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Devisen & Rohstoffe : Bonitätsabstufung belastet den Neuseeland-Dollar

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Eine etwas überraschende Bonitätsabstufung belastet den Kurs des Neuseelan-Dollars auf hohem Niveau. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch machen sich urplötzlich Sorgen über die hohe Auslandsverschuldung des Landes insgesamt.

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          Mit Rationalität kommt man an den Finanzmärkten nicht immer sehr weit. Das gilt insbesondere dann, wenn es gilt, Kursbewegungen am Devisenmarkt zu erklären. Schließlich zeigt die Erfahrung, dass Wechselkurse länger und stärker von allen nur denkbaren und theoretisch ableitbaren Gleichgewichtswerten abweichen können, als man gemeinhin erwartet.

          Denn hat eine Bewegung eingesetzt, kann sie sich alleine schon aus psychologischen oder technischen Gründen über längere Zeitperioden hinweg selbst verstärken. Schließlich handeln viele Anleger nach dem Motte „der Trend ist dein Freund“. Viele der immer weiter verbreiteten quantitativ orientierten Anlage- und Handelsmodelle tun nichts anderes.

          Wechselkurse der Währungen kleiner Länder sind anfällig ...

          So lässt es sich erklären, dass Währungen kleiner Staaten innerhalb kürzester Zeit deutlich ab- oder aufwerten und über längere Zeit auf an sich „abwegigen“ Kursniveaus verharren können. Das gilt nicht nur für den Schweizer Franken, sondern unter anderem auch für den Neuseeland-Dollar. Der gehörte in den vergangenen Jahren unter anderem aufgrund des vergleichsweise hohen Zinsniveaus und der „Rohstoffphantasie“ zu den stärksten Währungen weltweit, obwohl das Land im Gegensatz zu Australien kaum über Bodenschätze verfügt.

          War der Neuseeland-Dollar in den vergangenen Wochen gemessen an der Kaufkraftparität auf Basis der Verbraucherpreise im Verhältnis zum Euro um bis zu 15 und im Verhältnis zum amerikanischen Dollar um bis zu 33 Prozent überbewertet, so geriet der Kurs zuletzt in die Defensive. Am Freitag verliert der gegen den Dollar und gegen den Yen jeweils ein Prozent und gegen den Euro knapp 0,5 Prozent.

          Der Grund liegt nicht nur in der allgemeinen Konsolidierung überzogener Kursbewegungen, sondern die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch haben die Bonität Neuseelands gesenkt und dies mit dem steigenden Schuldenberg begründet. Es sind die ersten Herabstufungen der Kreditwürdigkeit für das Land seit 13 Jahren. Beide Agenturen senkten das Rating um eine Stufe auf „AA“. Damit ist Neuseeland nun noch weiter von der Spitzenbonität entfernt als zuvor. Immerhin schätzen S&P sowie Fitch den Ausblick als „stabil“ ein.

          ... für starke Kursbewegungen, die durch spekulative Kapitalsströme ausgelöst werden

          S&P-Analyst Kyran Curry erklärte, Neuseelands Zahlungsbilanz werde sich durch die Folgen der verheerenden Erdbeben in diesem Jahr und diverse Konjunkturmaßnahmen weiter verschlechtern. Es sei zu erwarten, dass die schlechtere Bonitätseinstufung die Refinanzierungskosten des Landes erhöht. Der Drei-Monatszins in Neuseelland ist in den vergangenen Monaten stetig von 6,63 Prozent im August des Jahres 2009 auf bis zu 2,84 Prozent gefallen. Auch die Rendite zehnjähriger Staatspapiere ging im Trend zurück von 6,7 Prozent auf bis zu 4,2 Prozent noch am Montag in dieser Woche. Inzwischen ist sie allerdings wieder auf 4,42 Prozent gestiegen. Alleine am Freitag hat sie um 2,6 Prozent zugenommen.

          Neuseelands Wirtschaft zeichnet sich durch eine allenfalls verhaltene Entwicklung bei relativ hoher Arbeitslosigkeit, sehr hohen Immobilienpreisen und beachtlichen Preisauftrieb bei notorischen Defiziten im Außenhandel aus. Das macht die Währung des Landes unter normalen Umständen wenig reizvoll und an sich korrekturanfällig. Entsprechende Tendenzen können jedoch bei hohem Risikoappetit immer wieder durch die Suche nach Überrenditen konterkariert werden, wenn zum Beispiel japanische Anleger aufgrund der schon seit Jahrzehnten tief gehaltenen Zinsen im Binnenmarkt den Währungsraum Neuseelands „entern“.

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