https://www.faz.net/-gv6-qvvm

Devisen : Mexikos Zentralbank dämpft die Peso-Phantasie

  • Aktualisiert am

Mexicos Peso hat gegen den Euro noch Spielraum Bild: picture-alliance / dpa/epa

Die mexikanische Börse und auch die Währung des Landes befanden sich in den vergangenen Monaten auf einem Höhenflug. Sie dürften von Zinssenkungen und Geldzuflüssen profitiert haben. Nun dämpft aber die Zentralbank die Zinsphantasie.

          2 Min.

          Mit deutlichen Kursgewinnen gegen den Euro reagiert am Montag der mexikanische Peso auf die sechste Zinssenkung in Folge durch Mexikos Zentralbank am Freitag, nachdem die Kerninflationsrate auf ein Rekordtief gefallen ist. Die Währungshüter nahmen den Tagesgeldsatz um einen halben Prozentpunkt auf 7,75 Prozent zurück, was im Rahmen der Erwartungen lag.

          Nach 12,6795 Pesos am Freitag sind am Montag nur noch 12,6390 Pesos nötig, um einen Euro erwerben zu können. Gegen den Dollar dagegen bewegt sich die mexikanische Währung kaum. Mit einem Kurs von 10,4550 Pesos je Dollar liegt sie nahe an dem noch Ende des vergangenen Jahres erreichten Zweieinhalb-Jahreshoch. Gegen den Dollar befindet sich die Währung in einem im September des Jahres 2004 etablierten Aufwertungstrend, während sie gegen den Euro eher nach einer einjährigen Aufwertungsbewegung von 15,3662 Pesos auf zwischenzeitlich bis zu 12,1777 Pesos je Euro konsolidiert.

          Zinssenkungen führten unter anderem zu einem Börsenboom

          Sind Zinssenkungen theoretisch negativ für Währungen, so funktioniert die Logik an den Märkten phasenweise auch anders herum. Denn fallende Zinsen haben in den vergangenen Monaten die Wirtschaft des Landes trotz des Ausbleibens eigentlich nötiger, nachhaltiger Reformen aus einem Wachstumstief geholt. Nach einem Plus von 2,4 Prozent auf Jahresbasis im ersten Quartal des vergangenen Jahres lag das Wachstum im dritten bei 3,3 Prozent. Die Regierung schätzt, daß die mexikanische Wirtschaft im vergangenen Jahr um drei Prozent expandierte, nach einer Steigerungsrate von 4,4 Prozent 2004.

          Die Zinssenkungen hatten dazu beigetragen, daß sich die Anleihen des Landes auf einem relativ hohen Niveau halten konnten. Dagegen haben sie an der Börse zusammen mit der weltweit anhaltenden Hausse und der hohen Risikoneigung der Anleger zu einem wahren Boom geführt. Der Mexican Bolsa Index hat vom Februar des Jahres 2003 bis am Freitag satte 235 Prozent auf 19.448 Punkte in der Spitze zugelegt. Das war ein Allzeithoch.

          Ausländische Anleger dürften bei dieser Entwicklung auf der Suche nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten eine maßgebliche Rolle gespielt und mit ihrem Engagement auch die Währung nach oben getrieben haben. Allerdings dürfte man sowohl den Rentenmarkt, die Börse und auch die Währung inzwischen etwas vorsichtiger als bisher betrachten müssen. Denn mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 15 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr sind die Aktien des Landes keine ausgeprägten Schnäppchen mehr.

          Notenbank dämpft weitere Zinsphantasie

          Gleichzeitig erklärte die Notenbank, sie sehe nur noch „begrenzten“ Spielraum für weitere Leitzinssenkungen, nachdem sie die Zinsen bereits um zwei Prozentpunkte auf ein 15-Monats-Tief zurückgeführt hat. Sie hob ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2006 von zuvor 3,5 Prozent auf 3,7 Prozent an und signalisierte, das Tempo der Zinssenkungen drosseln zu wollen. Sie befürchtet, weitere Zinsschritte von einem halben Prozentpunkt könnten die Wirtschaft zu kräftig anschieben und die Inflation anheizen.

          „Sie sind fast da, wo sie die Zinsen haben wollen und werden bei den letzten Schritten vorsichtig vorgehen, um einen Fehler zu vermeiden“, sagte Michael Hood, Ökonom bei Barclays Capital der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bei der Inflation gehen die Währungshüter in diesem Jahr von einer Rate von drei bis 3,5 Prozent aus. Mexiko hat ein Jahresinflationsziel von drei Prozent. Die Kerninflationsrate, in der gewisse Lebensmittel und die Energiepreise nicht enthalten sind, werde sich auf etwa drei Prozent belaufen, erwartet die Zentralbank.

          Auf dieser Basis dürfte ein kritische Blick auf die Märkte ratsam sein. Vor allem dann, wenn die amerikanische Zentralbank den Leitzins untererwartet weit nach oben schrauben sollte. In diesem Fall dürfte allerdings der Peso gegen den Euro zusammen mit dem Dollar noch etwas Spielraum haben, es sei denn, die Europäische Zentralbank gäbe sich ebenso vigilant.

          Weitere Themen

          Wie stark wirken die EZB-Anleihekäufe?

          EZB-Streit : Wie stark wirken die EZB-Anleihekäufe?

          Die Bundesbank und die Commerzbank befassen sich in zwei Studien mit den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank – mitten im Streit um das kritische Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

          Topmeldungen

          Unruhen wegen George Floyd : Ausgangssperre in Los Angeles

          Die Gewalt in Amerika eskaliert. In Detroit wird ein Demonstrant erschossen, in Oakland ein Polizist. Minnesotas Gouverneur entschließt sich zu einem einmaligen Schritt – und Trump gießt weiter Öl ins Feuer. Er beschuldigt linke Gruppen, hinter den Unruhen zu stecken.
          Der Start am Weltraumbahnhof in Florida

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.