Richtung für die kommenden Wochen angeben. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Erholung in der verarbeitenden Industrie weiter verzögern wird. Das Produktionsniveau dürfte eher niedrig ausfallen. Bei dem Index der Philly Fed wird jedoch mit einem leichten Anstieg auf 8,0 Punkte gegenüber 6,6 Punkten im Juli gerechnet. Die höheren Einzelhandelsumsätze hatten auf den Kurs des Dollar Anfang dieser Woche kaum Einfluss. Ein besser Wert bei der Stimmung der Verbraucher im August sollte indes nicht so klanglos verhallen. Zumindest dürfte er dem Dollar nicht schaden.

          Die Ergebnisse der Michigan Erhebung erreichten im vergangenen Monat den niedrigsten Wert seit sieben Jahren. Dabei sank der Index im Bereich "Erwartungen" am stärksten: Der Wert fiel von 87,9 Punkten auf 81 Punkte. Der Gesamtindex konnte sich von dem letzten Stand im Juli von 88,1 Punkten auf 89 Punkte leicht verbessern.

          Euro wird Parität auf absehbare Zeit nicht erreichen

          Für die Kursentwicklung an den Devisenmärkten in den kommenden zwei Wochen gehen wir davon aus, dass der Euro es weiterhin schwer haben wird, die Paritätsmarke zu erreichen. Am 16. Juli erreichte der Euro den Höchststand von 1,0210 Dollar; vergangene Woche rutschte er auf 0,9625 Dollar ab. Die Paritätsmarke dürfte unserer Einschätzung nach für den Euro auf absehbare Zeit auf jeden Fall die Obergrenze darstellen. Nach unten sehen wir die Grenze bei 0,9700 Dollar. Gegenüber dem Japanischen Yen dürfte der Dollarkurs nicht wesentlich unter den Stand von 115,80 Yen im Juli fallen. Dort wir sehen die unterste Marke bei 115,50, die oberste Grenze dürfte bei 119 Yen je Dollar liegen.

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