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Devisen & Rohstoffe : Extreme Korrelation zwischen Euro-Dollar & Ölpreis

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Die Entwicklung des Ölpreises ist ein Phänomen. Beinahe täglich erreicht er neue Rekorde, auch am Montag. Der deutlichste Grund für die Entwicklung ist der schwache Dollar gegen den Euro: Die Korrelation liegt bei knapp 97 Prozent.

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          Die Entwicklung des Ölpreises ist ein Phänomen. Beinahe täglich erreicht er neue Rekordwerte. Am Montag liegt das neue, im Tagesverlauf erreichte Hoch bei 117,4 Dollar je Barrel Öl der amerikanischen Sorte WTI.

          Es kann darüber gestritten werden, wie logisch diese Entwicklung angesichts der konjunkturellen Schwäche in den Vereinigten Staaten und deren absehbare Wirkung auf das globale Wirtschaftswachstum sein mag. Selbst wenn jedoch Zweifel aufkommen mögen, sind zwei Punkte klar: Erstens zeigt der Trend weiterhin nach oben. Zweitens ist die statistische Korrelation zwischen dem Ölpreis und dem schwachen Dollar nicht nur sehr hoch, sondern sie hat in den vergangenen Jahren sogar zugenommen.

          Kurzfristige Korrelation nähert sich 100 Prozent

          Liegt der Korrelation zwischen dem Euro-Dollar-Kurs und dem in Dollar ausgedrückten Preis für ein Barrel Öl der Sorte WTI an der Terminbörse in New York auf Sicht von fünf Jahren bei 78,4 Prozent, so hat sie in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: Auf Sicht eines Jahres liegt die Korrelation bei knapp 97 Prozent, zumindest nach Bloomberg-Informationen. Das heißt, der Kurs des Euro gegen den Dollar und der Ölpreis laufen parallel nach oben.

          Bild: Bloomberg

          Das lässt mehrere Schlussfolgerungen zu. So ist verwunderlich, dass die Europäer und viele andere Staaten mit starken Währungen aufgrund der hohen Rohstoff- und Energiepreise Inflationsprobleme haben, während man das in den Vereinigten Staaten so nicht sehen kann oder will. Dabei sind die Dollarpreise für Energie deutlich stärker gestiegen als die Preise in Euro.

          Dieser Effekt hat dazu geführt, dass die Einzelhandelsumsätze in den Vereinigten Staaten, bereinigt um die preisgetriebenen Transaktionen an den Zapfsäulen, in den vergangenen Wochen massiv eingebrochen sind. Der Markt jedoch wollte das nicht wahrnehmen, da die veröffentlichten Einzelhandelsumsätze ja „besser als erwartet“ waren.

          Auf der anderen Seite ist die amerikanische Zentralbank mit ihrer Politik der niedrigen Leitzinsen direkt für den schwachen Dollar und den hohen Ölpreis verantwortlich. Die Niedrigzinspolitik mag zwar über die Zinskurve dazu beitragen, dass angeschlagene Finanzunternehmen sich über hohe Margen nach und nach rekapitalisieren können. Auf der anderen Seite lösen sie jedoch nicht die Kernprobleme der gegenwärtigen Krise, nämlich die Liquiditäts- und Transparenzprobleme.

          Fragt sich nur, wie lange sie sich halten lassen wird

          Die zugenommene Korrelation zwischen Öl und Dollar zeigt wieder einmal, dass quantitative Modelle im Risiko- und Portfoliomanagement früher oder später versagen müssen, wenn sie von starren, historischen Daten ausgehen. Zu oft lassen sich die Verhältnisse der Vergangenheit nur bedingt auf die Zukunft übertragen.

          Wer konnte schon ahnen, dass energie- und rohstoffreiche Staaten sich auf diese Weise gegen den fallenden Dollar absichern würden? Oder dass die Ölproduzenten immer mehr Waren und Dienstleistungen in Europa einkaufen als in den Vereinigten Staaten, ohne sich vom Dollar abzukoppeln und ohne die dadurch ausgelösten inflationären Effekte in den Binnenmärkten zu adressieren? Oder dass die Vereinigten Staaten, obwohl sie deutlich weniger energieeffizient sind als Europa, den Dollar so stark abwerten lassen und den Ölpreis nach oben laufen lassen würden?

          Kurzfristig mag die starke Korrelation zwischen Dollar und Öl auch aufgrund der vor sich gehenden Währungsdiversifikation „weg vom Dollar“ anhalten. Mittel- und langfristig dürfte sie jedoch nicht zu halten sein, ohne den Welthandel und das Finanzsystem in seiner aktuellen Form zu gefährden. Denn europäische Exporteure dürften früher oder später ins Hintertreffen geraten, während die den Überschussstaaten die inflationären Probleme völlig aus dem Ruder laufen.

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