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Devisen : Riksbank entzieht der Schweden-Krone die Aufwertungsphantasie

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Parität Euro/schwedische Krone. Bild:

Die schwedische Notenbank hat abermals den Leitzinssatz bei zwei Prozent belassen. Die Krone reagiert gegenüber dem Euro mit ganz leichten Abschlägen und hängt mitten in der Handelsspanne der jüngsten zwölf Monate.

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          Am Dienstag schreibt der Euro seine sanfte Aufwärtstendenz der vergangenen Tage gegenüber der schwedischen Krone fort. Er gewinnt minimal auf 9,0952 Kronen. Der Hintergrund: Die schwedische Notenbank hat am Dienstag ihren Leitzins bei rekordtiefen zwei Prozent belassen.

          Anders als in den Vereinigten Staaten und unterschwellig auch in Europa hat die Riksbank keine Furcht vor einem beschleunigten oder gar übermäßigen Preisauftrieb: Die Inflation werde in den nächsten beiden Jahren voraussichtlich im angestrebten Zielbereich von bis zu zwei Prozent bleiben, teilte die Notenbank mit. Zur Begründung führte sie verstärkten Wettbewerb in verschiedenen Märkten an. Dies kann wohl als mangelnde Preismacht bei Unternehmen gedeutet werden. Nun erwartet die Riksbank für März 2006 eine Teuerungsrate von lediglich 1,1 Prozent, während sie bisher von 1,8 Prozent ausgegangen war.

          Vor diesem Hintergrund haben Analysten Abstand von der Prognose genommen, die schwedische Notenbank werde im zweiten Quartal inflationsbedingt die Zinsschraube erstmals nach längerer Zeit wieder anziehen, wenn auch nur sanft. Daraus folgt ein Mangel an Zinsphantasie bei der Krone und gegenüber dem Euro ein entsprechend geringes Aufwertungspotential, sofern die Europäische Zentralbank nicht wider Erwarten und entgegen ihren Aussagen die Zinsschraube lockert und Schweden einen Zinsvorsprung verschafft, der die Krone stützen könnte.

          Sehr robustes Wachstum bei schwacher Inflation

          „Während wir für die Eurozone keinerlei Zinsanhebungen für das laufende Jahr erwarten, dürfte Schweden nicht ohne Zinschritte auskommen“, meinte Wolfgang Leitner, Analyst bei Raiffeisen Research in Wien noch Ende Januar in einer Studie zum Verhältnis von Schweden-Krone und Euro. Denn ein Teil der niedrigen Inflation sei wohl bis dato durch importierte Disinflation zurückzuführen. Leitner nahm an, daß dies nicht so bleiben werde und prognostizierte „den Start eines sanften Zinsanhebungszyklus im zweiten Quartal 2005“. Doch nach der jüngsten Stellungnahme der Riksbank sieht er nun frühestens für das Jahresende einen Zinsschchritt nach oben.

          Dann werde man besser beurteilen können, ob die Notenbank mit ihrer Inflationsprognose richtig liege und wohin 2006 die Reise bei den Preisen gehen werde - ob also eine Zinsanhebung anstehe. Derzeit verstärke sich der Preisauftrieb weiterhin nicht, da liberalisierte Handelsströme in Skandinavien zu einem nachlassenden Preisdruck führten. Gleiches gelte für Importe aus Billigländern in Asien und die Schwäche des Dollar, an dem unter anderem die chinesische Währung hängt.

          Zudem ziehe der Arbeitsmarkt nicht sehr stark an. Auch deshalb gebe es keinen starken Druck auf die Preise. Dessenungeachtet habe die Krone aus fundamentaler Sicht kein Problem. Die heimische Wirtschaft zeigt sich sehr robust, mit aus deutscher Sicht traumhaften Zuwachsraten: Für 2005 und 2006 erwartet die Notenbank ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jeweils 3,2 Prozent, für 2007 wird eine Rate von 2,8 Prozent genannt. Noch im Dezember hatte die Rijsbank ein Wachstum von drei Prozent für dieses Jahr vorhergesagt.

          Krone wird in schmalem Korridor gesehen

          Angesichts der fehlenden Zinsphantasie und dem entsprechenden Gleichklang mit Euroland sieht Leitner die Krone im Verhältnis zum Euro in einem verhältnismäßig schmalen Korridor zwischen 9,0 und 9,1 Kronen - wobei er „sanfte Schwingungen“ nach beiden Seiten nicht ausschließt.

          Aus charttechnischer Sicht bewegt sich die Krone einerseits mitten in der seit einem Jahr geltenden Handelsspanne. Andererseits scheint sie an dem seit Oktober 2001 geltenden Aufwertungstrend zu kratzen. Allerdings hat sie dies auch im vergangenen Jahr getan, ohne daß sie die ruhigen Bahnen zum Euro verlassen hätte. Unterstützt wird die schwedische Währung aus technischer Sicht bei etwa 9,12 Kronen. An oder knapp unter dieser Marke hat sie sich seit dem vergangenen Herbst dreimal gefangen, um anschließend wieder zu erstarken. Das Zwölfmonatshoch bei 8,891 Kronen dürfte aber angesichts der frisch entzogenen Zinsphantasie außer Reichweite bleiben.

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