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Devisen : Südkorea versucht den Won zu stoppen

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Bild: Daten: Bloomberg, eigene Berechnungen

Aufgrund hoher Handelsbilanzüberschüsse und „unfreier“ Währungsmärkte häufen asiatische Staaten massive Währungsreserven an. Lediglich Südkorea hat in den vergangenen Jahren eine gewisse Aufwertung der Währung zugelassen. Bis jetzt.

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          Der internationale Devisenmarkt gilt als ungemein liquide und weitgehend liberalisiert. Das würde auf der einen Seite bedeuten, daß selbst größere Beträge ohne größere Probleme und ohne zusätzliche Kosten handelbar sind. Das dürfte zumindest für die „großen“ Währungen wie Euro, Dollar und Yen zu treffen.

          Auf der anderen Seite würde der Markt zumindest in der Theorie ein Korrektiv für die zwischen den Ländern stattfindenden Handel und Kapitalverkehr darstellen: Wären die Güter eines Landes international stark gefragt, so müßte die Währung an sich aufwerten und umgekehrt.

          Viele Währungen sind nicht rein marktbestimmt ...

          Diese Gleichung der Theorie scheint allerdings nicht aufzugehen. Denn viele Währungen wie etwa der chinesische Yuan sind nicht völlig frei handelbar. Und selbst wenn sie es sind, können Interventionen oder sonstige Anreize dafür sorgen, daß die Wechselkurse zum Teil deutlich und vor allem auch lange von den sich eigentlich „richtigen“ Paritäten abweichen.

          Das führte in den Vergangenheit dazu, das die Währungen Chinas, Japans und anderer asiatischer Staaten nicht gegen den Dollar aufwerten konnten, weil die Länder ihre Währungen entweder an den Dollar gekoppelt haben oder weil massiv interveniert wurde. Dabei erzielen diese Staaten zum Teil massive Handelsbilanzüberschüsse im Warenverkehr mit Asien und vor allem auch mit den Vereinigten Staaten.

          Diese Asymmetrie führte in den vergangenen Jahren zu deutlichen Ungleichgewichten. Sie zeigen sich insbesondere in den massiven Devisenreserven, die Länder wie China, Japan, Taiwan, Südkorea und andere angehäuft haben. Nimmt man China und Hongkong zusammen, so lagen die Währungsreserven zum Ende des vergangenen Jahres bei 893 Milliarden Dollar. Dagegen sieht der Euroraum mit 172 Milliarden Dollar nur bescheiden aus.

          Diese Zahlen an sich mögen sich schon gewaltig anhören. Aber sie werden noch eindrucksvoller, wenn man sie in Relation setzt zum jeweils erwirtschafteten Sozialprodukt. Bei diesem Vergleich verfügt Singapur über Währungsreserven in Höhe von 109 Prozent des Sozialproduktes, Taiwan kommt auf knapp 83 Prozent, Malaysia auf 64 Prozent, Südkorea auf 31 Prozent und China und Hongkong zusammen kommen auf 49 Prozent. Dagegen sieht das Verhältnis des Euroraums von 1,82 Prozent zwischen Währungsreserven und Sozialprodukt äußerst bescheiden aus.

          ... aus diesem Grund laufen in Asien exorbitante Währungsreserven auf

          Diese Relationen zeigen aber auch, wie unsinnig die Handels-, Wechselkurs- und auch Finanzpolitik dieser Staaten langfristig ist. Denn Währungsreserven in solcher Höhe sind nicht nur nicht sinnvoll, sondern sie könnten besser verwendet werden. Zum Beispiel dazu, den Konsum im jeweiligen Staat besser zu fördern. Auf diese Weise könnte die Exportabhängigkeit reduziert werden und mit einer Öffnung der Binnenmärkte könnten auch mehr Gelder für Importe verwendet werden. Auf diese Weise ließen sich mittel- und langfristig auch die globalen Handelsungleichgewichte reduzieren.

          Die Voraussetzung dafür dürfte eine weitere Liberalisierung der asiatischen Währungsmärkte sein. Nicht nur China hat sich lange Zeit gegen die Aufwertung der eigenen Währung gesperrt, sondern Länder wie Korea, Taiwan und vor allem auch Japan haben zum Teil massivst interveniert, um sich über künstlich geschwächte Währungen internationale Wettbewerbsvorteile zu erkaufen.

          Eine kleine Ausnahme war in den vergangenen Jahren Südkorea. Denn die Währung konnte nach einem massiven Abwertungsschub im Jahr 1997 auf bis zu 1.810 Won je Dollar wieder auf bis zu 988 Won aufholen. Der mittelfristige Trend zeigt weiterhin nach unten und deutet damit auf eine weitere Aufwertung hin. Da das Land jedoch im Vergleich mit den Nachbarstaaten - insbesondere mit Japan - an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren befürchtet, gibt es inzwischen Interventionsgerüchte.

          Das zeigt das Grundproblem: Die Währungen der Region müßten und müssen aufgrund der Handelsströme alle aufwerten. Allerdings wird das wohl nur möglich sein, wenn sich alle Länder gemeinsam bewegen. Dazu dürfte massiver Druck aus Europa und Amerika nötig sein, zur Not unterstützt von protektionistischen Maßnahmen.

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