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Devisen : Yen profitiert von schwachem amerikanischem Arbeitsmarkt

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Mit deutlichen Kursgewinnen gegen den Dollar hat der Yen auf schwache amerikanische Arbeitsmarktzahlen reagiert. Marktteilnehmer rechnen mit weiteren Kursgewinnen, zumindest kurzfristig. Langfristig spricht vieles für den Yen.

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          Nach deutlichen Kursverlusten in den vergangenen zwei Jahren konnte sich der Dollar im laufenden Jahr sowohl gegen den Euro als auch gegen den Yen fangen. Gegen den Euro hält er sich nun schon seit etwas mehr als vier Monaten in einer Handelsspanne zwischen 1,20 und 1,2460 Euro. Gegen den Yen sieht die Entwicklung ähnlich aus.

          Für die Konsolidierung dürfte auf der einen Seite die Hoffnung mancher Marktteilnehmer verantwortlich sein, in Amerika könnten die Zinsen rasch und deutlich steigen. Das würde die Zinsvorteile vieler anderer Währungen relativieren und damit den Dollar attraktiver machen als in der Vergangenheit. Noch zu Jahresbeginn hatten viele Strategen mit einem anhaltend starken Wachstum in den Vereinigten Staate gerechnet. Das würde ausländische Anleger wieder verstärkt an die amerikanischen Börse locken und internationale Unternehmen dazu bringen, wieder verstärkt in Amerika zu investieren. Auch das hätte nach ihrer Logik den Dollar sowohl gegen den Euro als auch den Yen wieder stärken sollen.

          Frühindikatoren deuten auf konjunkturelle Abschwächung in Amerika hin

          Nun deuten allerdings immer mehr Frühindikatoren darauf hin, die stark impulsgetriebene amerikanische Wirtschaft - hohe, stark kreditfinanzierte Staatsausgaben, extrem tiefe Zinsen, Steuersenkungen, hohe Konsumneigung - verliere an Dynamik. Gleichzeitig scheint sich auch der Arbeitsmarkt nicht so stark zu erholen, wie erwartet. Das führt nun zu Vermutung, die amerikanische Zentralbank könnte den eingeleiteten Zinserhöhungszyklus verlangsamen oder gar aussetzen. Das wiederum ist dem Dollar kaum dienlich. Dazu kommen die makroökonomischen Gründe, die gegen den Greenback sprechen. Das sind erneut die tiefen Zinsen, die geringe Sparneigung der Amerikaner, das von Rekord zu Rekord steigende Leistungsbilanzdefizit und das gleichzeitig rasch zunehmende Budgetdefizit.

          Bild: Bloomberg

          Auf dieser Basis scheint es kaum zu verwundern, daß immer mehr Händler, Strategen und Anleger mit einem schwächeren Dollar rechnen. Vor allem gegen den Yen, da er nicht so stark gegen den Dollar zugelegt hat wie der Euro. Nach einer Bloomberg-Umfrage tendieren drei Viertel von 78 befragten Marktteilnehmer dazu, den Dollar gegen den Yen zu verkaufen. Viele rechnen damit, daß die amerikanische Zentralbank den Leitzins im November zum vierten Mal in Folge um einen Viertel-Prozentpunkt auf dann zwei Prozent erhöhen wird, um dann einen Pause einzulegen.

          Sollte das Leistungsbilanzdefizit weiter zunehmen, könnte der Dollar wieder deutlicher unter Druck geraten. Währungsstratege Larry Kantor von Barclays Capital rechnet mit einem Kurs von 108 Yen je Dollar in einem Monat. Selbst Robert McTeer, Präsident der Dallas Fed, Janet Yellen, Präsidentin der San Franciso Fed und Thomas Hoenig, Präsident der Kansas City Fed, haben jüngst ihre Sorge darüber geäußert, daß ausländische Anleger nicht mehr bereit sein könnten, das amerikanische Defizit zu finanzieren. Das würde zu einer Krise führen, die die Zinsen in Amerika rasch steigen lassen könne, erklärten sie. Das wären auch schlechte Nachrichten für den Rentenmarkt.

          Stimmung pro Yen - Marktteilnehmer schon positioniert

          Gleichzeitig hat sich in jüngster Zeit trotz des anhaltend hohen Ölpreises die Stimmung zu Gunsten der japanischen Währung verbessert. Denn vorlaufende Indikatoren deuten auf eine wirtschaftliche Erholung hin. Sollte sich das bestätigen, könnte die japanische Zentralbank die zum Teil massiven Interventionen zu Gunsten des Dollars unterlassen oder wenigstens reduzieren. Vor allem dann, wenn China die bisher feste Bindung des Yuan an den Dollar lockern sollte.

          Das würde dem Yen zusammen mit dem Leistungsbilanzüberhuß deutlicheres Aufwertungspotential geben. Fakt ist allerdings auch, daß viele Marktteilnehmer schon entsprechend positioniert sind. Sollten ihre Erwartungen wieder einmal enttäuscht werden- vor allem bei weiter steigendem Ölpreis oder einer harten Landung Chinas -, kann es rasch zu deutlichen Gegenbewegungen führen. Gutes Risikomanagement dürfte entscheidend sein.

          Charttechnisch hat Dollar-Yen am Freitag einen kurzfristigen Aufwärtstrend gebrochen und bewegt sich nun auf eine Unterstützungszone bei 108 Yen zu. Langfristig läuft die Währung in ein charttechnisches Dreieck hinein. Sollte sie unter oben genannten Umständen nach unten ausbrechen, dürfte sie auch unter die Marke von 100 Yen je Dollar fallen. Die Wahrscheinlichkeit dürfte schon deswegen zunehmen, weil sich die internationale Gemeinschaft die Manipulation der Währungen nicht ewig gefallen lassen kann.

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