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Devisen : Schweden-Krone hat frische Zinsphantasie für sich

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Schwedisches Münzgeld Bild: www

Schwedens Notenbank hat erstmals seit 2002 die Zinsschraube fester gedreht. Der Grund: Die Riksbank will den Preisauftrieb deckeln. Die Schweden- Krone ist aus dem Abwertungstrend zum Euro gelaufen und arbeitet sich an einem Widerstand ab.

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          Die schwedische Krone zählt zu den wenigen wesentlichen Devisen der Welt, die gegenüber dem Euro binnen Jahresfrist an Wert eingebüßt haben. Ein Minus von gut drei Prozent ist in den vergangenen zwölf Monaten aufgelaufen. Dies hatte mit der schwachen Inflation in dem nordischen Land zu tun und mit Spekulationen auf höhere Leitzinsen in Euroland, die sich bewahrheitet haben. Doch in den jüngsten Wochen hat sich das Bild zu drehen begonnen.

          Seit Mitte November konnte die Krone dem Euro 3,2 Prozent abnehmen; sie ist von 9,636 Kronen auf 9,321 Kronen gestiegen. Begünstigt worden ist der Anstieg zum einen durch die Erwartung vieler Devisenstrategen, daß die Europäische Zentralbank die Leitzinsen nicht in Serie anheben werde. Zudem hatten die Währungshüter von der Riksbank im Dezember zwar die Leitzinsen bei 1,5 Prozent belassen, aber gleichzeitig eine erstarkende Krone prognostiziert und dies mit dem robusten Konjunkturaufschwung und dem Leistungsbilanzübeschuß Schwedens begründet.

          Und die Notenbanker haben recht behalten: Die Krone ist zu Jahresbeginn aus dem seit Anfang Dezember 2004 ausgebildeten Abwertungstrend gegenüber dem Euro gelaufen. Aus charttechnischer Sicht arbeitet die Devise sich derzeit an dem Widerstand bei rund 9,30 Kronen ab (siehe Grafik 1). Seit August konnte sie diese Marke nur zweimal kurzzeitig überflügeln, zuletzt am 12. September; Anfang Oktober reichte es lediglich zu einem Test. Allerdings dürfte die Krone gute Chancen haben, in den kommenden Tagen diese Region zu überflügeln. Denn außer dem Aufwertungstrend hat sie auch frische Zinsfantasie für sich.

          Riksbank trotzt warnenden Worten der Regierung

          Schwedens Notenbank hat nämlich erstmals seit 2002 die Zinsschraube fester gedreht und die Leitzinsen von 1,5 auf 1,75 Prozent erhöht. Dies hatten Volkswirte im Mittel erwartet. Die am kommenden Mittwoch in Kraft tretende Zinsanhebung wurde in einer Erklärung mit dem sich abzeichnenden internationalen Konjunkturaufschwung begründet, der markanter ausfallen werde als früher erwartet. Zudem ist die Inflation zum Jahresende 2005 von einem niedrigen Niveau wieder etwas angesprungen.

          Die Bank trotzte mit ihrer Entscheidungen einer unmittelbar zuvor über die Medien veröffentlichten Warnung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Göran Persson vor einer Zinserhöhung. Schweden gehört nicht zur Eurozone in der EU, für die ein Leitzins von 2,25 Prozent gilt. Die Stockholmer Riksbank hat als zentrales Ziel ihre Fiskalpolitik eine Inflationsrate unter zwei Prozent definiert. Persson meinte dazu, es bestehe keine Gefahr, auch ohne höheren Zinsen diese Marke zu überschreiten.

          Widersprüchliche Signale vom Arbeitsmarkt

          Aus Sicht der Volkswirte der Deka-Bank sind die erläuternden Worte der Notenbanker in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen habe die Riksbank den Wachstumsausblick als verbessert eingestuft, aber der Arbeitsmarkt helle sich nicht eindeutig auf: Die Zahl der Beschäftigten und der offenen Stelle steige, sei der Auftrieb der gearbeiteten Stunden eher schwach. Zweitens sei die Inflationsprognose unverändert. Der Preisauftrieb bewege sich weiter deutlich unterhalb der von der Notenbank festgelegten Grenze von zwei Prozent, obschon sie im Dezember angezogen habe.

          „Drittens, das Statement liest sich ein wenig so, als hätten einige Mitglieder im Zentralbankrat sogar eine Anhebung um 50 Basispunkte propagiert.“ Hierüber müßten die schriftllichen Ausführungen näheren Aufschluß geben. Und viertens fehle in der ersten Begründung jeder Hinweis auf die Krone, die im Dezember-Bericht noch ausdrücklich erwähnt worden sei. Angesichts der Gemengelage hält die Deka-Bank eine weitere Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkt für „sehr wahrscheinlich“. Eine ausgemachte Sache ist dieser zweite Trippelschritt aus ihrer Sicht gleichwohl nicht.

          Krone hat auch Aktien-Umfeld für sich

          Immerhin: Zinsfantasie ist vorhanden. Nicht zuletzt profitiert die Krone auch vom anhaltend freundlichen Umfeld für Aktien: Titel wie ABB, AstraZeneca, Ericsson, Nokia sowie Hennes & Mauritz oder Volvo stehen auf der Einkaufsliste vieler (internationaler) Anleger - und sich letztlich in Kronen zu bezahlen. Der seit August 2004 ausgebildete Aufwertungstrend im Stockholmer OMX 30-Index ist trotz der jüngsten Korrektur völlig intakt.

          Sollte die Krone den Widerstand bei 9,30 Kronen nachhaltig herausnehmen, wäre die kleinere Hürde bei gut 9,254 Kronen aus technischer Sicht die nächste Orientierungsmarke.

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