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Devisen : Miserable Wirtschaftspolitik lastet auf dem Euro

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Beim Euro verfliegt der Optimismus schon wieder Bild: dpa

Offizielle Stimmen versuchen den Euro hochzureden. Marktteilnehmer blicken auf schwache Politiker und bleiben eher skeptisch.

          Die physische Einführung des Euro scheint überraschend schnell und ohne größere Probleme über die Bühne zu gehen. Der Devisenmarkt reagierte zunächst darauf mit „Euroeuphorie“. Der Euro konnte am ersten Handelstag des Jahres 2002 von 89 Cents auf 90,5 zulegen, begann aber unmittelbar danach wieder „abzubröckeln“ und beendete die erste Handelswoche mit einem Kurs von 0,895 Dollar.

          Die erste Euphorie ist also schnell verpufft. Der Eurooptimismus und die Erwartung steigender Kurse kommt vor allem von „offiziellen Stellen und Institutionen“. Der Markt selbst gibt sich eher pragmatisch. „Vor allem die Äußerungen des EZB-Präsidenten Wim Duisenberg, die Zinsen seien auf dem aktuellen Niveau angemessen“ haben den Markt enttäuscht, formuliert Jeremy Fund von UBS Warburg seine Interpretation.

          Europa löst seine Grundprobleme nicht

          Die Marktteilnehmer sehen, dass Europa in Sachen Wirtschaftserholung hinter den USA herhinkt und wollen aus diesem Grund auch in Europa eine lockerere Geldpolitik sehen. Sollte die EZB „nicht liefern“, obwohl die Preise unter die Zwei-Prozent-Marke fallen, dann könnte der Markt „frustriert“ reagieren und den Euro unter Druck bringen, denkt Fund.

          Denn die physische Einführung habe absolut nichts an den grundlegenden strukturellen Problemen - zum Beispiel dem völlig unflexiblen Arbeitsmarkt - Europas geändert und die belasten die Währung langfristig. Duisenberg habe dies selbst angesprochen und darauf hingewiesen, dass das, was an Reformen umgesetzt worden sei „sicherlich nicht genug“ sei. Die ökonomische Realität wird sich schnell bemerkbar machen und den Euro in den kommenden drei Monaten auf ein Niveau von 86 Cents bringen, erwarten die Analysten von UBS Warburg.

          Politikversagen würde Vertrauen massiv schädigen

          Die Experten von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DRKW) sehen das ähnlich. Beim Blick auf das Jahr 2002 sehen sie die Möglichkeit, dass der Stabilitäts- und Wachstumspakt in Europa gebrochen werden könnte. Vor allem in den „Wahlländern“ Deutschland, Frankreich und Holland könnten die Regierungen versucht sein, die Ausgaben zu steigern und die Steuern zu senken, um mit kurzfristig erfolgreichen, aber langfristig problematischen Effekten die Wiederwahl sicher zu stellen.

          Das würde allerdings das Vertrauen in die Währung massiv untergraben und ein Investment im Euroraum weniger attraktiv machen. „Viele ausländische Anleger würden des Brechen des Stabilitätspaktes als Signal dafür sehen, dass die Reformen in Europa, speziell im Arbeitsmarkt, nicht vorankommen“, formuliert Anthony Thomas seine Einschätzung. Der Schaden wäre besonders groß, wenn eines der großen Länder beispielsweise das Defizitkriterium von drei Prozent Verschuldung bezogen auf das Sozialprodukt nicht erfüllen würde. Bedrohlich nahe an der entsprechenden Grenze liegt vor allem Deutschland - und das hatte den Pakt gegen viele Widerstände selbst durchgeboxt.

          Sollte die Wirtschaft in den USA sich deutlich erholen, würde das mit großer Wahrscheinlichkeit die Kapitalströme in den Dollarraum wieder verstärken. Sie waren in den vergangenen Monaten deutlich abgeflaut. So würden es die DRKW-Analysten nicht ausschließen, dass der Euro sogar bis auf 80 Cents abgeleiten könnte.

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