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Devisen : Tschechische Währung ringt um Sprung über Hürde bei 29 Kronen

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Im Aufwertungstrend: die tschechische Krone Bild:

Die tschechische Krone hat in diesem Jahr eine Berg- und Talfahrt zum Euro hingelegt. Auf eine Aufwertung folgte ein Seitwärtslauf, bevor die Krone wieder erstarkte. In diesen Tagen ringt sie um ein neues Rekordhoch.

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          Die tschechische Krone zählt zu jenen Währungen, die gegenüber dem Euro binnen Jahresfrist deutlich an Boden gewonnen haben. Acht Prozent hat die Devise des südöstlichen Nachbarn der Bundesrepublik der europäischen Gemeinschaftswährung abgenommen, genausoviel wie der südkoreanische Won und etwas mehr als der australische Dollar.

          Dabei kann sich die Krone anders als die Devise von „down under“ nicht auf ein höheres Zinsniveau als in Euroland stützen. Im Gegenteil, in der tschechischen Republik liegt der Leitzins noch einen Viertel Prozentpunkt unter dem der Europäischen Union. Zudem drücken das Land einige sogenannte strukturelle Probleme, die zum Teil von der überalternden Gesellschaft verursacht werden. Stichworte: Renten und Krankheits-Kosten.

          Der Krone kommt andererseits ein strammes Wirtschaftswachstum zugute. Zudem kann sich die Quote der Direktinvestitionen im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern ebenfalls sehen lassen. Nicht zuletzt sind wieder gestiegene Mittelzuflüsse zum heimischen Aktienmarkt ein Faktor, der die Währung stützt. So hat die Krone zu Monatsbeginn ein neues Rekordhoch zum Euro markiert und kämpft nun darum, die Marke von 29 Kronen je Euro zu knacken.

          Der Chart zeigt die Parität Euro/tschechische Krone

          Minuspunkte: Reformstau und Haushaltsdefizit

          Am Donnerstag kommen der tschechischen Währung, die zu Anfang vergangenen Jahres noch bei rund 33 Kronen je Euro notierte, starke Zahlen aus der heimischen Wirtschaft zugute. Die Industrieproduktion wuchs im Juli nach einem Regierungsbericht gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 11,2 Prozent nach einem Plus von 3,7 Prozent im Juni. „Es herrscht ein starkes Wachstum und großes Vertrauen in die tschechische Wirtschaft - und die jüngsten Zahlen bestätigen beides“, sagte Carlin Doyle, Schwellenländer-Stratege bei State Street Global Markets, zu Bloomberg News.

          Bei der Dekabank in Frankfurt sieht man die Sachlage ähnlich. Das Land habe ein gesundes Wirtschaftswachstum von geschätzten 4,8 Prozent im zweiten Quartal, kräftige Direktinvestitionen, die mit einem Anteil von 5,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt im oberen Mittelfeld der osteuropäischen Staaten lägen, und keine Sorgen mit der Inflation, sagte ein Sprecher der volkswirtschaftlichen Abteilung.

          Andererseits stellt die Dekabank weiter einen Reformstau bei der Rentenversicherung und im Gesundheitswesen fest. Das Land leide unter einer fortschreitenden Überalterung der Gesellschaft: „Überspitzt ausgedrückt, sind nach 1990 kaum noch Kinder geboren worden.“ Insofern müsse die bisher auf einem reinen Umlagesystem basierende Rentenversicherung reformiert und kapitalgestützt verankert werden. Bis zu den Parlamentswahlen im nächsten Jahr sei aber nicht mit einer durchgreifenden Lösung zu rechnen.

          Zu den Minuspunkten zähle auch das Haushaltsdefizit, das in diesem und im nächsten Jahr von der Dekabank bei vier bis fünf Prozent gesehen wird; 2004 hatte der Etat mit einem Minus von rund drei Prozent überraschend gut abgeschlossen. Angesichts der Haushaltsnöte will die tschechische Republik erst 2010 der Währungsunion beitreten; zuvor hatte man von 2009/2010 gesprochen.

          Auf Aufwertungskurs

          Diese Minuspunkte dürften aber im Kurs der Krone eingepreist sein. Andernfalls wäre die Währung wohl kaum auf Aufwertungskurs zum Euro. Am Donnerstag nimmt sie dem Euro 0,43 Prozent auf 29,129 Kronen ab. Der bisherige, am Dienstag kurzzeitig markierte Hoch steht bei 28,99 Kronen. Unter Marktteilnehmern sind Zweifel laut geworden, ob die tschechische Währung die Hürde bei 29 Kronen wird so bald nehmen können.

          Nach dem bisher vergeblichen Test hätten manche Anleger nach der kräftigen Aufwertung vorerst Gewinne mitgenommen, so ein von Dow Jones-vwd nicht näher genannter Beobachter. Falls die nächsten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt die Erwartungen nicht erfüllen sollten, dürfte die Krone den Rückwärtsgang einlegen, hieß es weiter.

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