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Devisen : Neuseeland-Dollar in der Defensive

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Der Kiwi hat seine Flügel verloren Bild: AP

Die so genannten „Commodity-Währungen“ - und damit auch der Neuseeland-Dollar - hatten in den vergangenen Monaten im Rahmen des Rohstoffbooms einen guten Lauf. Zumindest der Kiwi-Dollar hat die Aufwertungstrends gebrochen.

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          Die so genannten „Commodity-Währungen“ hatten in den vergangenen Monaten im Rahmen des anhaltenden Rohstoffbooms einen guten Lauf. Denn erstens profitierten sie direkt von der zunehmenden Nachfrage. Zweitens von den Auslandsgeldern, die in die Börsen und Rentenmärkte der gut mit Rohstoffvorkommen versorgten Länder flossen, um am induzierten Wirtschafts- und Börsenboom teilhaben zu können.

          Neben anderen Währungen wie dem kanadischen oder dem australischen Dollar konnte davon auch der Neuseeland-Dollar profitieren und sowohl gegen den amerikanischen Dollar als auch den Euro aufwerten. Nun scheint es damit allerdings vorbei zu sein. Denn der Kiwi-Dollar ist in den vergangenen Tagen gegen den Euro durch den im Jahr 2001 etablierten Aufwertungstrend gefallen und gegen den amerikanischen Dollar aus einer Konsolidierungszone deutlich nach unten herausgefallen.

          Schrumpft der Zinsvorteil bald?

          Die Währung scheint zwar optisch mit hohen Zinsen wuchern zu können - die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen Neuseelands liegt bei 5,765 Prozent und für 3-Monats-Bills sogar bei 7,25 Prozent -, allerdings scheint diese Argument nicht mehr gewichtig genug zu sein, um die Währung auf dem erreichten Niveau halten zu können. Denn jene Punkte, die eine gewisse Zeit für die Währung gesprochen haben, verlieren nun an Gewicht. Damit werden die Negativa wieder stärker beachtet.

          So scheint die neuseeländische Wirtschaft nicht mehr richtig rund zu laufen. Das zeigt sich unter anderem an der Tatsache, daß die Einzelhandelsumsätze im Dezember des vergangenen Jahres stagnierten, statt zuzulegen. Das und weitere eher kritische Indikatoren - Wirtschaftsvertrauen auf 15-Jahrestief, erster Rückgang auf dem Arbeitsmarkt seit drei Jahren, Vier-Jahrestief beim Verkauf von Häusern - führen unmittelbar zur Vermutung, die neuseeländische Zentralbank könnte bei einer weiteren Verstetigung dieser Entwicklung nicht nur die Zinsen nicht mehr weiter erhöhen, sondern sie sogar bald senken.

          Im Moment spricht dagegen noch die Preisentwicklung, die sich am oberen Ende der von der Zentralbank angestrebten Spanne von einem bis drei Prozent befindet. Sollte jedoch der Preisdruck nachlassen, wäre der Weg wohl für Zinssenkungen frei. Auf diese Weise würde der Kiwi-Dollar zunehmend den bisherigen Zinsvorteil verlieren. Immerhin sind die Zentralbanken in Amerika, Europa und wohl bald auch in Japan auf Kontraktionskurs.

          Ausgeprägtes Leistungsbilanzdefizit

          Das ist jedoch nicht alles. Denn ähnlich wie die Vereinigten Staaten lebte Neuseeland in den vergangenen Jahren stark auf Kosten des Auslandes. Das zeigt sich and der Entwicklung der Leistungsbilanz. Sie ist in den vergangenen Jahren immer negativer geworden. In den vergangenen Monaten bewegte es sich mit zunehmender Dynamik in Richtung neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Solche strukturellen Argumente lassen sich nur zwischenzeitlich und vorübergehend überspielen. Nun dürften sie wieder zum Tragen kommen. Viele Marktteilnehmer warteten im Moment nur auf eine günstige Gelegenheit, um die neuseeländische Währung zu verkaufen. Möglicherweise haben sie schon zu lange gewartet, denn der Markt läuft längst gegen sie. Sollten sie das erkennen, scheint sogar eine gewisse Eigendynamik denkbar zu sein.

          Möglicherweise sollten die Anleger auch einen Blick auf den amerikanischen Dollar und die amerikanische Wirtschaft werfen. Denn es dürfte nicht ausgeschlossen sein, daß sich dort bald dasselbe abspielt, was gegenwärtig in Neuseeland passiert. Nur befindet sich Neuseeland im zeitlichen Zyklus weiter vorne.

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