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Devisen : Starker „Loonie“ hängt Euro und Dollar ab

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Stark gefragt: kanadischer Dollar Bild:

Der „Loonie“ rennt und rennt. Gegenüber dem Euro hat der kanadische Dollar seit Jahresbeginn um 13 Prozent aufgewertet. Starkes Wachstum, hohe Rohstoffpreise und Nachfrage nach Wertpapieren treiben ihn an. Nun stößt er aber an technische Hürden.

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          Auf der Suche nach einer starken Währung werden europäische Anleger in diesen Wochen in Nordamerika fündig. Allerdings sind zuerst in den Vereinigten Staaten, obwohl der Dollar dem Euro wieder einiges an Boden abgenommen hat. Stärker noch als der sogenannte Greenback ist der „Loonie“: Der kanadische Dollar ist gegenüber der Weltleitwährung seit Jahresbeginn um 2,8 Prozent hochgelaufen, wie Bloomberg vorrechnet.

          Da die europäische Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Dollar im selben Zeitraum mehr als zehn Prozent verloren hat, liegt sie gegenüber dem kanadischen Dollar noch deutlicher im Hintertreffen. Ein Minus von 13,8 Prozent steht bisher zu Buche. Aktuell kostet ein Euro nur noch gut 1,42 „Loonies“, Anfang Januar mußten noch 1,649 kanadische Dollar bezahlt werden.

          Allein binnen Monatsfrist hat der Euro dreieinhalb Prozent eingebüßt. So stark wie dieser Tage war der „Loonie“ zuletzt Ende April 2002. Er profitiert von den robusten Rohstoffpreisen, der gestiegenen Nachfrage nach kanadischen Wertpapieren sowie der Erwartung höherer Leitzinsen.

          Der Chart zeigt die Parität Euro/kanadischer Dollar
          Der Chart zeigt die Parität Euro/kanadischer Dollar :

          „Das ist eine Riesengeschichte für Kanada“

          Die Wirtschaft Kanadas ist auch und gerade von Rohstoffen abhängig. 35 Prozent der Exporte entfallen auf Energie, Metalle und andere Basisgüter. Diese machen zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. So kommen Kanada die hohen Rohstoffpreise zupaß. Öl ist mit rund 67 Dollar je Barrel (159 Liter) um 45 Prozent teurer als vor Jahresfrist, Erdgas so teuer wie nie, und die Unze Gold kostet mit über 464 Dollar soviel wie seit 1988 nicht mehr.

          „Das ist eine Riesengeschichte für Kanada“, sagt Steve Butler, Devisenhändler von Scotia Capital, zur Nachrichtenagentur Bloomberg. Sein Kollege Stewart Hill von HSBC Securities fügte hinzu: „Gold und Öl unterstützen den kanadischen Dollar.“ Zudem schichteten manche Investoren aus Ländern wie Deutschland und Neuseeland, in denen die jüngsten Parlamentswahlen keine klaren Mehrheiten ergeben haben, nach Kanada um. Dies wiederum erhöhe die Nachfrage nach der nationalen Währung, da kanadische Wertpapiere mit „Loonies“ zu bezahlen sind.

          Volkswirte rechnen mit steigenden Leitzinsen

          Die hohen Rohstoffpreise spiegeln sich im Wirtschaftswachstum wider. Im zweiten Quartal ist die nationale Wirtschaft aufs Jahr hochgerechnet um 3,2 Prozent gewachsen. Diese Rate lag nicht nur über den Prognosen von Volkswirten, sondern gleichzeitig über dem sogenannten Potentialwachstum, das sich grob gerechnet aus dem Mittel der vergangenen Jahre ergibt. „Der Konsum ist weiterhin solide, während die Investitionstätigkeit nach zwei äußert starken Vorquartalen an Dynamik verloren hat. Der stärkste Wachstumsbeitrag kam aufgrund gesunkener Importe vom Außenhandel. Die wirtschaftliche Entwicklung hat sich stabilisiert“, resümierten die Volkswirte der Dekabank.

          Und sie prognostizieren: „Die Zahlen zum Wirtschaftswachstum dürften die Zentralbank darin bestärken, den Zinserhöhungszyklus wieder aufzunehmen.“ Mit dieser Meinung stehen sie nicht alleine. Laut Bloomberg erwarten Volkswirte, daß die kanadische Notenbank der amerikanischen Fed, die an diesem Dienstag die Leitzinsen wieder um 25 Basispunkte erhöhen dürfte, im kommenden Monat folgen wird. Dadurch bliebe der Abstand von 75 Basispunkten zugunsten der Vereinigten Staaten bestehen. Gleichzeitig erweiterte sich der Abstand zu Euroland auf einen Prozentpunkt, womit die Attraktivität kanadischer Zinstitel steigen würde - und mithin die Anziehungskraft des „Loonie“.

          Vor diesem Hintergrund und der aktuellen, durch das Patt im neuen Bundestag geförderten Euroschwäche, ist ein weiter starker kanadischer Dollar zu erwarten. Aus technischer Sicht läuft er allerdings auf eine Reihe von Hürden zu. Als nächstes müßte er den Widerstand bei 1,4115 nehmen. Danach baut sich eine breitere Widerstandszone bei knapp 1,40 „Loonies“ auf.

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