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Devisen : Schwedische Krone erhält wieder etwas Rückhalt

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Der Chart zeigt die Kursentwicklung der schwedischen Krone gegen den Euro in den verganenen Jahren Bild:

Die schwedische Währung hat seit Ende des vergangenen Jahres gegen den Euro nachgegeben. Hintergrund waren Zinssenkungsspekulationen. Die Zentralbank versucht dem Markt die Zinssenkungsphantasie zu nehmen.

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          Hatte es noch zum Ende des vergangenen Jahres so ausgesehen, als ob die schwedische Krone gegen den Euro aus der volatilen Seitwärtsbewegung nach unten ausbrechen und deutlicher aufwerten könnte, so hat sich das Bild inzwischen wieder gewandelt.

          Waren im Dezember noch 8,87 schwedische Kronen nötig gewesen, um einen Euro kaufen zu können, so sind dafür inzwischen wieder 9,1788 Kronen notwendig. Das sind knapp 3,5 Prozent mehr. Im Moment zeigt der kurzfristige Trend weiterhin nach oben. Aus technischer Sicht stellt sich die Frage, ob es gelingen sollte, die erreichte Widerstandszone zu überwinden, um danach möglicherweise zu weiteren Widerständen bei 9,25 und danach möglicherweise sogar bei 9,33 Kronen je Euro abzugleiten.

          Schwedische Zentralbank versucht dem Markt die Zinssenkungsphantasie zu nehmen

          Denn davon müßte man reden, wenn die Notierung Kronen je Euro weiter steigen sollte. Denn je mehr Kronen für einen Euro bezahlt werden müssen, desto weniger wird die Krone wert. Aus fundamentaler Sicht scheint es dafür keine richtige Begründung zu geben. Möglicherweise hat der Markt seit Jahresbeginn auf eine politisch gelegentlich eingeforderte Zinssenkung in Schweden spekuliert, so hat sie die Zentralbank am Dienstag ziemlich deutlich abgewiesen.

          „Wenn es zu einer Zinsveränderung kommen sollte, dann eher zu einer Zinserhöhung denn zu einer Zinssenkung,“ sagte Notenbankgouverneur Lars Heikenstein. Denn die Wirtschaft des Landes schlage sich vergleichsweise gut. Die Bank hat schon in den vergangenen Monaten nicht auf Forderungen von Gewerkschaftern und Politikern reagiert, den Leitzins unter die aktuelle Marke von zwei Prozent zu senken, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dabei wurde immer damit argumentiert, die Inflationsrate liege unter zwei Prozent.

          Mit einem Drei-Monatszins-Future von 2,11 Prozent scheint der Markt im Moment nicht wirklich mit einer Zinsänderung zu rechnen. Die Rendite der zehnjährigen schwedischen Staatsanleihe liegt bei 3,671 Prozent und damit in etwa auf dem Niveau vergleichbarer Papiere im restlichen Europa. Auf dieser Basis dürfte es so gut wie keine Anreize geben für internationale Anleger, um den schwedischen Markt „zu spielen“.

          Normalisierte Peisentwicklung untestellt

          Die Zentralbank begründet ihre Zinspolitik mit der Erwartung, die Inflationsrate, die im Februar ein Plus von 1,1 Prozent verzeichnet hatte, werde anziehen und sich in den kommenden Monaten der Zielrate von zwei Prozent nähern. Dies sei auf Grund des leichten zyklischen Wirtschaftsaufschwunges zu erwarten. In dessen Rahmen würden die Kapazitäten besser ausgelastet, was normalerweise die Preise beflügle. Gleichzeitig würden Sonderfaktoren abflauen, die in der Vergangenheit zu fallen Importpreisen geführt hätten.

          Dabei dürfte die Bank wohl nicht nur auf den Ölpreis blicken. Sondern sie zögert auch angesichts der Kreditexpansion und der Immobilienpreisentwicklung in manchen Ländern mit tiefen Zinsen, eine zu aggressive Geldpolitik zu verfolgen. Allerdings gibt sie sich pragmatisch und deutet eine gewisse Flexibilität für den Fall an, daß sich das Wirtschaftswachstum abschwächen und zu einer Verschlechterung am Arbeitsmarkt führen sollte.

          Insgesamt dürfte die entfliehende Zinssenkungsphantasie der schwedischen Währung zu etwas Rückenwind verhelfen und den kurzfristigen Abwertungstrend bremsen oder gar stoppen. Immerhin legt die Währung am Dienstag 32 Stellen zu auf 9,1754 Kronen je Euro. Langfristig dürfte die volatile Seitwärtsbewegung gegen den Euro anhalten.

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