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Devisen : Sambische Währung Kwacha im Rohstoffboom

  • Aktualisiert am

Victoria-Fälle an der Grenze zu Sambia Bild: picture-alliance/ dpa

Die Rohstoff-Rally zieht immer weitere Kreise. Inzwischen hat sie auch Zentralafrika erreicht. Das zeigt sich unter anderem an der massiven Aufwertung der sambischen Währung Kwacha gegen Euro und Dollar.

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          Die Rohstoff-Rally der vergangenen Jahre zieht immer weitere Kreise. Inzwischen hat sie auch Zentralafrika erreicht. Das zeigt sich unter anderem an der Wechselkursentwicklung der sambischen Währung Kwacha.

          Denn sie hat in den vergangenen Monaten sowohl gegen den Dollar als auch den Euro deutlich aufgewertet. Waren vor einem Jahr noch 4.762 Einheiten der Währung des zentralafrikanischen Landes notwendig gewesen, um einen Dollar erwerben zu können, so sind es inzwischen gerade noch 3.085 Kwachas. Das ist ein Minus von 35 Prozent.

          Starke Nachfrage nach Rohstoffen macht sich bemerkbar

          Gegen den Euro sieht die Entwicklung ähnlich eindrucksvoll aus. Nach 6.419,75 Kwachas im Dezember des Jahres 2004 sind inzwischen nur noch 3.838,56 Kwachas notwendig, um einen Euro kaufen zu können. Das entspricht einem Minus von knapp 41 Prozent. Während der Aufwertungstrend gegen den Dollar noch intakt zu sein scheint, zeigt sich gegen den Euro seit Jahresbeginn eine gewisse Stabilisierung.

          Bild: Bloomberg

          Hintergrund ist die starke internationale Nachfrage nach Kupfer und anderen Rohstoffen in Verbindung mit deutlich steigenden Preisen. Mit einem Plus von 1,11 Prozent auf 7.300 Dollar je Tonne hat der Kupferpreis am Mittwoch an der London Metal Exchange ein neues Rekordhoch erreicht und damit die exponentiellen Aufwärtsbewegung fortgesetzt. Ein Ende der Preissteigerungen scheint vorerst nicht absehbar zu sein. Kupfer und Kobalt machen 64 Prozent der Exporte Sambias aus.

          Die Wirtschaft des grundsätzlich armen Landes ist nach wie vor geprägt durch die Landwirtschaft, aber auch durch den Kupfer- und Kobaltbergbau und die Verhüttung im Copperbelt, einem Bergwerksdistrikt im Norden. Im Zentrum des Landes werden daneben auch Zinn und Blei abgebaut. Trotz gewisser Fortschritte bei Privatisierung und Budgetsanierung liegt das Wirtschaftswachstum bisher mit einem Plus von geschätzten fünf Prozent im vergangenen Jahr unter den sechs bis sieben Prozent, die notwendig wären, um die Armut im Lande deutlich zu reduzieren. Rund 85 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, die durchschnittliche Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt bei 900 Dollar.

          Immerhin scheint die Maisernte im vergangenen Jahr gut ausgefallen zu sein und zusammen mit der Entwicklung im Rohstoffbereich das Wachstum zu fördern. Die Privatisierung der Kupferminen hat gleichzeitig dazu geführt, daß die Regierung die lange Zeit erzielten Mammutverluste nicht mehr tragen muß. Sie dürfte in Verbindung mit den hohen Rohstoffpreisen auch dazu beigetragen haben, daß die Minen inzwischen wieder die Gewinnzonen erreichen konnten.

          Industrie sorgt sich über starke Währung

          Eine restriktive Geldpolitik trägt dazu bei, die Inflation abzubauen und die hohe Verschuldung in den Griff zu bekommen. Der Schuldenstand dürfte im vergangenen Jahr etwas mehr als 100 Prozent des Sozialproduktes von geschätzten 10,3 Milliarden Dollar betragen haben. Knapp 22 Prozent werden mit einem Arbeitskräfteanteil von 85 Prozent in der Landwirtschaft erwirtschaftet, knapp 30 in der Industrie mit einem Arbeitskräfteanteil von sechs Prozent und knapp 49 Prozent mit neun Prozent der Arbeitskräfte im Dienstleistungsbereich. Mit einem Plus von knapp zehn Prozent dürfte die Industrieproduktion des Landes im vergangenen Jahr überproportional gewachsen sein.

          Allerdings macht sich gerade dieser Bereich nun Sorgen über die starke Währung. Sie reduziere die internationale Wettbewerbsfähigkeit und werde zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen. Auf der anderen Seite wird argumentiert, diese Entwicklung helfe, die Inflationsentwicklung zu dämpfen. Immerhin muß das Land den größten Teil des teuren Öls importieren.

          Da sich inzwischen auch die Minenunternehmen über die Aufwertung besorgt zeigen, dürften Bemühungen um eine Stabilisierung des Wechselkurses kaum überraschen.

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