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Devisen & Rohstoffe : Euro sackt nach Scheitern des EU-Vertrags ab

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Die Ablehnung des EU-Vertrags in Irland bringt am Freitag den Euro gegen den Dollar unter Druck. Mancher Marktteilnehmer nutzt die Gelegenheit, Gewinne beim Euro mitzunehmen, während der Dollar wieder Rückenwind erhält.

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          Die Aussicht auf ein Scheitern des EU-Vertrags bringt am Freitag den Euro gegen den Dollar unter Druck. Nach Kursen von bis zu 1,5581 Dollar noch am Vortag erreichte er am späten Vormittag Werte von bis 1,5317 Dollar. Das entspricht einem Minus von 1,7 Prozent.

          Der Auslöser für diese Kursbewegung ist in ersten Ergebnissen der am Donnerstag stattgefundenen Volksabstimmung in Irland zurückzuführen, die auf eine Ablehnung des EU-Vertrags von Lissabon hindeuten.

          Argumente gegen den Euro kommen zum Vorschein

          Der Reformvertrag soll die Verfassung ersetzen, die im Jahr 2005 bei Referenden in Frankreich und den Niederlanden durchgefallen war. Das Nein der irischen Wähler wäre ein schwerer Rückschlag für die Europäische Union, deren Arbeitsweise nach der Erweiterung mit dem Vertrag grundlegend reformiert werden sollte.

          Solche Anlässe bringen immer wieder Argumente ins Rampenlicht, die den Euro an sich in Frage stellen. Das Kernargument lautet, eine einheitliche Geldpolitik lasse sich nicht vereinbaren mit unkoordinierten wirtschafts- und fiskalpolitischen Impulsen im Euroraum. In diesem Rahmen werden die unterschiedlichen finanzpolitischen Standards und konjunkturellen Zyklen in den verschiedenen Staaten Europas genannt, die in den vergangenen Monaten der Kreditkrise unter anderem die Renditen europäischer Staatsanleihen hatten divergieren lassen. So rentieren italienische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren mit 0,5 Prozentpunkten mehr, als ihre deutschen Pendants.

          Allerdings dürfte es ratsam sein, solche Argumente zumindest kurzfristig nicht über zu bewerten. Denn erstens hat die Europäische Union bisher solche Vorkommnisse robust überstanden. Und aus fundamentaler Sicht gibt es andere große Wirtschafsträume, die ähnlich divergierende Wirtschaftsentwicklungen und trotzdem eine einheitliche Währung haben. Zum Beispiel die Vereinigten Staaten.

          Rufe nach „stärkerem Dollar“ werden glaubwürdiger

          Genau von dort kam in den vergangenen Wochen die Impulse, die nun vom Markt zum Anlass genommen werden können, um Gewinne beim faktisch überbewerteten Euro mitzunehmen. Sie zeigten sich in Form von Äußerungen, die auf das zunehmendes Interesse der Amerikaner hindeuten, den Wert des Dollars zumindest zu stabilisieren. In den vergangen Wochen hat die Wahrscheinlichkeit zugenommen, mit der die Märkte eine Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten trotz der schwachen Wirtschaft erwarten.

          Die Logik solcher Erwartungen ist eingängig: Inzwischen sind die Folgen des schwachen Dollar in den Vereinigten Staaten in deutlich steigenden Importpreisen zu spüren. Anziehende Preise beschneiden die Kaufkraft der Konsumenten. Real, also bereinigt um Preiseffekte, ist der Konsum in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Monaten schon deutlich nach unten gelaufen. Inzwischen schrumpft er sogar.

          Niedrige Zinsen helfen in den Vereinigten Staaten nicht, die Krise zu lindern. Denn die Konsumenten haben kein Liquiditäts-, sondern ein Kreditwürdigkeitsproblem. Genau das wiegt umso schwerer, je schwächer der Dollar wird und je stärker das die Energie- und Rohstoffkosten nach oben treibt. In diesem Sinne werden tiefe Zinsen und eine schwache Währung kontraproduktiv. Aus solchen Gründen tendieren immer mehr Marktteilnehmer dazu, Aussagen amerikanischer Zentralbanker ernster zu nehmen, als in der Vergangenheit. Vor allem auch vor dem anstehenden G8-Treffen, das für Überraschungen gut sein kann.

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