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Devisen : Zloty auf Drei-Einhalb-Jahreshoch gegen den Euro

  • Aktualisiert am

Papst- statt Euromünzen in Polen Bild: AP

Nach einer deutlichen Zwischenkorrektur im vergangenen Jahr befindet sich der polnische Zloty gegen Euro und Dollar wieder auf Höhenflug. Die Risikoneigung der internationalen Anleger und die boomender Börse dürften im Hintergrund stehen.

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          Hatte es im vergangenen Jahr so ausgesehen, als ob der phänomenale Lauf des polnischen Zloty der Monate zuvor sein Ende gefunden hätte, so ist diese Annahmen inzwischen völlig widerlegt worden. Denn die polnische Währung legt am Montag deutlich gegen den Euro zu und erreicht mit einem Minus von 484 Stellen auf 3,7625 Zloty je Euro den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

          Hintergrund ist der offensichtlich auch im Jahr 2006 anhaltende Risikoappetit derinternationalen Anleger, die in einem Umfeld mit weltweit tiefer Renditen auf der Suche nach Ertrag offensichtlich bereit sind, vergleichsweise große Unsicherheiten dafür in Kauf zu nehmen. Immerhin hat Polen nach dem vollzogenen EU-Beitritt Probleme, seine Finanzen in den Griff zu bekommen. Das Budgetdefizit im Jahr 2005 lag sehr wahrscheinlich bei 3,8 Prozent und damit über der anzustrebenden Marke von drei Prozent. Das wiederum wäre aber die Voraussetzung, um in den kommenden Jahren auch den Euro einführen zu können.

          Politische- und Fiskalprobleme des Landes ...

          Gleichzeitig wird das Land auch noch von einer Minderheitsregierung geführt, die kaum die notwendige Substanz und möglicherweise auch nicht den Willen hat, die notwendigen Kriterien zu erfüllen. Denn für die polnische Bevölkerung scheint es nicht erstrebenswert zu sein, den Euro überhaupt einzuführen. Jüngste Umfragen zeigen, daß eine Mehrheit die eigene Währung behalten möchte.

          Nichts desto Trotz fühlt sich der Markt offensichtlich inspiriert von der Ernennung von Zyta Gilowska zur Finanzministerin. Sie kenne die politischen Gegebenheiten und die Abneigung der Partei gegen zeitliche Ziele. Im Gegensatz zum Amtsvorgänger werde sie jedoch bestrebt sein, eine gewisse Disziplin in die Finanzpolitik des Landes zu bringen, so lautet die allgemeine Hoffnung. Allerdings dürfte es in diesem Zusammenhang noch zu Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen kommen. Denn es scheint auch eine gewisse Neigung zu bestehen, die Zahlen so zurecht zu biegen.

          Die Hoffnung auf ein disziplinierteres Vorgehen hinterließ an den Rentenmärkten deutliche Spuren. Denn die Staatsanleihen des Landes legten deutlich zu. Das bis ins Jahr 2015 laufende Papier mit einem Kupon von 6,5 Prozent verbuchte ein Plus von 110 Stellen auf 110,4 Prozent und rentiert mit 4,9 Prozent, bei einer Inflationsrate von einem Prozent noch Ende November des vergangenen Jahres. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt mit 3,25 Prozent noch deutlich darunter, bei einer höheren Inflationsrate. Das heißt, in einem risikofreudigen Umfeld offerieren polnische Staatsanleihen noch ein gewisses Konvergenzpotential.

          ... werden überlagert von interessanten Bewertungen an den Finanzmärkten

          Auch die polnische Börse befindet sich schon seit Monaten auf einem Höhenflug und markiert - abgesehen von bisher kurzen Zwischenkorrekturen - ein Rekordhoch nach dem nächsten. Das dürfte kaum verwundern, denn trotz der Schwierigkeiten wächst die Wirtschaft des Landes noch deutlich. Gleichzeitig sind die Aktien im WIG mit durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnissen von etwas mehr als zwölf im internationalen Vergleich zumindest optisch noch sehr günstig und in diesem Sinne vergleich mit den Märkten in Ungarn und Rußland.

          So dürfte es kaum verwundern, daß die internationalen Anleger in einem anhaltend freundlichen Börsenumfeld weiterhin in den Markt strömen und auf diese Weise auch die Währung nach oben treiben. Allerdings sollten die Risiken wohl nicht unterschätzt werden. Das zeigt sich an der Zwischenkorrektur im vergangenen Jahr, die die Währung innerhalb weniger Wochen von 3,86 Zloty auf bis zu 4,30 Zloty je Euro gebracht hatte. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, die relevanten Positionen zu beschränken.

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