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Devisen : Osteuropäische Währungen unter Druck

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Bild: FAZ.NET

Ungarn, Irland und die wirtschaftlichen Bremsspuren in den Vereinigten Staaten prägen die Wechselkursentwicklungen. Der Kurs des Forint befindet sich in der Defensive, nachdem Refinanzierungsgespräche mit dem IWF und der EU gescheitert sind.

          Ungarn, Irland und nicht zuletzt auch die schwache wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten prägen die Wechselkursentwicklungen am Devisenmarkt.

          Dort stehen am Montag die Kurse der osteuropäischen Währungen unter Druck, allen voran die des ungarischen Forint. Er verliert gegen den amerikanischen Dollar 2,2 Prozent seines Wertes, gegen den Euro 2,3 Prozent und gegen den Schweizer Franken sogar 2,5 Prozent.

          Ungarische Regierung kooperiert nur defensiv mit IWF und europäischer Union

          Die Gründe dafür sind einfach auszumachen. Denn am Wochenende wurde bekannt, dass die Gespräche von Ungarn mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union (EU) über Fragen der Haushaltskonsolidierung gescheitert sind. Deswegen erhält das Land bis auf Weiteres keine Hilfsgelder mehr von beiden Organisationen.

          Die Gespräche sind nach Aussage von Wirtschaftsminister György Matolcsy gescheitert, weil die ungarische Regierung zur Erreichung ihres Defizitziels 2010 keine weiteren Sparmaßnahmen einleiten wollte. „Wir haben gesagt, dass keine weitere Sparpolitik betrieben werden kann“, sagte der Wirtschaftsminister dem Sender „HirTV“ am Montagmorgen. Die Regierung befürchte, die Wirtschaftserholung könne durch einen noch rigideren Sparkurs belastet werden.

          Mit den Plänen der ungarischen Regierung, eine Bankenabgabe einzuführen, um das Defizitziel von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr zu erreichen, hätten sich die Vertreter von IWF und EU unzufrieden gezeigt. „Die Partner habe diese Ansicht nicht geteilt“, sagte der ungarische Wirtschaftsminister. Der IWF habe stattdessen die prompte Umsetzung struktureller Reformen gefordert. Unstimmigkeiten habe es auch über die Bezahlung der Notenbanker im Lande gegeben. Matolcsy kündigte an, dass die Gespräche mit beiden Organisationen getrennt fortgesetzt würden. Ungarn hatte im Zuge der Finanzkrise als erstes europäisches Land Hilfsgelder von IWF und EU erhalten. Die Kreditlinie über insgesamt 20 Milliarden Euro läuft jedoch im Oktober des laufenden Jahres aus.An den Beispielen Ungarns und Griechenlands zeigt sich exemplarisch, was die Probleme Europas sind.

          Nämlich wirtschaftsstrukturelle Schwächen in Verbindung mit der notorischen Neigung von politischer Seite, sie mit Staatsausgaben auf Pump temporär zu übertünchen, statt sie zu lösen. Das führt sowohl zu strukturell zunehmenden Staatsschulden als auch zu einem Scheinwohlstand in Teilbereichen der Wirtschaft, der sich jedoch nicht halten lässt. Letztlich müssen die Regierungen Maßnahmen einleiten, um die strukturellen Defizite ausgleichen, um die Finanzmärkte überzeugen zu können.

          Euro entwickelt sich robust

          Hätten solche Nachrichten in den vergangenen Wochen der allgemeinen Europakrise auch den Kurs des Euro belastet, so wertet er am Montag gegen den Dollar und auch gegen den Schweizer Franken auf, obwohl nicht nur Ungarn für kritische Nachrichten sorgt. Sondern Moody's Investors Service hat die Bonitätsnote für irische Staatsanleihen von „Aa1“ auf „Aa2“ zurückgenommen. Die Ratingagentur begründete den Schritt mit dem allmählichen, aber erheblichen Verlust der Finanzstärke des Landes. Die Ratingagentur hat außerdem die Kreditwürdigkeit der sogenannten Bad-Bank des Landes, der National Asset Management Agency, auf „Aa2“ nach unten korrigiert, mit stabilem Ausblick. Der Ausblick für die Anleihen dagegen sei „positiv“, schrieb Moody's in einer per E-Mail versandten Erklärung.

          Im Unterschied zu Griechenland und Ungarn hat Irland jedoch drastische Sparmaßnahmen ergriffen, um die Folgen der geplatzten Immobilienkrise und der dadurch ausgelösten Bankenprobleme zu lösen.

          Aus diesem Grund wird der Euro nicht nur nicht belastet, sondern er wertet gegen den amerikanischen Dollar wieder auf, nachdem er schon am Freitag kurzzeitig vorübergehend die Marke von 1,30 Dollar überwunden hatte. Er profitiert momentan von den sich immer mehr verdichtenden Anzeichen auf eine Abschwächung der konjunkturellen Entwicklung in den Vereinigten Staaten und zur Vermutung, die amerikanische Zentralbank werde eine weitere Welle des so genannten „quantitativ easing“ generieren und die an sich schon expansive Geldpolitik möglicherweise noch extremer zu gestalten. Genau das könnte Marktteilnehmer zum Ausverkauf der amerikanischen Währung bringen.

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