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Devisen : Schweden-Krone stark gegenüber dem Euro

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Der Chart zeigt die Parität Euro-Schwedische Krone. Bild:

Während der Euro gegenüber dem Dollar aufwertet, befindet sich die schwedische Krone im Vergleich zur Gemeinschaftswährung auf dem Vormarsch. Zur Wochenmitte hat sie ein neues Jahreshoch markiert. Und sie dürfte robust bleiben.

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          Der Euro nimmt den Dollar zunehmend an Boden ab und hat zur Wochenmitte ein neues Allzeithoch markiert. Da sind gegenläufige Tendenzen im Vergleich zu anderen Währungen in den Hintergrund geraten. Zum Beispiel der jüngste Höhenflug der schwedischen Krone. Diese nordische Devise hat nach dem japanischen Yen, dem südafrikanischen Rand und dem ungarischen Forint binnen Monatsfrist am meisten aufgewertet: Ein Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Euro steht zu Buche. Noch etwas ausgeprägter ist ihr innerhalb der jüngsten acht Tage verzeichneter Kursgewinn.

          So hat die schwedische Krone am Dienstag auf Schlußkursbasis ein neues Jahreshoch bei 8,947 Kronen je Euro markiert. Am Mittwoch konnte sie dieses auf 8,944 Kronen kurzzeitig ausbauen, bevor sie etwas zurückgefallen ist, um durchzuschnaufen. Daß sie den Rückwärtsgang nachhaltig einlegt, scheint indes unwahrscheinlich. Zum einen spricht der Trend für eine weitere Aufwertung, zum zweiten die wirtschaftliche Stärke Schwedens und drittens die aufkeimende Zinsphantasie. Die Devisenanalysten von Raiffeisen Research in Wien rechnen jedenfalls mit einem fortgesetzten Anstieg der Krone.

          Schwedens Wirtschaft brummt - Achillesferse Arbeitsmarkt

          „Schwedens wirtschaftliche Entwicklung kann aus österreichischer Perspektive eigentlich nur neidvoll betrachtet werden“, meint Raiffeisen Research. Gleiches gilt für den Blick aus Deutschland. Denn seit gut einem Jahr wächst die Wirtschaft des Landes um 0,75 bis ein Prozent je Quartal. Die für dieses Jahr veranschlagte Rate beträgt 3,3 Prozent, und für 2005 wird ein Zuwachs von 2,9 Prozent erwartet. Damit liegt Schweden „im absoluten Top-Bereich“ der EU. Und: Der Haushalt des Landes weist einen Überschuß aus.

          Als wesentlichen Grund führen die Wiener das niedrige Leitninsniveau an, das wie in Euroland bei zwei Prozent liegt, den stabil wachsenden privaten Konsum, der in der sonstigen EU vielerorts zu wünschen übrig läßt, und den boomenden Export. Schwedens Ausfuhren sind im Jahresvergleich von plus ein auf zwölf Prozent gestiegen. Dabei schwächt sich der Preisauftrieb ab. Das bei zwei Prozent liegende Inflationsziel der Rijksbank dürfte nach Einschätzung der Währungshüter unterboten werden. Die Kerninflation dürfte laut Rijksbank bis weit in das Jahr 2005 hinein unter 1,5 Prozent sinken - derzeit befindet sich der Preisauftrieb im Einklang mit der Vorgabe der Notenbank.

          Das hat auch mit der Achillesferse der schwedischen Wirtschaft, dem Arbeitsmarkt, zu tun. Sowohl die Anzahl der unbesetzten als auch jene der neugeschaffenen Stellen liegt unter der Summe vor einem Jahr, wie Raiffeisen Research anführt. Da eine Belebung des Arbeitsmarkts wie in Amerika als Vorbote erhöhten Preisdrucks angesehen wird, schaut die Rijksbank verstärkt dorthin, wie die Wiener hervorheben. Für Dezember erwarten sie deshalb keine Zinserhöhung mehr.

          Krone dürfte weiter aufwerten

          Allerdings geht Raiffeisen Research von zwei Zinsschritten in der ersten Jahreshälfte 2005 aus. Der Leitzinssatz wird mittelfristig bei drei Prozent gesehen. Da die Europäische Zentralbank keine Anstalten macht, den Leitzins auch heraufzusetzen, könnte sich Schweden einen Zinsvorsprung erarbeiten. So etwas stärkt gemeinhin die Währung des jeweiligen Landes.

          Angesichts dessen ist zu erwarten, daß die schwedische Krone ihre Aufwertung gegenüber dem Euro fortsetzen wird. Die Wiener rechnen mit einem Kurs zwischen 8,90 Kronen und 8,8 Kronen bis Jahresmitte 2005. Traditionell profitiert die schwedische Währung auch von starken Mittelzuflüssen in Technologietiel des nationalen Aktienmarkts. Wenn sich das Aktiengeschäft beleben sollte, dürfte dies die Krone ebenfalls stützen. Der Trend spricht ohnehin für sie. Aus technischer Sicht würde sie sich neues Kurspotential durch einen Sprung über das Dezember-Zwischenhoch bei 8,929 Kronen erschließen. Dann wären 8,85 Kronen die nächste Orientierungsmarke.

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