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Devisen & Rohstoffe : Schwacher Dollar - steigende Importpreise in vielen Staaten

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Bild: FAZ.NET

Die unkoordiniert erscheinende Zinspolitik in den Vereinigten Staaten und Europa verunsichert die Marktteilnehmer und bringt den Dollar gegen den Euro und die Rohstoffe neu unter Druck. Das führt zum Preisauftrieb in vielen Regionen.

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          An den Rohstoff- und Währungsmärkten geht es derzeit drunter und drüber. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zunächst überraschte die amerikanische Zentralbank die Märkte in den vergangenen Tagen mit der expliziten Aussage, sie sei an der Stabilisierung oder gar an einer Aufwertung der amerikanischen Währung interessiert.

          Das überraschte die Märkte zumindest kurzzeitig, da sie zuvor unter der Hand davon ausgegangen waren, die Zentralbank könnte aufgrund der konjunkturellen Schwäche zu weiteren Zinssenkungen tendieren.

          Unkoordinierte Zinspolitik verunsichert die Anleger

          So kam es jedoch zunächst zu einer leichten Erholung des Dollars gegen den Euro und zu einer Korrektur an den Rohstoffmärkten. In den vergangenen Jahren hatten sich immer mehr Anleger Energie- und Rohstoffkontrakte ins Depot gelegt, um sich auf diese Weise gegen die Abwertung des Dollars abzusichern. Sollte sich die amerikanische Währung erholen, so würden die Energie- und Rohstoffpreise mit einiger Wahrscheinlichkeit deutlich korrigieren.

          Die kurzfristige Dollarerholung und die sich andeutenden Gewinnmitnahmen an den Energie- und Rohstoffmärkten fanden jedoch am vergangenen Donnerstag ein abruptes Ende, als die Europäische Zentralbank ankündigte, sie werde demnächst wohl den Leitzins anheben. Diese klare Aussage kam ebenso überraschend, wie zuvor die „dollarstabilisierende“ Äußerung des Ben Bernanke.

          Veränderte Zinserwartungen brachten Marktteilnehmer nun dazu, ihre Positionen plötzlich zurück zu drehen. Der Dollar verlor gegen den Euro mehr als zwei Prozent, während der Ölpreis innerhalb von zwei Tagen um 13 Prozent nach oben schoss. Zumindest kurzfristig seien die Märkte von der offensichtlich unkoordinierten Zinspolitik Europas und der Vereinigten Staaten verunsichert, erklären die Analysten der BNP Paribas.

          Allerdings befindet sich die Europäische Zentralbank mittlerweile offensichtlich in einer Position, in der sie die weitere Entwicklung bestimmen kann. Denn der schwache Dollar macht sich in den Vereinigten Staaten nicht nur über die hohen Energie- und Rohstoffpreise bemerkbar, sondern über die Importpreise im allgemeinen. Aus diesem Grund könnte die amerikanische Zentralbank gezwungen werden, den Leitzins früher anzuheben, als allgemein angenommen. Das gilt nicht nur, um inflationäre Impulse einzudämmen, sondern vor allem auch um die eigene Glaubwürdigkeit zu sichern.

          Schwacher Dollar - steigende Inflationsraten in vielen Staaten

          Nicht nur die Amerikaner haben Probleme mit der schwachen Währung. Sondern das gilt in noch stärkeren Ausmaß für jene Länder, die ihre Wechselkurse mehr oder weniger an den amerikanischen Dollar gebunden haben oder die die Effekte des schwachen Dollars über den Umweg der steigenden Energie- und Rohstoffpreise spüren. Die Konsequenz lässt sich an den Inflationsraten ablesen, die vielfach nicht nur hoch sind, sonder die auch stark von den Zielen der jeweiligen Zentralbanken abweichen.

          Zumindest bisher subventionierten manche dieser Staaten in ihren Binnenmärkten den Konsum von Energie. Das führte dazu, dass sich die hohen Energie- und Rohstoffpreise noch nicht in Gänze in den Inflationsraten niederschlugen. Da sich viele der Staaten die hohen Subventionen nun nicht mehr leisten können und die Preise erhöhen müssen, sind Überraschungen von dieser Seite in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich. Insgesamt scheint vieles darauf hinzudeuten, dass die amerikanische Zentralbank durch solche Fakten zu einer restriktiveren Geldpolitik gezwungen werden könnte. Das würde zwar dem Dollar helfen, jedoch an Börsen und den Rentenmärkten zu Gegenwind führen.

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