https://www.faz.net/-gv6-qgtl

Devisenhandel : Chinas Integration in die Devisenmärkte macht Fortschritte

  • Aktualisiert am

Chinas Zentralbank hat eine Ausweitung des Devisenhandels auf acht Währungen zugelassen. Das wird als Schritt hin zu einem flexibleren Wechselkurs und einer Öffnung der Wirtschaft gegenüber dem weltweiten Finanzsystem gewertet.

          2 Min.

          Citigroup, HSBC Holdings und fünf andere ausländische Banken haben am Mittwoch begonnen in Schanghai über das China Foreign Exchange Trade System den Dollar gegenüber sieben anderen Währungen und den Euro gegenüber dem Yen zu handeln.

          "Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines flexibleren Wechselkurssystems," erläutert Frank Gong, Chef-China-Ökonom bei JPMorgan Chase & Co. in Hongkong. "Eine Notierung der Währungen vor Ort schafft die Infrastruktur, auch den Yuan in Zukunft zu notieren." Derzeit bietet die Devisenbörse über eine separate Plattform Yuan-Handel gegenüber den vier Währungen Dollar, Euro, Yen und Hongkong-Dollar an. Über das neue China Foreign Exchange Tade System, eine Tochtergesellschaft der Zentralbank People's Bank of China, können nun amerikanische Dollar gegen Euro, japanischen Yen, australischen Dollar, britisches Pfund, kandische Dollar und Hongkong-Dollar getauscht werden sowie Euro gegen Yen.

          Freigabe des Yuan weiter dementiert

          Die chinesische Währung ist seit einem Jahrzehnt zum Kurs von etwa 8,3 gegenüber dem Dollar angebunden. Die Vereinigten Staaten, Japan und Europa versuchen derzeit, China zu einer Aufwertung zu bewegen, da die chinesischen Exporteure ihrer Ansicht nach einen ungerechtfertigten Handelsvorteil haben.

          Chinas Zentralbankpräsident Zhou Xiaochuan erteilte am Dienstag Spekulationen eine Absage, daß mit der Ausweitung des Devisenhandels eine Neubewertung des Yuan einhergehe. An der Schwankungsbreite von 0,3 Prozent für den Yuan-Kurs werde nicht gerüttelt. Aber durch die Ausweitung des Devisenmarktes können chinesische Banken neue Erfahrungen mit dem Handel von frei konvertierbaren Währungen sammeln. Das neue Handelssystem läßt zu, daß die Marktteilnehmer anonym bleiben. Außerdem übernimmt es die Kreditrisiken für alle Handelsgeschäfte.

          Das wird kleineren chinesischen Banken, die oft von internationalen Kreditinstituten als zu risikoreich für Handelsgeschäfte angesehen werden, helfen, am Markt Fuß zu fassen. "Es ist für kleinere Banken wie uns sehr schwierig, Kreditlinien von ausländischen Banken am internationalen Markt zu bekommen," sagt Wang Yumei, Devisenhändler bei Dalian Commercial Bank. "Jetzt wird es sehr viel leichter und weniger kostspielig."

          Von den etwa 360 Börsenmitgliedern haben "mehrere Dutzend" Banken eine Lizenz zum neuen Handel mit den Währungen bekommen, erläutert Zhang Lei, Mitarbeiter in der Devisenhandelsabteilung beim China Foreign Exchange Trade System.

          Schanghai soll Finanzzentrum werden

          "Der Handel läuft soweit gut, " berichtet Sun Qi, Händler bei Bank of China in Beijing. Die Bank habe am Mittwochmorgen das erste Handelsgeschäft über das neue System ausgeführt, ein Tausch von amerikanische Dollar in Hongkong-Dollar. Zahlen wollte er nicht nennen. Der Handel zwischen den ausländischen Währungen dürfte anfangs gering sein. Einige chinesische Banken handeln bereits jetzt direkt mit der ausländischen Gegenseite, erklärt Ma Teng, Händler bei Nanjing City Commercial Bank.

          Die Ausweitung des Devisenhandels ist aber auch im Rahmen der Bestrebungen der Regierung zu sehen, Schanghai wieder zu einem internationalen Finanzzentrum aufzubauen, das es vor 1949 war. Der Umsatz an der Devisenbörse in Schanghai hat sich in den ersten vier Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahr bereits auf 28,2 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Das ist das Neunzigfache des Umsatzvolumens von 314,6 Millionen Dollar aus dem Jahr 1999. Die Regierung will den Finanzplatz an den weltweiten Devisenmarkt anbinden, an dem täglich 1,9 Billionen Dollar umgehen.

          Weitere Themen

          „EZB hat an Rückhalt verloren“

          Ökonom : „EZB hat an Rückhalt verloren“

          Die Kritik an der Geldpolitik ist auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen, stellt der Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel fest. Für 2020 erwartet er politisierte Börsen.

          Topmeldungen

          Ehemaliger Hassprediger : Sven Laus Verwandlung

          Der frühere Salafist gibt sich geläutert. Die Haft habe ihn mehr als nur gebrochen. Bald will er sich sogar in der Prävention engagieren. Die Leute hätten ihm ja schon einmal zugehört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.