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Devisen : Schweden-Krone dürfte wieder stärker werden

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Schwedisches Münzgeld Bild: www

Anders als die Europäische Zentralbank haben die schwedischen Währungshüter diese Woche nicht an der Zinsschraube gedreht. Noch nicht. Für das nächste Jahr sind aber gleich mehrere Zinsschritte zu erwarten. Diese Aussicht schiebt die Krone an.

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          Die schwedische Krone zählt zu der Minderzahl unter den 30 wesentlichen Währungen der Welt, die binnen Jahresfrist im Verhältnis zum Euro abgewertet haben. Derzeit steht ein Plus von 6,7 Prozent zugunsten der europäischen Gemeinschaftswährung zu Buche. Mußten doch Anfang Dezember vergangenen Jahres lediglich knapp 8,9 Prozent je Euro bezahlt werden, während es derzeit gut 9,42 Kronen sind. Am Donnerstag war die nordische Devise zum Kurs von 9,50 aus dem Handel gegangen. Anders gesagt: Zum Wochenschluß wertet die zum Euro um fast 0,9 Prozent auf.

          Und das hat Gründe: Zwar haben die schwedischen Währungshüter am Freitag, anders als die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag, nicht an der Zinsschraube gedreht - obwohl die Inflation etwas über das Ziel hinausgeschossen ist und die Riksbank ihre Wachstumsprognose für die nationale Wirtschaft angehoben hat. Aber: Die Währungshüter um Riksbank-Chef Lars Heikenstein kündigten Zinsschritte für das Frühjahr an. Diese Aussicht und vor allem der „hawkishe“, also recht weitgehende Begleitton schieben die Krone an.

          Wachstum soll von 2,4 Prozent auf 3,2 Prozent steigen

          In Schweden liegen die Leitzinsen seit April 2002 bei rekordtiefen 1,5 Prozent. Da die EZB diese Woche die Rate auf 2,25 Prozent angehoben hat, vergrößerte sich der Zinsvorsprung von Euroland. Üblicherweise macht dergleichen eine Währung im Vergleich zur anderen, also den Euro zur Schweden-Krone, attraktiver. Doch da die Börse auf die Zukunft wettet, schauen sich Analysten, Händler und Anleger vor allem die begleitenden Erläuterungen der Währungshüter an.

          Und diese haben es in sich: „Es ist vernünftig anzunehmen, daß der Leitzins künftig in den Maße steigen muß, wie der Markt es derzeit spiegelt“, so die Notenbank. „Jedoch kann die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, die Leitzinsen stärker anheben zu müssen, als die Marktzinsen besagen“, fügte die Riksbank hinzu. Die Rendite zweijähriger schwedischer Staatsanleihen ist am Freitag laut Bloomberg News um sechs Basispunkte auf 2,47 Prozent gestiegen.

          Zudem bewertet sie die Inflationsrisiken nun anders als im Oktober: Beschrieb sie seinerzeit die Risiken als ausgeglichen, so sieht sie jetzt die Gefahr eines anziehenden Preisauftriebs, auch wenn sie die Inflationsprognose für 2006 etwas von 1,4 Prozent auf 1,2 Prozent gesenkt hat. Dafür liegt die aktuelle Vorhersage für 2007 mit 1,7 Prozent um einen Zehntelprozentpunkt höher als im Vormonat. Nicht zuletzt sieht die Riksbank nun ein Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent (bisher: 2,3) für dieses Jahr und von 3,2 Prozent (3,0) für 2006.

          Analysten uneins über Ausmaß der Anhebung

          Strategen beurteilen die Aussagen unterschiedlich: „Das ist eine sehr 'hawkishe' Stellungnahme und besagt, daß im Januar und sehr wahrscheinlich im Februar die Leitzinsen um 50 Basispunkte angehoben werden“, sagte Paer Magnusson, Volkswirt bei der Danski Bank in Kopenhagen, zu Bloomberg. SEB-Devisenanalyst Henrik Mitelman erwartet dagegen eine Anhebung von insgesamt 50 Basispunkten. Der Riksbank-Chef meinte angesichts dessen: „Ich kann nicht beurteilen, ob die Marktteilnehmer heute etwas mißverstanden haben.“

          Die Volkswirte der Dekabank zählen zu den zurückhaltenden Stimmen. Aus ihrer Sicht dürfte die Riksbank im Januar noch keinen Zinsschritt gehen. Vielmehr sollte er der Inflationsbericht im März „der Riksbank die passende Gelegenheit geben, ihren derzeitigen Expansionsgrad um 25 Basispunkte zurückzufahren“. Ende 2006 sieht die Dekabank die Leitzinsen bei 2,75 Prozent.

          Die Kursreaktion der Krone legt indes nahe, daß viele Marktteilnehmer mehr erwarten. Dies entspricht der Prognose von J.P. Morgan. Die Riksbank wird die Rate im Januar um 25 Basispunkte anheben und im Jahresverlauf vier weitere Male auf 2,75 Prozent steigern, wie die amerikanische Investmentbank meint. Dagegen ist offen, inwieweit die EZB noch an der Zinsschraube drehen wird. EZB-Chef Trichet hat dies offen gelassen, aber angemerkt, daß es keinen Beschluß zu einer Serie von Zinserhöhungen gibt. Diese Aussicht kann dahingehend interpretiert werden, daß aus dem Zinsnachteil Schwedens ein Vorsprung werden könnte.

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