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Devisen : Taiwan-Dollar reagiert positiv auf Zinserhöhung

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Bild: FAZ.NET

Mit leichten Kursgewinnen reagiert der Taiwan-Dollar auf die zehnte Leitzinserhöhung in Folge. Langfristig tendiert der effektive Wechselkurs im Rahmen einer Politik der kompetitiven Abwertung jedoch eindeutig nach unten.

          Mit leichten Kursgewinnen reagiert der Taiwan-Dollar auf die zehnte Leitzinserhöhung in Folge, nachdem die Zentralbank den Diskontsatz am Donnerstag um einen Achtel-Prozentpunkt auf nun 2,75 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit fünf Jahren erhöht hat.

          Der Kurs der Währung fällt gegen den amerikanischen Dollar um 0,12 Prozent auf 32,655 Taiwan-Dollar je Dollar, während der gegen den Euro beinahe unverändert bei 42,9188 Taiwan-Dollar liegt.

          Leichter Aufwertungstrend gegen den amerikanischen Dollar - schwächelnd gegen den Euro

          Damit ändert sich wenig an der grundlegenden Konstellation, nach der sich die Währung des asiatischen Landes in einem leichten, wenn auch sehr volatilen Aufwertungstrend gegen den Greenback befindet, während sie gegen den Euro in der Tendenz schwächelt. Nach einer Aufwertungsphase im vergangenen Jahr gegen die europäische Einheitswährung hat sie im laufenden Jahr die Kursgewinne inzwischen in einem mittelfristigen Abwertungstrend beinahe wieder vollständig aufgegeben. Dieser Trend zeigt sich besonders eindrucksvoll an den effektiven Wechselkursen, siehe Chart.

          Auf diese Weise wird einmal mehr die Tendenz der asiatischen Staaten deutlich, ihre Währungen künstlich tief zu halten, notfalls auch mit Hilfe von direkten Interventionen. Auf diese Weise wollen viele dieser Staaten ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten, die sie bei einer Aufwertung im Vergleich mit Wettbewerbern gefährden würden, die ihre Währung an den schwächelden Dollar gekoppelt haben. Auf diese Weise steht weltweit ein großer „Quasi-Dollarblock“ im wesentlichen gegen einen Euro-Block, der aufgrund der kompetitiven Abwertungsbemühungen im internationalen Handel immer stärker unter Druck gerät.

          Dabei verbuchen die asiatischen Staaten deutliche Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse, die sich bei künstlich tief gehaltenen Währungen indirekt in Form hoher Währungsreserven zeigen. Die Währungsreserven selbst sorgen für vielfältige Probleme. So halten sie aufgrund des „Recyclings“ in internationale Anlagen die Renditen tief und sorgen auf der anderen Seite in den Binnenmärkten für einen gewissen Inflationsdruck.

          Effektiver Wechselkurs tendiert eindeutig nach unten

          Genau dieser zwang die Zentralbank dazu, den Leitzins nach oben zu nehmen. Inzwischen hat sich die Preisentwicklung zwar wieder etwas beruhigt, allerdings sind weitere Zinserhöhungen alleine schon aufgrund des noch vergleichsweise tiefen Zinsniveaus im Lande wahrscheinlich. Denn der Leitzins liegt nicht nur unter dem amerikanischen und europäischen Niveau, sondern auch unter den Zinssätzen in anderen Staaten der Region. Immerhin liegt der südkoreanische Leitzins bei 4,5 und der offizielle chinesische Leitzins bei 6,12 Prozent.

          Insgesamt ist der gegenwärtige Trend der Währung mit Blick auf die effektiven Wechselkurse kaum zu übersehen: Sie tendiert eher nach unten, als nach oben. Das scheint die offizielle Politik des Landes zu sein, das rund 60 Prozent seines Wachstums der Exportwirtschaft verdankt. Langfristig stellt sich allerdings die Frage, wo die Politik bewußt kompetitiver Abwertungen und der dadurch immer größer werdenden Ungleichgewichte - Stichwort: Explosion der Währungsreserven in Asien und den Ölstaaten - hinführen soll? Früher oder später dürfte es zu handelspolitischen Friktionen kommen. Allerdings lohnt es sich nicht, kurzfristig gegen die Trends zu stellen.

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